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Arrogante Roboter bestimmen unseren Alltag - der Mensch wird zum Fehler im intelligenten System

05/06/2017 14:48 CEST | Aktualisiert 05/06/2017 14:48 CEST
nito100 via Getty Images

Wie sieht die Zukunft der Arbeit aus? FOCUS hat mit dem Schreibwettbewerb #focussiert um Zukunftsvisionen seiner Leser gebeten. Die HuffPost veröffentlicht einige Einsendungen. Cristo X. Kambouris prognostiziert in einer Art Tagebuch-Eintrag, wie Maschinen das Leben der Menschen vereinnahmen könnten - beim Aufstehen, während des (unnützen) Arbeitens, in der Öffentlichkeit. Kambouris' Fazit: „Die Welt war für uns verloren, als die Maschinen anfingen, uns zu duzen."

Morgen. Montag. 1. Mai 2030. Der Wecker grüßt zum dritten Mal mit einem „Guten Morgen". Er klingt aggressiver als bei den zwei Vorherigen. Wie einen Kokon streife ich die Bettdecke ab und schäle mich aus dem Bett.

Im Hintergrund höre ich: „Glückwunsch. Du hast einen 99,9-prozentigen biorhythmischen Schlaf absolviert. Deine Tiefschlafphasen betrug..."

Ich höre weg. Mein Blick geht aufs Smartphone: 7:13 Uhr. "Homie, Spotify, Sonny & Cher 'I got you babe'."

"Guten Morgen Mark. Ich habe dich nicht verstanden."

"Guten Morgen Homie. Spielst du bitte Sonny & Cher "I got you babe' ab." Seitdem wir freundlich zu ihnen sein müssen, haben sie eine gewisse Arroganz entwickelt. Der Song läuft und ich springe unter die Dusche.

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Exakt 2:53 Minuten später bin ich fertig."Duschzeit beendet, Mark. Dir stehen übermorgen wieder 25 Liter warmes und 15 Liter kaltes Wasser zur Verfügung."

Der Roboter bittet zum Frühstück.

78% Akku. Sowohl meiner, als auch der des Handys. Ärgerlich, in etwa zwei Monaten muss ich das Ding erneut laden.

"Zeit fürs Frühstück, Mark." Mein Magen knurrt tatsächlich. Ich entriegele die Kühlbox mit dem Life-Balance Chip, der unter der Haut meines Handgelenkes implantiert ist. Drei Schubladen öffnen sich. Eine braune Pille, eine weiße, eine orange und eine gelbe.

Das Display an der Außentür leuchtet auf. Die Schrift schimmert verschwommen.

Auswertung Life-Balance:

  • Cholesterinspiegel hoch. Eierration gesenkt.
  • Kalziumbedarf. Milchzufuhr erhöht.
  • Nachlassende Sehstärke. Aktivierung BC-Nanoroboter.
  • Leichte Nebenhöhlenentzündung. Aktivierung VC-Nanoroboter.

Seltsame Blicke, weil man das Auto selbst fährt

Frühstück: Die winzigste Mahlzeit des Tages. Und die Einzige. Sekunden später erkenne ich die Buchstaben des Displays glasklar. Auch atme ich wieder frei durch.

"Zur Arbeit."

"Ich habe dich nicht..."

"Bitte. Und ich fahre."

Der Verkehr um mich herum fließt. Ab und an ernte ich merkwürdige Blicke, weil meine Hände am Lenkrad sind. Ein Ping. "Du hast Post. Absender: Bundesrepublik Deutschland.

Verwendungszweck: Grundeinkommen Januar 2030. Betrag: 2001 DM." Es bedeutet mir nichts. Geld war wichtig, als wir das Steuer noch selbst in der Hand hatten. Jetzt ist es nur für sinnlosen Konsum dienlich. Um die Leere im Alltag zu füllen. Vielleicht die Leere in uns selbst. Ich bestelle ein neues Paar Schuhe.

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Wir sind da. Obwohl ich alleine im Auto bin, fühlt es sich nach einem Wir an. "Danke für deine Teilnahme am simulierten Fahren. Ich hole dich Punkt 17 Uhr wieder ab, Mark."

Das Lenkrad fährt ein. Ich steige wortlos aus.

Kein Morgen mehr

„Guten Morgen." Die Kollegen grüßen. Ich nicke und setze mich an meinen Platz. Die nächsten acht Stunden beobachte ich sie. Sie machen keine Fehler.

Wie könnten sie auch. Dank ihres gesunden Maschinenverstands sind sie sich selbst reproduzierende, korrigierende Intelligenzen. Die Evolution hat uns Menschen einen Streich gespielt. Mir ist nicht bewusst, wieso ich noch hier herkomme. Etwas tue, was nicht mehr gebraucht wird.

Vielleicht ein Fehler im System. Seit dem Eintreten von Singularität gibt es keine Fehler mehr. Bin ich der beste Freund der Maschine?

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Punkt 17 Uhr steht Homies rollendes Ich vor dem Gebäude. Die Autotür öffnet sich. "Wie war dein Tag, Mark? Willst du wieder fahren?" Ich meine, die Ironie in seiner Stimme herauszuhören.

Die Welt war für uns verloren, als die Maschinen anfingen, uns zu duzen. Seit gestern hat in der Zukunft der Menschen eins aufgehört zu existieren: ein Morgen.

Dieser Beitrag ist Teil der Themenreihe "New Work". Alle aktuellen Beiträge dazu findet ihr hier.

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