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Herr Hilbert, wo sind Sie? Wie der Dresdner OB seine Stadt im Stich lässt

01/08/2015 17:24 CEST | Aktualisiert 01/08/2016 11:12 CEST
dpa

Herr Hilbert, wo sind Sie?

Es ist noch keine vier Wochen her, da waren Sie in Dresden faktisch omnipräsent - egal ob auf der Pferderennbahn, beim Kleingartenverein oder mit Kitakindern im Zoo, ob in persona, auf Plakaten oder im Internet. Es verging kein Tag ohne mehrere FB-Posts. Dann wurden Sie gewählt - und verschwanden.

Ich weiß, Sie sind im Urlaub, es sei Ihnen gegönnt. Aber es gibt eben Situationen, da muss man seine Prioritäten neu definieren. Und erzählen Sie mir nichts von Work-Life-Balance. Ich weiß als Journalistin, wovon ich spreche und habe es mir auch nicht ausgesucht, private Termine abzusagen, als Tschetschenen ausgerechnet an einem Freitagabend ein ganzes Moskauer Theater als Geisel nahmen, als die Amerikaner einen Krieg nach dem anderen anzettelten oder der Ortsbeirat Prohlis gerade dann tagte, als meine Töchter zum Lampionumzug wollten. Anyway ...

Was ich in der derzeitigen Situation in Dresden vermisse, ist eine Führungsfigur. Sie wollten die Stadt einen, haben Sie im Wahlkampf blumig versprochen. Das geht nicht von Asien aus und auch nicht auf der Terrasse in Klotzsche. Dazu müssten Sie sich schon mal an den verhärteten Fronten blicken lassen. Ich weiß, so eine Zeltstadt ist kein schicker Hintergrund für den ersten Mann der Stadt. Und überhaupt, die Flüchtlinge sind Sache des Landes, werden Sie erwidern.

Dummerweise liegt die Bremer Straße mitten in Dresden und es sind Menschen dieser Stadt, die dort Angst und Schrecken verbreiten. Das hat nichts mehr mit besorgten Bürgern zu tun, wenn Helfer tätlich und verbal angegriffen werden. Und es ist schlicht verantwortungslos, wenn man einen Notstandort faktisch von Ehrenamtlichen betreiben lässt.

Das scheint ja überhaupt Masche in Dresden zu sein, dass das Thema Asyl komplett von ehrenamtlichen Helfern geschultert wird - die engagieren sich in Stadtteilinitiativen und in Kirchgemeinden, sie offerieren Sprachkurse und Patenschaften und wuppen jetzt sogar eine ganze Zeltstadt für mehr als 1000 Menschen.

Vielleicht fehlt Dresden einfach nur ein ehrenamtlicher Bürgermeister? Der einfach nebenher die Themen abarbeitet, für die dem hauptamtlichen OB die Zeit oder das Gespür fehlen. Am besten er meldet sich gleich auf Ihrer FB-Seite - direkte Bürgerbeteiligung war doch auch eines Ihrer Schlagworte, oder.

Wer OB sein will, Herr Hilbert, sollte jedenfalls nicht nur wahlkämpfen können. Sondern er sollte auch Präsenz zeigen, wenn es drauf ankommt. Danke!


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