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Eine gute, keine grosse ÔÇÜNorma' in Baden Baden

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
NORMA
Toni Suter, T T Fotografie
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Cecilia Bartoli beeindruckt mit schauspielerischer Ausdruckskraft

Die ÔÇÜNorma' , die Titelfigur von Vincenzo Bellinis Oper, war die Paraderolle von Maria Callas, der Primadonna Assoluta des 20. Jahrhunderts, einer Sopranistin mit gewaltiger oft wilder und scheinbar ungez├╝gelter Stimme.

Cecilia Bartoli ist ganz anders: Eine Mezzosopranistin mit eher kleiner, verhaltener Stimme, die sie aber technisch meisterhaft durch manigfaltigste F├Ąrbungen mit differenziertester Klinge f├╝hrt.

So musste auch ihre ÔÇÜNorma, in der Inszenierung von den Salzburger Festspielen, anders angelegt werden.

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Hier ist sie nicht die stolze dominante Hohepriesterin, die - von ihrem Geliebten und dem Vater ihrer beiden Kinder wegen einer J├╝ngeren verlassen- zuerst ihm ewige Rache schw├Ârt und dann - Medea-├Ąhnlich- die gemeinsamen Kinder t├Âten will. In dieser Inszenierung gleicht sie eher einer italienischen ÔÇÜMamma' aus populistischen Kreisen, die aber -zumindest stellt man sich dies von Frauen aus dem S├╝den vor- genauso eruptiv w├╝ten kann. Warum dann aber die Inszenierung der beiden Regisseure w├Ąhrend der franz├Âsischen Resistance spielt ? Offenbar wird diese Situierung, nicht sondern erst durch Erfragen erfahren, ist nicht einsichtig.
Auch verwirren dabei Handlungen wie das Einsammeln von Myrtenzweiglein statt Waffen durch die Hohepriesterin, die Frieden w├╝nscht. Ein nur f├╝r Eingeweihte verst├Ąndlicher Hinweis, dass die urspr├╝ngliche Handlung der Oper im Kampf der Druiden gegen ihre r├Âmischen Besatzer angelegt war ?

Die druidische Hohepriesterin, Norma, hatte sich mit dem Prokonsul und Anf├╝hrer der r├Âmischen Truppen, Pollione, in Liebe verbunden und mit ihm ganz im Geheimen zwei Kinder gezeugt. Auch hat sie sich immer wieder gegen die Gewalt der beiden Lager eingesetzt. In den Augen ihrer Druiden, wenn sie es denn w├╝ssten, hat sie als ihre Anf├╝hrerin nat├╝rlich Hochverrat begangen.

Diese komplexe Rolle hat Cecilia Bartoli mit grosser Einfachheit gespielt. Alles Pomp├Âse, Hochherrschaftliche wurde weggelassen. Und doch hat sie ihrem Volk gegen├╝ber eine nat├╝rliche Autorit├Ąt und zeigt grosse W├╝rde. Bartoli stellt eine einfache Frau in akuter Gewissenskrise und mit grossem pers├Ânlichen Schmerz dar. Ihre Autorit├Ąt als Anf├╝hrerin ist ruhig und zur├╝ckhaltend, doch unbestritten. Ihre Haltung gegen├╝ber Adalgisa, ihrer Nachfolgerin in Polliones Herz, zeigt ein warmes, m├╝tterliches Verst├Ąndnis. Auch ihre Haltung den Kindern gegen├╝ber entspringt diesem m├╝tterlichen Besch├╝tzerinstinkt. Ihre rasenden Wut dem Betr├╝ger Pollione gegen├╝ber, hat auch damit zu tun, dass sie die Kinder und ihre Schutzbefohlene, die Jungpriesterin Adalgisa vor seinen R├Ąnken sch├╝tzen will. Hat Pollione denn diese nicht mit der genau gleichen Methode verf├╝hrt wie fr├╝her sie selbst ? Doch dazu kommt noch die Rache der betrogenen Frau, die ja sprichw├Ârtlich, unermesslich sein soll.

Cecilia Bartoli hat in ihrer Darstellungskunst riesige Schritte, eine wahre Wandlung durchgemacht. Hatte sie am Anfang ihrer Opernkarriere, wie in der Z├╝rcher ÔÇÜSemele' , M├╝he gleichzeitig zu spielen und zu singen- sie stolperte denn auch mehrmals-, so ist ihre Darstellung diesmal herzzerreissend und w├Ąre dies wohl auch ohne T├Âne. Allerdings ÔÇÜnat├╝rlich' wie es die Regisseure wollten ist diese Art nicht. Sie erinnert hingegen stark an die Expressivit├Ąt der sp├Ąten Anna Magnani, die vor allem in den Filmen von Roberto Rossellini wie ÔÇÜRoma, citta aperta' im italienischen ÔÇÜNeorealismo' brilliert hat. Deren Intensit├Ąt des Spiels zeigt sie sowohl in ihren Gesten wie, und dies vor allem, in ihrer Mimik. Ihre ÔÇÜNorma' beeindruckt und ber├╝hrt; man leidet mit. Dazu kommt der Gesang, der scheinbar aus ihrem Innersten kommt, teilweise schmerzhaft oder entsetzt aus ihr herausbricht, oder dann fast zischend wenn sie dem ehemaliger Liebhaber die m├Âglichen Folgens seines Tuns androht. Kein Donnern und schreien wie bei der Callas; doch gleichsam beeindruckend.

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Toni Suter, T+T Fotografie / Hans J├Ârg Michel / Vincent Pontet

Der Gesang ist ja in der musikalischen Romantik, die die Wahrhaftigkeit der Gef├╝hle auf sein Banner geschrieben hat, das Wichtigste. Grosse Orchester, die mit ihrem Musikteppich diesen ├╝berdecken k├Ânnten, wurden deshalb gemieden. Auch hier hat man auf die Gruppe der Barocchisti und den Coro della Radiotelevisione svizzera gesetzt. Beides Ensembles, die auch bei Rezitativen begleiten, wie k├╝rzlich den Kontratenor Phillippe Jaroussky in Ascona. Ein Beschr├Ąnken, das der eher kleinen Stimme von Cecilia Bartoli guttut. Auch harmoniert diese sehr mit der von Rebeca Olvera, die ihre Sch├╝lerin und Rivalin Adalgisa darstellt. Weniger allerdings mit der ihres Liebhabers Pollione( Norman Reinhardt) , dessen Tenortimbre oft schnarrt, und auch in den Verf├╝hrungsszenen ebendiese musikalisch nicht wirklich vermitteln kann. Weder der Don Juan, noch der Soldatenf├╝hrer kommt im seinem Gesang zwingend zur Geltung.

Bei ihm mag man nicht trauern, dass er schlussendlich von den aufst├Ąndischen Druiden ( oder den Mitgliedern der ÔÇÜResistance') verbrannt wird. Bei Cecilia Bartoli schon.

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