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Die Verantwortung des eigenen Handelns übernehmen

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NYCstocker via Getty Images
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Wir sollten uns endlich bewusst machen: WIR sind die Konsumenten. WIR sind die Schuldigen, die sich bequem in ihre Opferrollen kuscheln. WIR sind die 99 %. WIR sind die einzigen, die langfristig und konstant etwas ändern müssen, um Bewegung hinein zu bringen. Nicht die "blöde Merkel", nicht die "doofen Politiker" oder allgemein "die da oben".

Was sollen denn unsere Politiker tun, wenn die durchschnittliche Masse weiterhin träge im See der Stagnation treibt? Oder anders gefragt: Warum geben wir den Politikern überhaupt eine solch riesige Macht, indem wir sie für alles verantwortlich machen, statt uns an die eigene kleine Nase zu packen?

Da wird eine Merkel ja regelrecht zu Gott, wenn "sie an allem Schuld ist". Sie ist also Schuld daran, dass wir lieber faul auf dem Sofa lümmeln und Netflix gucken, statt uns die Infos zu beschaffen, die nötig sind, um unser eigenes Verhalten zu verändern? Sie ist Schuld daran, dass Desinteresse und Wegsehen herrscht? Wow... Diese Frau hat ja magische Fähigkeiten, wenn sie es so tief in unser aller Bewusstsein schafft... "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!", sagte schon Erich Kästner.

Für viele stellt sich dann aber die Frage: Wo soll man anfangen etwas zu tun? Die Antwort darauf ist eigentlich ziemlich banal, aber wirkungsvoll: Hinsehen und dementsprechend handeln! Die Komfortzone der Unwissenheit verlassen, um sich bewusst zu machen, dass man als Einzelner sehr wohl doch etwas ausrichten kann - und dafür braucht man weder viel Geld, noch kostet es besonders viel Mühe. Vielleicht ist lediglich die Abschaffung der eigenen Lethargie nötig. Und die Verabschiedung des Selbstmitleids ("Was soll ich schon machen?").

Anfangen kann man beim Einkauf im Supermarkt - Billigfleisch meiden, Nestlé-Produkte boykottieren, Obst und Gemüse besser auf dem regionalen Bio-Markt einsacken, für Milch lieber einen Euro mehr ausgeben. Anfangen kann man beim Einstellen des Shopping-Billig-Kaufrausch-Wahnsinns - statt zehn Pullover bei KiK lieber einen aus der kleinen Fairtrade-Boutique.

Und anfangen kann man vor allem beim eigenen Denken - denn das kann jeder ändern und steuern!
Dieses verquer-trotzige "Wenn ich nichts Großes bewirken kann, mach ich halt gar nichts!" ist irgendwie immer noch Teil unserer Gesellschaft.

Man kann doch als aufgeklärter Mensch, der des Verstehens und Denkens mächtig ist, nicht über die Missstände klagen und danach, mit der PriMarktüte am Handgelenk baumelnd, ne Bockwurst an der Bude um die Ecke essen. Man darf nicht stagnieren - weder im Kopf noch im Handeln. Und auch nicht im Lernen und Interesse zeigen.

Wir versumpfen im Wutbürger-Gebrüll; dabei übersehen wir, dass die "Guten", die Wachen noch immer in der Überzahl sind - weil diese meist schweigen. Das ist nicht sinnvoll! Aufklären, Wiederholen, mit gutem Beispiel voran gehen - und dann wieder und wieder. Das ist nötig, das ist Pflicht in solch unruhigen, aggressiven Zeiten.

Unsere Umwelt geht zugrunde, Freundlichkeit wird abgeschafft, Hass siegt gegen Empathie, Mensch und Tier leiden dank stiller Ego-Bequemlichkeit der Mehrheit.
Ich bin vielleicht auch nur ein zorniger Dummkopf, wenn ich tagtäglich mit all dem Irrsinn konfrontiert werde - doch ich verwandel die Wut, kehre sie um und versuche, sie für etwas Positives einzusetzen. Und wenn es nur ein Lächeln auf der Straße ist, der Verzicht aufs Wurstbrot, das Schreiben eines kleinen Textes oder von berieselnder Ablenkung abzusehen, um die Dinge klar vor Augen haben zu können...

Jeder Schritt zählt - und jeder, der genau das erkennt! Würde doch nur diese undurchdachte Massen-Einkauferei in Billig-scheiß-Geschäften aufhören, oder die Verkommung von Luxus-Gütern zu alltäglichem "bis zum Erbrechen"; würde man doch die gemütliche Motz-Mentalität ablegen, um endlich Verantwortung zu übernehmen und erwachsen zu werden und uns den Dingen zu stellen, die WIR falsch machen.

Ich höre von allen Seiten nur noch "Angst" und "die sind Schuld". Wer sind denn "die"? Mittlerweile sind "die" ja alle - Hauptsache nicht wir selbst! Jeden einzelnen Tag wird eine Fläche in der Größe von Köln vom Regenwald gerodet. Warum?

Weil WIR täglich unser Schnitzel auf dem Teller haben wollen. Auf der ganzen Welt herrscht Krieg und Hungersnot. Warum? Weil WIR unseren Hass und Neid hinaus kotzen und wenn wir erschrocken feststellen, dass es Wirkung zeigt, ziehen wir uns schleunigst zurück, statt auf die Barrikaden zu gehen. Was für ein Nonsense-Bulimie-Egoshooter-Wahnsinn.

Leute, IHR habt es doch in der Hand! Erhebt euch von der Couch und TUT was!

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