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Wie Tierrechtsorganisationen unter dem Deckmantel der Gemeinnützigkeit dem Zirkus schaden

06/10/2015 11:36 CEST | Aktualisiert 06/10/2016 11:12 CEST
Daniel Burow

Wenn eine Person im Internet mit negativen Dingen in Verbindung gebracht wird, die nicht der Wahrheit entsprechen, wenn dazu Videomaterial manipuliert wird, dann liegt nach allgemeinem Rechtsverständnis Verleumdung oder üble Nachrede vor.

Dass jedoch vor dem Gesetz zwar alle gleich, doch manche gleicher sind, musste die Raubtierlehrerin Carmen Zander erfahren. Die für ihre radikalen Vorgehensweisen bekannte Tierrechtsorganisation PETA hat in einem Youtube-Clip über Tierquälerei im Zirkus einen dreisekündigen Ausschnitt von Zanders Raubtiernummer verwendet.

Darin wird der Eindruck erweckt, sie schlage einen Ihrer Tiger. In Wahrheit trifft sie lediglich ein Podest vor dem Tier. Doch im Zusammenschnitt mit brutalen Szenen aus völlig anderer ausländischer Herkunft, hinterlegt mit einer dramatischen Tonkulisse, verfehlt das Video seine Wirkung Carmen Zander in ein schlechtes Licht zu rücken nicht.

Unterlassungsklage gegen PETA ohne Erfolg

Eine Unterlassungsklage gegen PETA scheiterte mit bemerkenswerter Urteilsbegründung: In der Sache war in der Tat keine Tierquälerei nachweisbar. Doch PETA sei „für die Ausübung von Kritik am System der Wildtierhaltung in Zirkussen (...) als gemeinnütziger Verein mit dem Ziel des Tierschutzes besonders legitimiert".

Die äußerst fragwürdige Videokampagne wird also nicht nur finanziell durch den Staat subventioniert. Schließlich werden gemeinnützige Organisationen steuerrechtlich begünstigt. Auch die rechtliche Bewertung ist eine andere.

Nicht nur Diplomaten, auch sogenannte gemeinnützige Organisationen genießen also in Deutschland besondere rechtliche Freiheiten. Diese interessante Rechtsauslegung hat bei mir gleich mehrere naheliegende Fragen aufgeworfen:

Bin ich als Mitglied eines gemeinnützigen Vereins zur Sportförderung auch in besonderer Weise dazu legitimiert auf dem Rennrad die Straßenverkehrsordnung zu brechen? Bin ich als Anhänger einer gemeinnützigen Umweltschutzorganisation im besonderen Maße legitimiert, spritfressenden Geländewagen die Reifen aufzustechen?

Illegale Handlungen

Die Analogien zeigen: Unser Rechtsstaat wird ad absurdum geführt, wenn die einen mehr, die anderen weniger zu illegalen Handlungen legitimiert sind.

Zudem stellt sich die Frage, mit welcher Begründung PETA den privilegierten Status der Gemeinnützigkeit überhaupt genießt. Eine solche Organisation muss dem Gesetz nach gemeinnützige Ziele selbstlos verfolgen.

PETA beschäftigt alleine in Deutschland nach eigenen Angaben 30 hauptberuflich tätige Personen. Diese Mitarbeiter sind nicht etwa mit Artenschutzprojekten, Betrieb von Tierheimen oder ähnlichen hehren Zielen im Sinne des Tierschutzes beschäftigt.

PETA betreibt PR-Kampagnen

Vielmehr betreiben sie PR-Kampagnen gegen alle Arten von völlig unbescholtenen Tierhaltern, vom Bauern über den Zirkus bis zum Zoo. PETA ist eine professionell aufgestellte PR-Maschinerie, die sich selbst durch mediale Aufmerksamkeit und dadurch eingetriebene Spendengelder am Leben hält. Ganz selbstlos, versteht sich.

Nun kann man entgegenhalten, dass all die PR-Arbeit natürlich einem übergeordneten Ziel dient. Doch was für ein Ziel ist das? Es ist bei den Ideen der PETA-Gründerin Ingrid Newkirk nachzulesen.

Tiere sollen dem Menschen als Rechtssubjekt gleichgestellt werden, jegliche Form von Tierhaltung durch den Menschen ist, egal ob es dem Tier gut geht oder nicht, abzuschaffen. Dies steht geradezu konträr dem Gedanken des Tierschutzes entgegen.

PETA als Tierrechtsorganisation

Tierschutz setzt eine Höherstellung des Menschen voraus, da sich daraus erst die Verpflichtung ergibt, sich für das Wohlergehen von Tieren oder etwa den Erhalt von Arten einzusetzen. Nicht umsonst bezeichnet sich PETA selbst nicht als Tierschutz- sondern als Tierrechtsorganisation. Es sei daran erinnert: Der Gesetzgeber definiert Tierschutz als gemeinnütziges hohes Ziel, von Tierrecht ist keine Rede.

Bei den allgegenwärtigen Demonstrationen von Tierrechtsaktivisten vor deutschen Zirkussen kann man den Unterschied sehr gut studieren: Auf der einen Seite des Zauns sind die Tierlehrer und -pfleger, die ihr ganzes Leben in direktem Kontakt mit ihren Tieren verbringen, deren berufliche Existenz von gesunden und aufgeweckten Tieren abhängt und die deshalb die Bedürfnisse ihrer Schützlinge genau kennen.

Auf er anderen Seite des Zauns sind die Aktivisten, die diese Tiere zurück in eine Wildnis schaffen wollen, welche die in menschlicher Obhut geborenen Tiere überhaupt nicht kennen und die von Wilderei und Naturzerstörung bedroht ist. Auf welcher Seite des Zauns wirklich Tierschützer stehen, möge der Leser selbst entscheiden.

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Mehr Infos zum Thema "Tiere gehören zum Circus" gibt es hier und auf Facebook.

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