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Wir brauchen einen friedlichen Aufschrei, der uns wachrüttelt

Veröffentlicht: Aktualisiert:
WOMAN THINKING
Plume Creative via Getty Images
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Je mehr ich mich informierte, je mehr ich wusste und erkannte, desto wütender, frustrierter und trauriger wurde ich. Eine Zeitlang vermied ich es komplett, mit negativen Nachrichten, Fotos oder Videos konfrontiert zu werden, hörte auf Berichte zu lesen, kommentierte nichts mehr und gab mich dem Gedanken hin, sowieso nichts ausrichten zu können.

Teils fühlte ich mich während dieser Zeit regelrecht schuldig, wenn ich - bei all dem Leid auf der Welt - lachte oder glücklich war und versank in Pessimismus und introvertierter Schlaflosigkeit.
Bis ich begriff, dass genau dies der falsche Weg ist - die Art zu leben, die dann tatsächlich nichts verändert und nur noch mehr Tragik hinterlässt.

Hass und Wut streichen

Ich entschied und entscheide mich - sehr bewusst! - für meine eigene Stimme, für hin - statt wegsehen und dafür, Hass/Wut aus dem eigenen Bewusstsein weitestgehend nach und nach zu streichen und zu ersetzen durch positives Auflehnen, Sachlichkeit und ja, auch Fröhlichkeit!
Ich habe Verständnis für jeden, der im pulsierenden Chaos und Leid frustriert gewillt ist aufzugeben.

Fur jeden, der zornig ist - auch ich bin zwischendurch noch immer (zu) zornig - und sich davon die Sicht versperren lässt. Doch dies sollte nach Möglichkeit nur eine Phase sein und vorübergehen. Was bleibt noch, wenn die "Guten" beschließen zu schweigen? Bonjour tristesse, wenn das Lachen aus dem Alltag verschwindet.

Ich sage NEIN zum Verstummen, NEIN zu Aufgeben und auch NEIN zu Hass. Wir müssen aufschreien - ein friedlicher Aufschrei, der wach rüttelt - auch uns selbst - und uns Gehör verschafft statt Unmut.

Lächeln schenken

Wir müssen Lächeln schenken und Beistand leisten, müssen uns von der Utopie verabschieden, die ganze Welt sofort und jetzt verändern zu wollen und stattdessen erkennen, dass jede noch so kleine Geste ein Erfolg ist, dass jede einzelne Person, die bekehrt wird Hoffnung gibt.

Und genau das ist es, was niemals verloren gehen darf: Hoffnung! Ich unterschreibe weiterhin Petitionen - weil eine Stimme zu tausenden, vielleicht zu millionen wird.

Ich kommentiere kritische Berichte - weil meine Meinung sehr wohl zählt und (sinnvolle) Gedankengänge geäußert werden sollten, weil Diskussionen wichtig sind, um zu begreifen, um zu lernen, um zu verändern!

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Mit Gewalt kann nichts erreicht werden

Ich lächle fremde Menschen auf der Straße an, behalte Nettigkeit bei und setze auf Offenheit - weil ein "jeder für sich" nicht funktioniert, weil ein Gesamtes, Positives entstehen muss, weil heutzutage Mut zur Freundlichkeit mehr schockiert und wach rüttelt als missmutiger Egoismus.
Mit Gewalt und blinder Wut wird nichts erreicht - ebenso wenig mit stillschweigendem Wegsehen und Versinken.

Jedes Gefühl, das wir in uns tragen gehört reflektiert und überdacht, bevor es hinaus geschrien wird - jeder entscheidet selbst über seine Gefühle, kann sie verändern und steuern.

Ich habe Angst, wenn ich mir angucke, was um mich herum geschieht - aber meine Fröhlichkeit und mein Recht auf Glück lasse ich mir nicht nehmen, niemals! Genauso wenig wie meine Freiheit, meine Meinung zu äußern und auch für das Recht Schwächerer zu kämpfen.

Es sind winzige Kleinigkeiten, die das Ganze ausmachen. Ich bin nur ein kleiner Tropfen im großen Meer - tausende, millionen solcher Tropfen MACHEN das Meer.

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