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Diese Fotos zeigen auf wunderbare Weise, wie abwechslungsreich St. Petersburg ist

16/11/2017 18:21 CET | Aktualisiert 16/11/2017 18:21 CET

Es war Liebe auf den ersten Blick. Im Februar 1991 kam ich am frühen Morgen mit dem Nachtzug nach neun Stunden Fahrt aus Moskau zum ersten Mal in damaligen Leningrad an. Es war ein eisiger Tag, minus 18 Grad.

Nur wenige Ausländer waren unter den schwerbepackten Reisenden, die dick verhüllt in grauen Mänteln und Pelzmützen zum Ausgang strömten und keinen Blick übrig hatten für die prachtvoll verzierte Bahnhofs-Fassade aus der Zarenzeit.

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Sie hatten andere Sorgen. Die UdSSR kämpfte ums Überleben, kurz zuvor hatte ich einen Hilfstransport in die Ukraine begleitet. Viele Menschen verbrachten täglich zwei Stunden mit Schlangestehen vor Lebensmittelläden.

Ich erkunde die unzähligen Hinterhöfe

Vier Tage verbringe ich bei meinem ersten Aufenthalt in Leningrad, lasse mich inspiriert von Gogols Büchern durch die Stadt treiben, laufe mit meiner Kamera den Newski Prospekt rauf und runter.

Vom Moskauer Bahnhof vorbei an der Kasaner Kathedrale und Blutskirche bis zum Schlossplatz. Ich erkunde die unzähligen Hinterhöfe, marschiere über die zugefrorene Newa zu den Eisfischern, die zu Hunderten ihr Glück versuchen, um ihre Familien über die Runden zu bringen.

Nebenbei lerne ich - nur mit ein paar Brocken Russisch - viele gastfreundliche Menschen kennen, die mich spontan nach Hause einladen und trotz der schwierigen Situation bewirten.

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Es ist der Beginn einer bis heute währenden Beziehung. Für mich ist St. Petersburg eine schönsten Städte der Welt, jeder Aufenthalt dort spannend und anders.

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Für meinen ersten Bildband über die Stadt, der 2003 zu ihrem 300. Geburtstag erscheint, begleite ich im ehrwürdigen Mariinski Theater den Dirigenten Waleri Gergijew, heute auch Chef der Münchner Philharmoniker.

Mit Dieter Bohlen auf einer Millionärsparty

Und mit Dieter Bohlen - in der UdSSR damals ein Superstar - erlebe ich nach einem Modern Talking-Konzert eine Millionärsparty, bei der knapp bekleidete Balletttänzerinnen an Seilen über den Gästen schweben.

In Nachtklubs ebenso wie in Künstlerateliers kann ich beobachten, wie die Stadt nach den harten Zeiten in den 1990-er Jahren erwacht. Und kann die Bilder dann in meiner ersten Ausstellung in St. Petersburg zeigen, organisiert vom Russischen Museum im Stroganoff Palast, einem Adels-Palais direkt am Newski Boulevard.

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Immer wieder kehre ich in die Stadt zurück und die Idee zu meinem zweiten jetzt erschienen Buch entsteht. Diesmal ist der 100. Jahrestag der Oktoberrevolution mein Anlass - das Jubiläum eines radikalen Umsturzes, der von den neuen Zaren Russlands eher nicht gefeiert wird.

Die großartigen Bauten der Stadt aus dem 18. Jahrhundert bilden weiterhin die Traumkulisse für die besonderen Momente im Petersburger Leben von heute.

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In einstigen Aristokraten-Etagen, die noch immer Kommunalkas sind - sozialistische Gemeinschaftswohnungen. Auf dem Platz vor dem Winterpalais, wo alljährlich im Mai der Sieg über Hitler-Deutschland gefeiert wird und hochbetagte Veteranen auch von jungen Menschen bejubelt werden.

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Aber auch in coolen Cafés und an spannenden urbanen Plätzen wie der Neu-Holland Insel, einer Oase zwischen Innenstadt-Kanälen mit Freilichtkino und Gärten. Oder in neuen Kunstzentren wie Puschkinskaja 10, die in Hinterhöfen der Zarenzeit entstehen, ebenso wie viele Ateliers, in denen ich Künstler porträtiere.

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Langjährige Petersburger Freunde wie die Moderatorin Nadja Laptewa und die Designerin Oxana Agadshanowa sind dabei meine Türöffner für viele Menschen. Sie ermöglichen mir, dass ich immer wieder wie ein Einheimischer in diese so kontrastreiche Stadt eintauchen kann und ich mich niemals als Fremder fühle.

"St. Petersburg - Kontraste" erschien im September 2017 im Salz und Silber Verlag.

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