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Dan White Headshot

Seit sie drei Jahre alt ist, sitzt meine Tochter im Rollstuhl - jetzt rettet sie die Welt

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Es begann alles, als meine Tochter Emily ihren ersten Rollstuhl bekam. Damals war sie gerade drei Jahre alt. Zu dieser Zeit fing sie an, sich für Fernsehen, Bücher und Comics zu interessieren. Wie jedes Kind suchte sie nach Charakteren, mit denen sie sich identifizieren konnte.

Für manche sind es Fußballspieler oder Comic-Charaktere, wieder andere begeistern sich für Barbies und Fantasy-Helden. Das gleiche wollte Emily auch - doch es klappte nicht. Denn keiner der Helden aus den bekannten Büchern, Comics und Fernsehserien war wie sie. Keiner teilte das gleiche Schicksal wie sie: eine körperliche Behinderung.

"Sonderlinge, Außenseiter, Nebencharaktere"

In den Medien spielen behinderte Menschen keine oder lediglich eine kleine Rolle. Sie sind Sonderlinge, Außenseiter, Nebencharaktere - eben Menschen, die häufig nicht auf einer Augenhöhe dargestellt werden und schon gar nicht als Vorbilder dienen.

Eine Behinderung, sei sie geistig oder körperlich, ist immer mit dem Stigma des Mitleids verbunden. Viele wissen nicht, wie sie sich behinderten Menschen gegenüber verhalten soll und reagieren daher mit übertriebener Anteilnahme.

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Doch genau das hält unsere Gesellschaft davon ab, Betroffene als selbstbewusste und starke Persönlichkeiten zu sehen. Wer behindert ist, braucht Hilfe und ist nicht in der Lage selbst zu helfen, so die Annahme.

Emily war von diesem Umstand schwer enttäuscht und damit nicht allein. Vielen Kinder aus unserem Bekanntenkreis, die auch von körperlichen Beeinträchtigungen betroffen sind, ging es ähnlich. Mich machte das unheimlich wütend. Ich hatte genug davon, dass Kinder wie meine Tochter als "Sonderfälle" abgetan werden.

Also ließ ich mir etwas einfallen. Wenn es keine Helden gab, die besondere Fähigkeiten haben, dann würde ich eben selber welche erschaffen. Nicht mit Behinderung, sondern mit besonderen Fähigkeiten. Ich schnappte mir einen Stift, etwas Papier und legte los.

Schnell war mein Superheldenteam geboren: "The Department of Ability", ein Truppe aus fünf komplett verschiedenen Charakteren, alle mit ihren ganz eigenen Besonderheiten.

Ihre Anführerin ist Emily. Sie wurde mit "Spina Bifida" geboren, ist aber trotz ihrer Beeinträchtigung exzellent im Klettern, Basketball spielen und Rollstuhlboxen. Ihr fliegender Rollstuhl ermöglicht es ihr, immer Herr der Lage zu sein. Sie lässt sich von nichts aufhalten.

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Unterstützt wird Emily von Pawsy, Billy, Claypole und Azzi. Jeder ihrer Begleiter hat besondere Fähigkeiten.

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Pawsy, ein Gepard mit Spezial-Prothese erreicht Geschwindigkeiten bis zu 150 km/h. Claypole ist ein blinder aber genialer Wissenschaftler. Billy, der Hund, hat zwar seine Hinterbeine verloren, trägt aber dafür stolz zwei Karbon-Räder, einen Radar und einen Verbandskasten.

Und dann gibt es natürlich noch Azzi, ein Alien von einem anderen Planeten, der mit einem bionischen Arm und hoher Intelligenz ausgestattet ist.

Zusammen retten sie die Welt

Zusammen retten sie als "Department of Abilities" regelmäßig die Welt. Sie zeigen der Menschheit, dass man trotz unterschiedlicher Herkunft und Begabung als richtig starkes Team zusammenarbeiten kann. Jeder der Fünf hat natürlich auch eine Schwäche, doch genau das macht sie menschlich und damit für jeden zugänglich.

Was als Hobby anfing, wurde in kürzester Zeit zu einem Vollzeitjob. Mit Hochdruck arbeite ich jeden Tag daran, die erste Superheldengeschichte herauszubringen. Aus einem vierseitigen Comic ist inzwischen ein zweiteiliges Buch geworden.

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Die Idee hat zahlreiche Leute auf der ganzen Welt beeindruckt und findet viel Zustimmung. Es gibt sogar schon Ideen für einen Animationsfilm. Umso bekannter unsere Geschichte wird, umso besser, denn mein selbsterklärtes Ziel ist, unser Verständnis von Behinderungen für immer zu verändern.

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Dafür müssen wir so früh wie möglich damit anfangen, körperlich behinderte Kinder in unserer Gesellschaft zu integrieren.

Das funktioniert nicht mit falschem Mitleid und geheuchelter Aufmerksamkeit, sondern nur, wenn wir ihnen zeigen, dass sie genauso sind wie alle anderen Kinder: witzig, glücklich, traurig, schadenfroh, unfreundlich, fürsorglich.

Und genau deswegen verdienen sie es, in Büchern und Fernsehen auf eine positive Art und Weise dargestellt zu werden. Ohne traurige Musik im Hintergrund und sehnsüchtigem Blick nach draußen, sondern als gleichgestellte und starke Mitglieder unserer Gesellschaft.

Dafür zeichne ich - jeden Tag.

Dan Whites erstes Buch "The Department of Disabilities" soll noch 2017 erscheinen. Weitere Infos findet ihr hier. Das Gespräch wurde von Julius Zimmer aufgezeichnet.

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