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Oper im Theater von Ludwig dem XIV: Aeneas und Dido

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OPER
Dagmar Wacker
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ÔÇÜWhen in Paris, go to Versailles', sollte man allen Musikliebhabern, im Besonderen aber den Opernfans zurufen. Und ganz speziell jenen, die alte Musik und eine m├Ąrchenhafte Auff├╝hrungspraxis lieben. Im intimen doch reichgeschm├╝ckten Privattheater Ludwigs XIV zu sitzen und eine dieser ausstatterisch wie musikalisch hochwertigen Auff├╝hrungen beizuwohnen ist ein unvergesslicher Genuss. Man f├╝hlt sich in eine galantere Zeit transportiert.

Die K├Ânigliche Oper des Schlosses von Versailles in Frankreich wurde 1770 unter Ange-Jacques Gabriel in der Regierungszeit Ludwig XV. vollendet. Sie wurde unter Ludwig XIV konzipiert und begonnen, doch ob schon unter dem Sonnenk├Ânig dort gespielt wurde ist unklar. Das ganze Theater ist aus Holz gebaut und hat deshalb eine bemerkenswerte Akustik. Kenner sprechen vergleichend vom ÔÇÜKlang von Bayreuth'.

Ob Richard Wagner sich wohl am Theater Louis XIV inspiriert hat ? Es soll ein grosser Akustiker gewesen sein. Als Herrscher f├╝hlte er sich sowieso: So soll er bei seinem Eintritt in die riesige, grottenhafte Eingangshalle des Palazzo Vendramin-Calergi (des jetzigen Casinos von Venedig) , auf deren Treppenstufen links die Domestiken und rechts die Besitzerfamilie zu seinem Empfang aufgereiht waren, ausgerufen haben: ÔÇÜEndlich eine Bleibe, die mir w├╝rdig ist'.

Sie sollte seine letzte werden. Allerdings stammt der Entwurf der Konstruktion des Bayreuther Theaters von Mariano Fortuny, dem spanischen Allroundgenie mit venezianischem Wohnsitz. Dort ist auch heute noch ein Modell des Wagner-Theaters zu sehen.

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Diesmal wurde ÔÇÜDidon et En├ęe' gegeben von Henry Purcell; ein Po├Ęme Harmonique. Eigentlich ist es eine Barockoper im Taschenformat, dauert sie doch nicht einmal die H├Ąlfte der sonst zirka vierst├╝ndigen Opern dieser Zeit. Das liegt sicher auch am fragmentarischen Charakter der einzigen Partitur, die uns davon ├╝berliefert ist. Das 'diesbez├╝gliche 'Tenbury Manuskript' ist zudem sp├Ąt, erst gegen 1775 gefunden worden, und l├Ąsst Raum f├╝r immer neue Interpretationen und Variationen dieses Werkes.

F├╝r diese Produktion hat der musikalische Direktor Vincent Dumestre den verschwundenen Prolog zur Oper nicht ersetzt, sondern er hat orchestrale Partien aus Purcells anderen Werken ausgeliehen und eingesetzt. Sie wurden hier als Ballette genutzt. Das macht Sinn.

Denn man weiss, dass Charles II als er, nach seiner Vertreibung durch die Cromwellsche Revolution aus seinem franz├Âsischen Exil nach England zur├╝ckkam, eine Vorliebe f├╝r Opern mit Ballett mitbrachte. Dies blieb allerdings eine aristokratische Vorliebe. Das grosse Publikum zog Opern und Theaterst├╝cke ( zum Beispiel von Shakespeare) mit Masken und Gesangspartien vor.

Die vorliegende Operversion mit Ballett scheint auch deshalb historisch stimmig weil Henry Purcell ja Organist in Westminter und an der ' Royal Chapel' war und deshalb wohl dem h├Âfischen Geschmack gefolgt ist. (Es ist allerdings nicht belegt, dass Aeneas und Dido vor dem K├Ânig aufgef├╝hrt wurde.)

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An Dramatik und ├ťberraschungseffekten wurde in dieser Produktion nicht gespart. Denn das Barock war ber├╝hmt f├╝r seine B├╝hneneffekte.

Die Szenerie war einfach doch wirkungsvoll. Das Meer wurde von bewegten Stoffbahnen gebildet. Bizarre Felsformationen bewegten sich in verschiedenen Formationen, und sogar ein ganzes Schiff wurde quer ├╝ber die B├╝hne gezogen.

Viel Trockeneis wurde f├╝r Rauch und Nebel gebraucht. So entstand eine geheimnisvolle Atmosph├Ąre. Eine grosse Windmaschine in Form einer Trommel im engen Orchestergraben wurde von einem kr├Ąftigen Herrn an einer Hantel energisch bewegt und erzeugte zusammen mit den Effekten von bewegten Aluminiumb├Ąndern akustisch diverse St├╝rme und Gewitter. Ger├Ąuschvolle Zeichen der inneren Bewegtheit der Akteure oder ├äusserungen der G├Âtter.

Auch sonst hat man an den Spezialeffekten nicht gespart: Die B├╝hne wird stets bev├Âlkert von Akrobaten und Pantomimen, die dort ihre Kunstst├╝cke zeigen oder aber Trapezk├╝nstlern die uns mit ihren Pirouetten und Saltos in luftiger H├Âhe wohlige Schauer ├╝ber den R├╝cken jagen. Und auch die Balletteinlagen sind erfreulich f├╝rs Auge.

Die Kost├╝me waren sehr phantasievoll, liessen die Charaktere nicht sofort erahnen, doch hatten sie teilweise auch szenische Aufgaben:

Das Kost├╝m, das Dido am Schluss tr├Ągt, hat einen ├Ąusserst weiten Ballonrock, der von ihren Dienerinnen aufgekn├Âpft und entwirrt wird, sodass er zuerst bis zu den Kulissen auf beiden Seiten und dann ├╝ber die ganze B├╝hne reicht, ein Meer bildend in dem Dido schliesslich ertrinkend versinkt. Gestorben an ihrem Liebeskummer um den entschwundenen Aeneas. Und auch die Erotik kam nicht zu kurz, zeigten sich doch die Hexen als t├Ąnzelnde S├╝dseesch├Ânheiten, mit langen, schwarzen offenen Haaren, geh├╝llt in sehr durchscheinende Schleier mit vollem R├╝ckendekollt├ęe.

Diese Produktion von C├ęcile Roussat und Julien Lubek wird all diese Liebhaber von Barockoper begeistern, die bei den minimalistischen Ausstattungen der Inszenierungen von Luc Bondy, ├╝ber dessen spartanische B├╝hnendekoration von nur grauen Felsen und Kost├╝men in eine Palette von nur Graut├Ânen ins Pfeiffen und Buhen gekommen waren.

Auch musikalisch erfreute diese Produktion. Unter der Leitung von Vincent Dumestre spielten das Orchestre du Po├Ęme Harmonique und sang der Choeur accentu der Op├ęra de Rouen Normandie mit Kennnis und Engagement. Auch Eva Za├»cik als Didon und Benoit Arnould als En├ęe ├╝berzeugten stimmlich wie darstellerisch. Ein ganz besonderes Komplimet aber gilt den Akrobaten; Sie haben mir mehr als einen wohligen Schauer ├╝ber den R├╝cken gejagt.

Die Oper Aeneas und Dido im Theater von Louis XIV bietet Unterhaltung auf h├Âchstem Niveau und von Feinsten; auch f├╝r Nicht-Opern-Kenner. Ein Gesamterlebnis , das seinesgleichen sucht.

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