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Wie wärs mal mit erwachsen werden?!

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ERWACHSEN KIND
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Wer kennt sie nicht, die "nie erwachsen werden-Woller", die ewigen "too cool to be old-Propagierer" und "Verantwortung von sich-Schieber". Dafür wurde sogar ein Name erfunden - das Peter Pan-Syndrom. Allerdings wird dieses krankheitsähnliche Symptom in diesem Fall nur auf Männer bezogen, die ewig kleine Jungs bleiben wollen (selbstverständlich aber nur im Hirn), wo es doch ebenso auch reichlich Frauen gibt, die es genauso betrifft.

Ich finde es nicht unbedingt seltsam, dass so viele Entwicklungs-Verweigerer herumlaufen (bedenklich allerdings durchaus), ist doch erwachsen sein auch immer mit Verantwortung verbunden, welche wiederum anstrengend und ungemütlich ist. Da bleibt man lieber Kind (bzw. nein; vielmehr Jugendlicher mit freiwilliger Erfahrungsresistenz und großem "Stolz".), rennt kopflos durch die Welt, erfreut sich an der eigenen Naivität und lässt andere die relevanten Themen übernehmen. Doch halt - etwas zu sagen haben wollen die ja dann doch auch. Und Geld und Erfolg und Macht. Und Sex sowieso. Nur eben nicht diese lästigen Mitbringsel eines reifen Daseins, nicht das unbequeme "erst denken, dann reden", nicht die vermaledeite Last der Entscheidungsfindung und für Fehler gerade stehen schon gar nicht.

Dass ihre Existenz auf einem einzigen großen Euphemismus basiert ist dabei scheinbar egal. Oder unklar. Oder beides.

Ich frage mich auch immer, was so toll daran sein soll, immer (geistig) klein zu bleiben. Natürlich - auf den ersten Blick scheint es einfacher zu sein, doch schaut man genauer hin, ist das Gegenteil der Fall. Denn erwachsen zu werden bringt auch mit sich, eine klarere Sicht auf die Dinge zu haben, mit sich selbst zufriedener zu sein, Unsicherheiten abzulegen, Stärke zu entwickeln und eigene Grenzen zu verschieben. Es beinhaltet Neues zu entdecken, aus der Vergangenheit zu lernen, Prozesse anzukurbeln, Ängsten anders gegenüber zu treten und Faulheit gegen Schaffensdrang einzutauschen.

Alleine künstlerisch betrachtet - und auch für das eigene Glück - sollte natürlich das innere Kind bewahrt und gehütet werden. Doch auf ewig selbstgerechter Ego-Teenager bleiben?
Nö.

Gerade jetzt, in solch unruhigen Zeiten besteht eine ungeheure Dringlichkeit, die eigene Ignoranz (und Arroganz) über die Schulter zu werfen, um ein individuelles Bewusstsein in sich keimen und wachsen zu lassen, aus welchem dann wiederum Veränderung und Fort- statt Rückschritt resultieren kann.

Mit 40 noch den "bad boy" spielen und jedem mit "sei mal locker" kommen, der aufgeklärt und gewissenhaft handelt, hat nichts Cooles mehr an sich, sondern grenzt an lächerlicher Frechheit unserem Kampf für Demokratie und Freiheit gegenüber.

Wie Hagen Rether bereits sagte: "Wie wärs mal mit erwachsen werden?!".
Ja, das wäre doch mal was!

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