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Vom Stierkampf und dem Geschmack des Todes

Veröffentlicht: Aktualisiert:
BULLFIGHT
Rafael Marchante / Reuters
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Dass etwas als Kultur angepriesen wird, das den tiefsten inneren Sadisten des Menschen hervor holt und bejubelt, ist mir unbegreiflich.

Man muss sich vor Augen führen, was dort tatsächlich geschieht:

Ein ansonsten friedliches, in keinster Weise aggressives, Tier wird ahnungslos und ängstlich in eine riesige Arena geführt, erfüllt von Geschrei, Pfiffen - eine tosende Geräusch-Fontäne, die einem Tier unerklärliche Verwirrung bereitet.

Während es sich noch versucht zurecht zu finden in diesem Chaos wird es mehr und mehr vom Geräuschpegel und dem ewigen fuchtelnden Herumtänzeln des Toreros bedrängt, bis es das einzige tut, was logisch erscheint: den offensichtlichen Feind angreifen, um zu entkommen.
In der Natur ginge es nun um einen fairen Kampf - der Stärkere siegt, der Schwächere ergibt sich oder stirbt. Doch hier basiert nichts auf Fairness.

Der Stier kann und wird nicht gewinnen - denn selbst wenn er es doch tut, wenn die Panik und die unvorstellbaren Schmerzen durch die Banderillas (mit Widerhaken gespickte scharfe Spieße/Klingen), die ihm in den Nacken, tief in den Körper gestoßen wurden, ihn so rasend und stark werden lassen, dass er durch einen kurzen unvorsichtigen Moment des Toreros ebensolchen mit seinen Hörnern durchbohrt oder "aufspießt" und ihn schwer verletzt oder gar tötet - auch dann wird der Stier umgebracht. Und mit ihm seine Mutter, um die "Blutlinie" auszulöschen.

So oder so - das Tier hat keine Chance und wird in den meisten Fällen über einen quälend langen Zeitraum hinweg zu Tode gefoltert, bis es letztendlich den Gnadenstoß bekommt.

Woran liegt es, dass so wenige Menschen sich dagegen auflehnen, dass die Stierkampf-Arenen noch immer brechend voll sind?

Fehlt jegliche Empathie?

Fehlt Aufklärung?

Ist der Mensch sich nicht bewusst, dass ein Tier dieselben Schmerzen empfindet?

Warum sitzen schon kleine Kinder gröhlend auf den Rängen, neben Eltern, die keine Bedenken haben, ihrem eigenen Kind ein solch fanatisch-böses Gemetzel nah zu bringen?

Würden all diese Menschen auch dort sitzen und jubeln, wenn es um einen Todeskampf "Mann gegen Mann" ginge? Ich wage fast zu behaupten - ja. Oder wäre das zu grausam, zu brutal?

Viel zu viele Menschen haben jegliche Empathie Tieren gegenüber verloren, was ich persönlich sehr erschreckend und bedenklich finde. Wer einem Tier mit Freude und Euphorie so viel Schmerz bereitet (und damit spreche ich nicht nur den Stierkampf an, sondern jegliche Art der Quälerei), der ist in meinen Augen auch bereit, Menschen anzugreifen, dem fehlt diese innere Grenze, die einem sagt "Ich füge Lebewesen kein Leid zu!".

Ich selbst empfinde diese Grenze als etwas vollkommen Normales, als menschlich, als schlichtweg natürlich und wichtig. Doch bei allem, was so um mich herum geschieht, befürchte ich, dass immer mehr Leute dies nicht so sehen. Und auch ganz einfach nicht begreifen.

Auch finde ich, dass kein Unterschied gemacht werden darf zwischen Mensch und Tier. Nicht bei diesem Thema. Es ist nicht weit von genüsslicher Tierquälerei zur Folter von Menschen. Berichten und Studien zufolge ist sogar nachgewiesen, dass Mörder oder Schänder meist von frühester Kindheit an wegen Tierquälerei aufgefallen sind, dass es eine Verbindung gibt.

Nun werden bestimmt einige aufschreien und diesen Kommentar zerreißen, doch man muss sich klar machen, dass jegliche Art der Respektlosigkeit, jede Bösartigkeit und die Freude am Misshandeln miteinander in Verbindung stehen, egal wem oder was gegenüber. Diese Art der "Zerstörungswut" macht keine Unterschiede.

Ein gesunder Mensch, mit gesunden Werten und emotionaler Intelligenz kommt gar nicht auf die Idee, ein schwächeres Leben zu bedrohen, jemanden aus Spaß zu verletzen oder gar Freude zu empfinden, wenn andere leiden. Einem Hund eiskalt ein Bein zu brechen ist in keinster Weise harmloser, als einem hilflosen Kind dies anzutun!

Wenn nun Eltern ihren Kindern nicht beibringen und vermitteln, dass es FALSCH ist, andere Geschöpfe zu verletzen oder zu töten, dann lernt dieses Kind meist nie, was RICHTIG ist und weiß dies als Erwachsener meist immer noch nicht.

Wenn das Kind dann auch noch von klein auf sieht, dass ein Erwachsener, der ein Tier zu Tode foltert, beklatscht wird und Begeisterung auslöst, so ist es noch mehr davon überzeugt, dass andere Lebewesen unwichtig, nichts wert sind. Ein weiterer empathieloser Mensch wächst auf und erkennt in seinen fehlgeleiteten Gefühlen und Überzeugungen nicht mal etwas Schlechtes daran.

In völligem Unverständnis, fassungslos und wütend, schreibe ich diesen Text, bittend, endlich die Augen zu öffnen!

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