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Gedanken zur Elefantenhaltung

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Verfolgt man die Medienberichterstattung der letzten Wochen und Monate über Zwischenfälle mit Elefanten im Zirkus, so wird leicht der Eindruck vermittelt, es handele sich um gefährliche Bestien. Da ist von "Killer-Elefanten" die Rede (Zitat Bild-Zeitung) und schnell wird ein generelles Verbot ihrer Haltung gefordert. Blickt man dagegen in die Gebiete der Erde, in denen Elefanten heimisch sind, dann wird schnell deutlich, dass der Mensch die größere Bedrohung für den Elefanten darstellt als andersherum.

Die schreckliche Wilderei nimmt mehr und mehr Überhand, um die Nachfrage nach Elfenbein vor allem in Asien zu stillen. Einen Elefanten zu töten und neben ihm heroisch zu posieren, das kann man heute für ca. 10000 als Reiseattraktion buchen. Es ist viel einfacher und günstiger umzusetzen als etwa einen Elefanten nach Europa einzuführen und ihm ein sicheres Leben in menschlicher Obhut zu bieten. Schlimmer noch: Hält man Elefanten in großräumigen Freigehegen und beschäftigt die hochintelligenten Tiere in einer Dressur, wie das im Zirkus der Fall ist, dann setzt man sich heute dem Vorwurf der Tierquälerei aus.

Wenn Demonstranten vor dem Zirkuszaun für die Freiheit der Dickhäuter demonstrieren, während deren freie Artgenossen sich im Massensterben befinden, dann stimmt hier etwas nicht im Wertegerüst. Hinter der Bewegung gegen Tiere im Zirkus steckt in Wahrheit nicht etwa der Tierschutzgedanke. Eine tiergerechte Haltung von Elefanten und anderen Wildtieren im Zirkus ist möglich und wird in Deutschland nach strengen Leitlinien praktiziert. Im Ergebnis ist beispielsweise die Lebenserwartung asiatischer Elefanten sogar deutlich höher als in freier Wildbahn, was ein eindeutiger Beleg für eine gute Tierhaltung ist. Um Tierschutz kann es also nicht gehen. Es ist die Entfremdung von Mensch und Tier, die Ziel und Konsequenz der Tierrechtsbewegung ist.

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Die Vermeidung von Kontakt zwischen Mensch und Tier ist auch Grundidee der Elefantenhaltung in einigen Zoos. Bei der sogenannten Off-Hand-Haltung wird auf das Erlernen von Kommandos und den Aufbau eines Vertrauensverhältnisses mit dem Pfleger verzichtet. Was gerne zur natürlichsten Haltungsform erklärt und dem Mainstream des "die Natur sich selbst überlassen Wollens" entspricht, hat aber handfeste Nachteile für das Tier. So muss es etwa für jeden Tierarzttermin narkotisiert werden mit allen damit verbundenen Risiken. Sollte tatsächlich mal eine gefährliche Situation eintreten, gibt es keine Vertrauensperson, die das Tier beruhigen könnte. Viele Zoos halten Elefanten daher weiterhin in "Full Contact'', den Tieren werden Kommandos andressiert, der Pfleger ist zugleich Vertrauensperson. Die Arbeit des Pflegers ist der des Tierlehrers in diesem Punkt sehr ähnlich.

Im Zirkus stellt sich die Frage nach der Haltungsart nicht. Der Tierlehrer hat per se engen Kontakt zu seinem Schützling, kann mit Stimme und Bewegungen auf das Tier einwirken. Diese Art der Kontrollausübung wird bei der Diskussion über Sicherheit unterschätzt. Vertrauen zwischen Tier und Tierlehrer bietet mehr Sicherheit als jedes Gehege. Und letztlich ist es doch in Zeiten einfacher Reisemöglichkeiten rund um den Globus der unmittelbare Kontakt von Mensch und Tier, der uns an Zoo und besonders Zirkus weiterhin in den Bann zieht. Wenn wir diesen Kontakt verbieten, sei es aus Sicherheitsdenken oder Naturromantik, dann bleibt uns in Zukunft nur, den Elefanten aus der Ferne beim Aussterben zuzuschauen.


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