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Die fragwürdigen Methoden von Tierrechtlern gegen Tiere im Zirkus

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ZIRKUS
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Zirkus, das sind waghalsige Akrobaten, lustige Clowns und spektakuläre Tierdressuren. Heutzutage gehören jedoch auch Demonstranten, Megaphone und Transparente zum Bild, wenn man einen Zirkus besucht. Diverse Tierrechtsgruppierugen demonstrieren gegen die Haltung von Tieren in Zirkusunternehmen.

Eine Klarstellung zu Beginn: Es muss zwischen Tierschützern und Tierrechtlern unterschieden werden. Erstere setzen sich für die stetige Verbesserung der Lebens- und Haltungsbedingungen von Tieren ein. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Prozess, der in Deutschland zur Einführung von Leitlinien für die Haltung von Wildtieren im Zirkus geführt hat.

Im kritischen Dialog von Tierschützern und Zirkusleuten haben sich die Bedingungen der Tierhaltung in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Großzügige Freigehege und auf die Tierart abgestimmte Beschäftigungsmöglichkeiten sind heute Standard.

Tierrechtler dagegen speisen ihre Ziele aus dem Gedankengut der durch radikale Kampagnen bekannten amerikanischen Organisation PETA. Ihr Ziel ist die „Befreiung" sämtlicher Tiere aus menschlicher Obhut. Zoos sind ihnen ebenso zuwider wie etwa die landwirtschaftliche Nutztierhaltung oder der Reitsport. Ihre Mittel zum Erreichen dieses Ziels sind höchst fragwürdig. Das soll am Beispiel des Zirkus verdeutlicht werden.

Inszenierte Demonstrationen

Wird zu einer Demonstration vor einer Zirkusvorstellung aufgerufen, so erfolgt dies in der Regel überregional. Die Anzahl der Demonstrationsteilnehmer hat daher recht wenig mit dem regionalen Meinungsbild zu tun. Dennoch schaffen es Gruppen von zumeist wenigen, aber dafür umso lautstärkeren Demonstranten regelmäßig in die Presseberichterstattung. Angesichts der sehr viel größeren Menge begeisterter Zirkuszuschauer, die durch ihren Besuch mit den Füßen für den Zirkus abstimmen, wird so häufig ein sehr verzerrtes Bild der öffentlichen Meinung vermittelt.

Die Zirkusbesucher indes fühlen sich von den Demonstrationen sichtlich belästigt. Wenn beispielsweise Eltern beim Zirkusbesuch mit der Familie als Rabeneltern und Tierqualunterstützer beschimpft werden, dann mag das durch das Demonstrationsrecht gedeckt sein, die Grenzen des guten Geschmacks werden jedoch weit überschritten.

Immer wieder trifft man bei solchen Veranstaltungen auch auf Demonstranten, die zwar Transparente halten, auf Nachfragen zum Inhalt ihres Protests aber keinerlei Antwort wissen. Das ist nicht weiter verwunderlich, bedenkt man, dass Demonstranten sich heutzutage auf Internetplattformen gegen Stundenlohn anwerben lassen. Der Inhalt ist austauchbar, Präsenz und Lautstärke zählen.

Falschdarstellungen

Bei ihren Demonstrationen vor dem Zirkus Krone verteilen die Aktivisten häufig Flyer, die angebliche Verurteilungen wegen Tierquälerei auflisten. Die Recherche der schleswig-holsteinischen Regionalzeitung „Ostholsteiner Anzeiger" ergab: Die Vorwürfe sind haltlos.

So entspringt ein angebliches Zwangsgeld, das das Unternehmen wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz in seinem Winterquartier habe zahlen müssen, der puren Phantasie der Aktivisten. „Einen Tatnachweis für Verstöße gegen Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes haben die durchgeführten Ermittlungen nicht ergeben.", heißt es dagegen nach Aussage der zuständigen Staatsanwaltschaft.

Auch andere Anschuldigungen halten einer Prüfung nicht stand. So wird von Tierrechtlern gerne behauptet, die angeblich schlechten Haltungsbedingungen im Zirkus äußerten sich in einer geringen Lebenserwartung der Tiere. Das Gegenteil ist der Fall: Beträgt die Lebenserwartung asiatischer Elefanten beispielsweise in freier Wildbahn 31-35 Jahre, so ergab eine Auswertung bei den Zirkussen Krone, Knie und Ringling (USA) ein durchschnittlich erreichtes Alter von 40,7 Jahren.

Psychoterror gegenüber Zirkusleuten und Unterstützern

Bei aller Achtung für das hohe Gut des Demonstrationsrechts darf man eines nicht vergessen: Die Demonstrationen, das laute Skandieren mit Megafonen inbegriffen, finden direkt vor dem Zuhause der Zirkusleute statt. Menschen, die ihr ganzes Leben damit verbringen für ihre Tiere zu sorgen, sind dem beinahe täglich lautstark vorgebrachten Vorwurf der Tierquälerei ausgesetzt.

Doch damit nicht genug. So werden Wagen mit Beleidigungen beschmiert, Mitarbeiter wie offen bekennende Unterstützer des Zirkus werden persönlich beleidigt oder erhalten gar Morddrohungen. Besonders tritt der Hass in den sozialen Medien zu Tage, wo es nicht geahndet wird.

„Zirkus Zigeuner Pack hoffentlich werdet ihr von den Tieren gefressen" - Diese hetzerische und zudem rassistische Botschaft verstößt beispielsweise nach Aussage von Facebook nicht gegen die Gemeinschaftsstandards. Oft werden solche Äußerungen und Aktionen unerkannt bzw. unter dem Schutz von Pseudonymen getätigt, niemals würden Organisationen sich dazu bekennen. Welches Gedankengut den Hass provoziert, ist indes klar.

Sachbeschädigung

Die Zerstörung oder Beschmutzung von Plakaten ist für die Zirkusse inzwischen an der Tagesordnung. Immense Sachschäden entstehen dadurch für die Unternehmen, vom Einnahmenverlust durch sabotierte Werbung ganz abgesehen. Kürzlich schreckten die Täter beim Zirkus Charles Knie nicht einmal davor zurück, offizielle Symbole einer Kommune für die Botschaft zu missbrauchen, ein Gastspiel sei „wegen Tierquälerei" abgesagt.

Druck auf Institutionen und Unternehmen

Überall, wo ein Zirkus gastiert, prasselt heute eine geballte PR-Maschinerie von PETA auf die Kommunen ein. Städte, die ihre öffentlichen Plätze an Zirkusse vermieten, werden dafür öffentlich verurteilt. Kommunale Wildtierverbote werden gefordert, die juristisch auf wackeligen Füßen stehen. Einige solche Verbote wurden bereits mit Verweis auf das verfassungsmäßig garantierte Recht auf freie Berufsausübung gerichtlich gekippt, mit erheblichem juristischem Aufwand für Steuerzahler und Unternehmen.

Wenn Zirkusunternehmen Marketing-Kooperationen eingehen, etwa mit Sparkassen oder lokalen Radiosendern, dann beantworten Tierrechtler dies regelmäßig mit „Shitstorms". E-Mail-Postfächer oder Facebookseiten werden mit Hassbotschaften und Anschuldigungen bombardiert, nicht selten bis zum Einknicken der an den Pranger Gestellten.

Alles in allem hat der Feldzug von Tierrechtsorganisationen und ihren Anhängern gegen den Zirkus Züge angenommen, die teils an dunkle Kapitel der Geschichte erinnern. Die per se schon radikale Tierrechtsidee, nach der kein Tier in menschlicher Obhut leben soll, mischt sich mit üblen Ressentiments gegen „Zigeuner" oder „fahrendes Volk".

Über die Haltung bestimmter Tierarten im Zirkus kann man unterschiedlicher Ansicht sein. Jedem steht frei, einem Zirkus fernzubleiben, wenn die Haltung und Zurschaustellung von Tieren dem persönlichen ästhetischen oder ethischen Empfinden widerspricht. Die fachliche Beurteilung, ob „Tierquälerei" oder eine tiergerechte Haltung vorliegt, sollte indes Experten überlassen bleiben, wie dies in den Kontrollen durch Amtstierärzte regelmäßig geschieht.

Wenn eine lautstarke Minderheit fanatischer Tierrechtler es allerdings schafft eine gesamte Branche zu terrorisieren, dann ist das höchst bedenklich für unseren Rechtsstaat.

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