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Eine Zwickmühle aus Orangensaft

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Heute Morgen saß ich in einer kurzen moralischen Zwickmühle. Eine Zwickmühle gefüllt mit 0,2 Liter erfrischenden Orangensaft . All die Jahre hatte ich nie Probleme damit mein tägliches Glas Discounter-Orangensaft in sekundenschnelle runterzuspülen. Und jetzt?
Auf Facebook wurde ein Artikel mit der Überschrift „Der hohe Preis für billigen Orangensaft" geteilt. Darin wird erläutert, dass die letzten Glieder der Orangensaft-Industrie, die Erntehelfer aus Brasilien, unter verehrenden Arbeitsbedingungen täglich im Akkord zwei Tonnen Orangen pflücken müssen. Der Lohn: Umgerechnet Neun Euro. Pro Tag.

Mit Neugier las ich den Artikel zu Ende. Überrascht hat mich aber dabei nichts. Der Orangensaft ist ja nicht ohne Grund so billig. Gut das mich auf der Verpackung saftige leuchtende Früchte angrinsen und keine erschöpften und hoffnungslosen Gesichter aus Brasilien.

Gen-Bio-Babybrei, verseuchtes Fleisch, Dioxin-Eier oder Pferdelasagne. Man hat das Gefühl, dass im Drei-Wochen-Takt ein neuer Lebensmittelskandal aufgedeckt wird. Und inzwischen habe ich mich auch schon daran gewöhnt. Es ist paradox: Dank vielen schnelllebigen neuen Medien bekommen wir immer öfters mit unter welchen prekären Arbeitsbedingungen ein Haufen unserer Lebensmittel entstehen. Gleichzeitig aber merke ich bei mir, dass sich ein gewisser Abwehrmechanismus aufgebaut hat. Je mehr ich über solche Dinge lese, desto normaler finde ich es auch. Keine Frage: Auch ich finde es schlecht. Man sollte solche Sachen schnell ändern. Das denke ich mir immer, wenn ich so etwas lese.

Aus diesem Grund bekam der Artikel auch ein „Like" von mir. Aber die morgendliche moralische Zwickmühle hielt nur kurz. Ich trank schnell mein Glas Orangensaft leer und schüttete mir noch ein zweites ein. Scheinheilige Doppelmoral.

www.gaumenthrill.de

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