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Menschenwürdige Produktion: Wie die Textilbranche verändert werden muss

01/04/2015 12:57 CEST | Aktualisiert 01/06/2015 11:12 CEST

Primark

Letzte Woche habe ich wieder einmal zu viele Primark-Tüten gesehen. Primark steht für mich für Billigkleidung, so wie McDonald's für Fast Food steht. Obwohl der irische Textilkonzern fast nur negative Publicity abbekommt, wundere ich mich immer wieder, warum dort immer noch die Massen einkaufen. Wer einen Primark in seiner Stadt hat, kennt das Szenario: du siehst jeden, wirklich jeden im Umkreis von einem Kilometer mit mindestens zwei Tüten rumlaufen.

Bei den billigen Preisen kann man schließlich getrost zuschlagen. Wenn etwas nicht mehr gefällt oder nach eine paar Wochen auseinanderfällt, landet es eben im Müll. Hat ja fast nichts gekostet. Wenn etwas so günstig ist, liegt die Vermutung nahe, dass hier bei der Produktion enorm gespart wird. Und das geht dann wohl in fast allen Fällen zu Lasten der dortigen Arbeiter.

Man könnte sie auch Sklaven nennen. Wir haben schon viele Tote im Fernsehen gesehen, erst vor kurzem in Bangladesch. Und warum? Weil wir unsere Einkaufstüte voll haben wollen ohne viel dafür zu bezahlen. Das Thema ist bei uns zwar schon angekommen und mittlerweile allgegenwärtig, aber ändern tut sich nichts.

Uns geht es gut. Und wenn es einem gut geht schaut man nicht so gerne auf die Schattenseite. Man hat zwar Mitleid und würde gerne was ändern. Aber der günstige Preis ist halt doch verlockend. Wir alle wissen, unter welchen Bedingungen unsere Kleidung hergestellt wird. Und doch ändert sich nichts.

Bangladesh

Gibt es denn keine sinnvollen Verbesserungsvorschläge? Würde der Käufer mehr bezahlen wenn er sich sicher sein könnte, daß die Ware nicht von blutigen Händen gefertigt wurde? Was würde ein T-Shirt mehr kosten wenn es unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt werden würde? Wenn die Fabriken modernisiert werden würden und für die Sicherheit der Arbeiter gesorgt wäre. Das kann doch nicht so viel kosten, vor allem nicht in Billiglohnländern. In Ländern, in denen eine Jeans mehr wert ist als ein Menschenleben.

Ich gehe mal davon aus, daß in großen Fabriken Textilien im 2-stelligen Millionenbereich hergestellt werden. Wenn die Auftraggeber für jedes Kleidungsstück, sagen wir mal, 10 Cent mehr bezahlen würden, könnte der Fabrikinhaber nicht nur seine Gebäude renovieren, sondern auch noch bessere Unterkünfte stellen und bessere Löhne bezahlen. Uns als Endverbraucher würde das dann wahrscheinlich 50 Cent oder vielleicht auch einen Euro mehr kosten. Mir wäre es das wert.

Jeansproduktion

Die Einkäufer der großen Firmen wissen doch genau wie es in den Produktionsstätten zugeht, aber keinen von denen interessiert das wirklich. Hauptsache es wird pünktlich geliefert. Zum best möglichen Preis. Ohne Rücksicht auf Verluste. Wenn auch mal wieder ein paar hundert Menschen Ihr Leben lassen müssen, weil die Sicherheitsvorkehrungen skandalös sind.

"Da kann ich doch nichts für", wird sich der Einkäufer denken. In den Verträgen ist alles geregelt und wie und unter welchen Bedingungen produziert wird ist scheiß egal. Sonst würde es öfter mal eine Kontrolle geben. Bei dem Umsatzvolumen, das diese Firmen fahren, würde es auf eine weitere Arbeitsstelle auch nicht mehr ankommen. Da könnte man einen Kontrolleur ins Billiglohnland schicken der die ganze Zeit nichts anderes zu tun hat als zu prüfen, ob die Standards eingehalten werden. So einfach wäre das.

Aber irgendwie scheinen die Einkäufer so vom Preis getrieben zu sein, dass die Großproduzenten wohl die Macht haben. Wer billig produzieren möchte muss wegschauen. Was also könnte ein Unternehmen wie Zara oder H&M dazu bewegen etwas gegen diese Missstände zu unternehmen? Was steht über dem billigen Einkaufspreis? Was würde wirtschaftlich mehr bringen als eine große Gewinnspanne?

Arbeit

Vielleicht ein gutes Image? Wenn ich mir vorstelle, dass eines der Unternehmen den ersten Schritt wagt und nachweisen könnte, dass seine Ware "sauber" produziert worden ist, wäre das doch die beste Werbung. Da könnte man die Millionenbudgets in den Marketingabteilungen komplett streichen. Denn das würde, meiner Meinung nach, richtig Umsatz bringen. Entweder man hat eine hohe Gewinnspanne oder man macht es über die Masse.

Die ganzen Billigketten scheinen Ihren Umsatz wohl über die Masse zu machen. Also würde es doch einen geringfügig höheren Einkaufspreis rechtfertigen, wenn dafür viel mehr abverkauft werden würde. Ich kaufe zum Beispiel nicht bei Ketten wie H&M oder Zara ein. Bei Primark schon gar nicht. Obwohl diese eigentlich nur als Platzhalter für viele Unternehmen stehen. Auch für Luxusmarken. Ich würde aber definitv dort einkaufen gehen, wenn ich wüßte, dass die fair produzieren. Schon aus Prinzip.

Detox

Wenn mir eines dieser großen Unternehmen gehören würde, würde ich sogar noch einen Schritt weiter gehen. Warum sollte ich nicht einfach meine eigene Produktion in die Hand nehmen? In Billiglohnländern dürfte das nicht so teuer sein. Eine Fabrikhalle hinstellen, Unterkünfte für die Arbeiter, faire Bezahlung. Das mag jetzt alles ein bisschen einfach klingen. Aber ich denke, daß hier die Zukunft liegen könnte. Der Erste, der sich das traut, wird in die Geschichte eingehen.

Dem werden sie die Bude einrennen und alle Filialen leerkaufen. Da bin ich mir ganz sicher. Und wenn es einer vormachen würde, müssten alle Anderen notgedrungen nachziehen. Da gäbe es für ein Unternehmen keine Argumente, keine Ausreden mehr. Und ich bin mir sicher, auch wenn ich mich jetzt wiederhole: das würde sich wirtschaftlich innerhalb kürzester Zeit tragen. Mal ganz abgesehen vom Imagegewinn.

Und diese ganzen Milliardenunternehmen könnten diese Produktionsstätten aus der Portokasse bezahlen. Das würde eine ganze Branche revolutionieren. Im positiven Sinne.

Daniel Brunner ist Blogger bei POP ROCKY


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