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Tierrechtler, Zirkus und ein eigenartiges Verständnis von Pressefreiheit

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Es ist keine leichte Zeit für die Pressefreiheit. Wenn die Themen emotional werden, dann wird Berichterstattung gerne politisch instrumentalisiert oder, sofern sie nicht zur eigenen Meinung passt, diskreditiert. Pegida ist da nur ein Beispiel. Ein vergleichsweise harmloser, wenn auch denkwürdiger Fall spielte sich nun beim Ostholsteinischen Anzeiger in Schleswig-Holstein ab.

Den Anlass gab das Gastspiel des Circus Krone im vergangenen Jahr in Eutin. Wie inzwischen in jeder Gastspielstadt eines Großzirkus machte auch in Eutin die Tierrechtsorganisation PETA Front gegen das Unternehmen, sendete eine Pressemitteilung mit heftiger Kritik an Krone's Tierhaltung und der Gastspielgenehmigung. Wie es sich nun für Journalisten gehört, recherchierte man beim Ostholsteinischen Anzeiger. Aussagen vom Zirkus und seinen Unterstützern wurden gegenübergestellt, bei PETA Belege für die erhobenen Vorwürfe angefordert.

Es stellte sich heraus, dass sich die Recherche gelohnt hat, waren doch die Vorwürfe gegenüber dem Zirkus sehr zweifelhaft begründet. Das Ergebnis war ein ausführlicher Artikel, in dem alle Seiten zu Wort kamen, die Argumente geschildert und eingeordnet wurden. Dass sich der deutsche Presserat mit ihrer Arbeit beschäftigen würde, hat die Lokalredaktion wohl nicht für möglich gehalten. Auch dass ihre Einschätzung eines Zirkusgastspiels selbst am anderen Ende der Republik noch für einen Aufschrei sorgen würde, kam sicherlich überraschend.

Ein Leser aus Bayern, der trotz eines vermutlich nicht sehr ausgeprägten Interesses an Schleswig-Holsteiner Lokalpolitik auf den Artikel aufmerksam wurde, legte Beschwerde ein. "Zu zirkusfreundlich" sei der Text, empörte er sich. Hier sei gegen den Pressekodex verstoßen worden.

Nun ist es amtlich: Es handele sich um einen ausgewogenen Bericht, der den Konflikt sauber aufarbeitet und dem Leser die Möglichkeit gibt, eine eigene Position zu entwickeln, stellte der Presserat kürzlich fest. Doch genau hier liegt wohl das Problem: Eine Position zu entwickeln setzt die Bereitschaft voraus, die vorherige Position zu hinterfragen. Hätte die Zeitung nicht recherchiert, sondern die Pressemitteilung von PETA schlicht übernommen, hätte dieser bayerische Verfechter der kritischen Presse vermutlich keine Beschwerde eingereicht.

Wohlwollend hätte er zur Kenntnis genommen, wie sein Weltbild bestätigt wird. Nur wenn die Berichterstattung die eigene Meinung in Frage stellt, dann muss sie wohl einseitig und falsch sein. Von hier bis zur Mär von der "Lügenpresse" ist es nicht weit. Doch zum Glück haben wir in Deutschland ja eine freie Presse.

Mehr Infos zum Thema "Tiere gehören zum Circus" gibt es hier und auf Facebook.

E-Mail: presse@tiere-gehoeren-zum-circus.de

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