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Ein Appell an die Schönheit

Veröffentlicht: Aktualisiert:
HAPPY PEOPLE
Klaus Vedfelt via Getty Images
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Liebe verunsicherte Menschen da draußen,

es ist völlig egal, ob ihr dick oder dünn seid, ob ihr eine krumme Nase oder schiefe Lippen, sichtbare Narben oder Haarausfall habt. Es macht nichts, dass euer Kleidungsstil nicht allen gefällt oder dass ihr lieber zwanzig Piercings im Gesicht tragt statt ordentliche Perlenohrringe.
Wichtig ist nur und ausschließlich, dass ihr selbst euch wohl fühlt! Selbstbewusstsein gibt Ausstrahlung und die wiederum macht schön!

Ich kann sie nicht mehr hören/lesen, diese ewigen Überschriften, die da wären "diese 10 Dinge gefallen Männern an Frauen am besten", "8 Tipps, die dich attraktiver erscheinen lassen", "so wirst du dürr in nur 14 Tagen",.... Ich meine... ernsthaft? Darf man nicht selbst entscheiden, was man toll findet? Hat nicht jeder eine andere Meinung über Schönheit?

Und ist das alles letztendlich nicht sowieso vollkommen überflüssig? Wie wäre es stattdessen mit der Überschrift "So bist du endlich kein Arschloch mehr!" oder "Es ist mir egal, wie du mich gern hättest!"?

Junge Menschen lassen sich verunsichern

Junge Mädchen lesen diesen ganzen Mist und lassen sich davon beeinflussen. Leiden darunter, dass sie weder Körbchengröße B haben (angeblich ist das die beliebteste Größe), noch Schmollmundlippen und Babyface (das finden Männer laut Internet besonders anziehend).

Ebenso junge Männer, die nicht verstehen, dass ein Waschbärbauch ebenso hübsch sein kann wie ein stahlharter, blanker Adonis-Körper. Oder nein, anders: Dass es überhaupt keine Rolle spielt.
Von klein auf wird einem die sogenannte "Perfektion" vor die Nase gesetzt - selbst Biene Maja ist in der Neuauflage schlank und süß, mit langen Wimpern und zartem Stimmchen.

Ganz abgesehen von Werbeplakaten, in denen retuschierte Körper uns neidisch machen und sehnsüchtig ins Schwärmen bringen, während wir unser eigenes Spiegelbild mehr und mehr hassen. Dabei fällt vielen, wenn sie dann doch mal nachdenken, auf, dass sie etwas ganz anderes schöner finden, ertappen sich aber dennoch dabei, dem vermeidlichen Ideal nachzueifern.

Schönheitsideale beeinflussen mittlerweile alle Altergruppen

Doch nicht nur die jüngere Generation lässt sich von sogenannten Schönheitsidealen leiten - jede Altersklasse ist mittlerweile betroffen, Diäten werden gewechselt wie sonst nur die Unterwäsche, Nahrungsergänzungsmittel helfen beim Muskelaufbau, kleine Eingriffe wie Botox und co kosten nicht mal so viel wie ein Wocheneinkauf im Supermarkt.

Versteht mich nicht falsch - wer mit sich unzufrieden ist und was verändern möchte - nur zu. Nehmt ab, lasst euch tättowieren, legt euch unters Messer, rennt ins Fitness-Studio, ändert euren Stil, lasst euch einen Irokesen schneiden. Ehrlich, macht was ihr wollt - so lange IHR das wollt! So lange ihr das für euch selbst tut und nicht, weil ihr glaubt, so aussehen zu MÜSSEN. Nichts muss - alles kann.

Was ich hier anprangere sind nicht die Menschen, die aus eigenem Willen und Antrieb heraus etwas an sich verändern, sondern das System, in dem wir leben, das uns vorzuschreiben versucht, wie man aussehen muss, um akzeptiert und respektiert zu werden. Und dieses Schubladen-Denken:

Wenn eine Frau operierte Brüste hat und viel Schminke trägt ist sie selbstverständlich dumm.
Ein Mann, der Bart und lange Haare hat ist entweder Rocker oder Naturbursche (nein, dazwischen gibt es in diesem Fall nichts).

Gothiks sind selbstmordgefährdet und depressiv.
Brille und Karohemd - ganz klar Nerd.

Das ist bei den meisten schon so tief verankert, dass sie sich nicht mal die Mühe machen, jemanden näher kennen zu lernen, der nicht dem eigenen "Stil" entspricht - weil man ja schließlich schon genau weiß, was für ein Mensch das ist. Erkennt man doch aus 100 Meter Entfernung.

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Und wenn du nun keinen Fernseher und kein Internet hättest, wo dir freundlicherweise mitgeteilt wird, wie ein Mensch auszusehen hat? Was dann?

Wahrscheinlich gäbe es dann sehr viel weniger Unsicherheit, Verurteilung, Ausgrenzung.
Es ist erschreckend, wie viele (vor allem Jugendliche) nur nach dem Äußeren beurteilt werden und auch selbst beurteilen. Sogar jeder für sich vor dem heimischen Spiegel. Empfindet man sich selbst nicht als schön genug, so fühlt man sich automatisch, als wäre man auch weniger wert. Leider gilt genau das für sehr viele, nicht nur für Mädchen!

Ich hab das ja an mir selbst ebenso gemerkt, habe gespürt, wie sehr dieses Streben nach äußerer Perfektion beeinflusst, gerade in der Pubertät. Ich fand meine Brüste zu klein, meine Lippen zu schmal, meine Haare nicht glänzend genug. Ein bisschen kleiner wäre ich außerdem gern gewesen und der Bauch war natürlich auch nie flach genug.

Wenig Platz für wahre Werte

Gut, das sind wohl Themen, mit denen sich alle jungen Menschen beschäftigen, ABER nicht in dieser Intensität, wie es heutzutage der Fall ist. Nicht mit so viel Neid und Eifersucht und mit so wenig wahren Werten und klarer Sicht, die es einem erlauben, die Menschen im Umfeld (und sich selbst) nicht nach ihrem Äußeren zu behandeln und einzustufen. Und das Schlimmste ist ja - bei vielen verändert sich das auch nach der furchtbaren Pubertät nicht.

Um es kurz zu machen - ihr seid gut so wie ihr seid! Holt das beste aus euch raus - wenn ihr überhaupt Lust dazu habt. Oder eben auch nicht. Aber lernt, mit euch zufrieden zu sein, lernt euch selbst zu lieben. Und hört auf, andere nach langen Beinen oder einem großen Hintern zu beurteilen!

Ein ehrliches, strahlendes Lächeln von zu dünnen Lippen ist weitaus attraktiver als ein in Arroganz verzogenes Duckface eines Schmollmunds.

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