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Auf Balz mit Xi Jinping

22/11/2017 10:53 CET | Aktualisiert 22/11/2017 10:53 CET
Artyom Ivanov via Getty Images

Seit der Präsidentschaftswahl von und mit Donald Trump ist gerade einmal ein gutes Jahr vergangen, da fragt man sich als Normalbürger, wie weit man mit null Kompetenz eigentlich kommen kann? Selbst vergleiche zum Antihelden aus dem Dystopiefilm "Ideocracy" sind nicht mehr völlig abwegig.

Auch die fiktive Person Camacho, ehemaliger Wrestlingstar mit Promistatus, schaffte es darin unter fragwürdigen Umständen zum Staatsoberhaupt der Vereinigten Staaten gewählt zu werden. Wrestling und die Inszenierung in den Medien sind nicht die einzigen Parallelen zwischen der fiktiven Figur und der traurigen Realität am anderen Ende des großen Teiches. Die Kernkompetenz beider besteht im Grunde in der Herabwürdigung anderer und im Singen von Lobeshymnen über angeblich vollbrachte Großtaten.

Während der Rückhalt Donald Trumps im eigenen Lager bereits im Zuge des Wahlkampfes bröckelte, scheint er sich mit jedem weiteren Tag und Statement sukzessive zu isolieren. Besonders mit den Journalisten des CNN und der New York Times steht er seit jeher auf Kriegsfuß.

Unzählige Male bezeichnet er die Berichte als "Fake-News" und teilt gleichzeitig gegen ehemalige Politiker aller Lager und Länder aus. Ein Rundumschlag, der seit mehr als einem Jahr anhält und in den Beziehungen zu Russland, Europa und vor allem Nordkorea tiefe Brandwunden ohne vorzeigbare Ergebnisse hinterlassen.

Im Zuge seiner großen Asienreise stand China als dritter Halt auf dem Programm. Vorbehalte beider Seiten verkehrten sich nach dem gemeinsamen Treffen zwischen dem chinesischen Staatsoberhaupt Xi Jinping und Donald Trump in gegenseitige Lobeshymnen.

Besonders die regierungsnahe englischsprachige Tageszeitung "Global Times" geizte nicht mit Superlativen und bezeugte den Leser von einer durchwegs positiven Haltung der chinesischen Bürger gegenüber dem US-amerikanischen Staatsoberhauptes. Gleichzeitig wurden in diesem Artikel die US-Medien scharf angegriffen.

Diese als Fake-Meldungen titulierten Berichte der amerikanischen Presse hätten dem chinesischen Volk ein völlig falsches Bild des US-Präsidenten vermittelt und die öffentliche Meinung zutiefst beeinflusst, heißt es darin. Angeblich realisiere die Bevölkerung erst jetzt, dass diese Anschuldigungen gegen Donald Trump haltlos aus der Luft gegriffen waren. Besonders im Wahlkampf hätten die US-Medien gezielt Falschmeldungen in Umlauf gebracht.

Worte aus einem Land, das sich wie kein anderes so vehement gegen ungefilterte und ungesteuerte Berichterstattung wehrt und die eigene Meinung gezielt unter das Volk streut! Und genau hier sollte "Dr. Evil" in Form der US-Medien das "unvoreingenommene" chinesische Volk mit Falschmeldungen infiltriert haben? Da fragt man sich natürlich: Was würde China zu solchen Anschuldigungen sagen?

Nationale Belange im Reich der Mitte, sei es der "Umweltschutz von nationaler Tragweite" oder die "Verteidigungsstrategien auf fremdem Territorium", die nach deren Beurteilung das Ausland - vor allem diese, die ebenfalls auf dieses Territorium ihre Ansprüche erheben, keinen Pfifferling Wert sind, wurden seit Jahren zum Tabuthema erklärt.

Sich in deren Belangen einzumischen und eine andere Meinung, als die, die von oben vorgegebene zu vertreten ist nicht nur unerwünscht, sondern hat auch dementsprechende Folgen. Ein Kleinkrieg gegen den freien und unabhängigen Journalismus. Andererseits stolziert das mächtige China mit dem Ellbogen voran gegen jeden Widerstand in politischen und wirtschaftlichen Belangen, selbst wenn diese weit über die eigenen Landesgrenzen hinausreichen.

Ein nicht fragender, nicht kritisierender US-Präsident rennt da natürlich Tür und Tor in Peking ein. Trump, ein Präsident ganz nach deren Wunsch: Er respektiert nicht nur das chinesische Staatsoberhaupt, sondern zugleich auch das politische System eines totalitären Chinas und denunziert sich beinahe täglich selbst mit immer neuen wilden Anschuldigungen.

Hält mit Donald Trump ein neues demokratisches (Selbst-)verständnis Einzug in den USA? Da bekommt der Schlachtruf "America First" einen ganz neuen Beigeschmack! Ein Amerika, nach seinem Geschmack. Besonders für nationalistische US-Amerikaner dürfte das wie ein Stich ins Herz sein:

Bürgerrechte, der Kampf um Freiheit und Selbstbestimmung - in nur einem einzigen Jahr begraben! Ein Präsident, der zuvor überall aneckte, macht jetzt plötzlich auf Weltfrieden? Wähler hatten also vielleicht doch recht: Trump ist im Gegensatz zu Hillary Clinton kein Kriegstreiber, sondern ein Friedensstifter!

Das Band der Freundschaft mit Rodrigo Duterte ist bereits geknüpft. Kritik, obgleich Tausende durch Dutertes Nulltoleranzpolitik den Tod fanden, bedarf bei Trump natürlich keine Erwähnung! Und Nordkorea? - Kollateralschäden gab es zu jeder Zeit! Aber an einem Versöhnungskurs wird nach seinen Worten ebenfalls bereits gearbeitet. Wenn alles nicht so traurig wäre, könnte man es glatt für Satire oder Fake-News halten!

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