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Was ich von den Amerikanern nach 9/11 gelernt habe

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joeyful via Getty Images
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Letzte Woche war der 15. Jahrestag von den 9/11 Terroranschl├Ągen in den USA. Wei├čt Du noch wo Du an dem Tag warst? Ich war in einem Irish Pub in Salzburg. Am Fernseher hinter der Bar lief CNN. Beide T├╝rme standen noch. Ich fragte den Barkeeper was passiert war und er erkl├Ąrte mir, dass zwei Flieger in die T├╝rme des World Trade Centers in New York geflogen waren. Naiv fragte ich, ob es ein Unfall war.

"Das glaub ich eher nicht..." Ich war eigentlich nur in das Irish Pub gegangen, weil ich eine Reservierung f├╝rs Wochenende best├Ątigen wollte, aber ich blieb um die Geschehnisse weiterzuverfolgen. Das war das erste Mal, dass ich als Frau ohne Begleitung in einer Bar sa├č. Je l├Ąnger ich auf den Fernseher starrte, umso mehr Panik bekam ich. Warum? Weil ich bereits ein Ticket f├╝r meinen Umzug in die USA f├╝r den 21. September in der Tasche hatte.

Bald wurde es klar, da├č ich in ein Land ziehen werde, das in einen Krieg verwickelt sein wird. Was bedeutet das? Weitere Anschl├Ąge in den USA? K├Ąmpfe auf der Stra├če? Fallende Bomben? Ich wu├čte nicht, was mich erwarten w├╝rde. Als ich am Flughafen LAX in Los Angeles ankam war dieser voll mit bewaffneten Soldaten und Polizisten.

Hubschrauber kreisten ├╝ber der Stadt. Es kam mir vor wie im Film. CNN lief bei mir den ganzen Tag und die ganze Nacht. Wenn ich heute dar├╝ber nachdenke, bin ich mir nicht sicher, was es brachte nonstop die Nachrichten anzusehen, aber ich war besessen die News zu verfolgen und keine Neuigkeit zu verpassen.

Ich komme von einem kleinen Bauerndorf in ├ľsterreich wo die Einwohner vor Allem au├čerhalb des Dorfes Angst hatten. In dem Dorf wo ich aufwuchs waren die Leute so ├Ąngstlich, da├č sogar der Gedanke in die Hauptstadt Wien zu fahren Stress ausl├Âste. F├╝r sie war Wien Sodom und Gomorrah - ein Ort wo Kriminalit├Ąt und Drogen die Stra├čen regierten.

Sie waren von den Menschenmassen ├╝berfordert und dachten die Wiener seien unh├Âflich, weil sie nicht auf der Stra├če gr├╝├čten. Diese Einstellung ging nat├╝rlich nicht an mir vorbei.

Man kann sich also vorstellen, wie die Angst mich fesselte als ich nach 9/11 nach Amerika zog. In den ersten Wochen gab es Tage an denen ich das Haus nicht verlie├č. Wenn ich doch rausging und es wurde dunkel, als ich noch unterwegs war, rannte ich nach Hause aus Angst ├╝berfallen zu werden.

Was mich verbl├╝ffte war, da├č niemand um mich herum so sehr Angst hatte wie ich. Warum nicht? Hatten sie sich an die Kriminalit├Ąt gew├Âhnt? Los Angeles ist eine gro├če Stadt und Nachrichten ├╝ber Kriminalit├Ąt und Tod f├╝llten jede Zeitung jeden Tag. Als die Tage, Wochen und Monate vergingen - und auch der Krieg in Afghanistan und sp├Ąter im Irak voranschritten - verflo├č die Angst nach 9/11 und das Leben nahm seine Lauf.

Wieso war es den Amerikanern m├Âglich diese Angst zu ├╝berwinden? Als ich es endlich verstand, war es eigentlich ganz einfach: sie wollten nicht, da├č Angst ihr Leben beherrschte. Sie wollten nicht, da├č die Geschehnisse von 9/11 ihr Leben einschr├Ąnkte. Eher das Gegenteil war der Fall - jetzt wollten sie das Leben erst recht zelebrieren. Carpe Diem, wenn man so will. Die Mentalit├Ąt des Dorfes mit der ich aufwuchs, drehte sich nur um Angst.

Jeder Fremde war verd├Ąchtig. Das Unbekannte war gef├Ąhrlich. Niemand riskierte etwas und die Menschen blieben meist in ihrem 'sicheren' Zuhause. Ich kenne Leute in dem Dorf, die jedes Jahr an den gleichen Strand in Italien fuhren. Den kannten sie und was anderes wollten sie nicht kennenlernen.

Pl├Âtzlich war ich in dieser ganz anderen Welt wo das Unbekannte eher neugierig machte. Alles drehte sich um Abenteuer, darum Neues zu entdecken und auszuprobieren. Und die Amerikaner wollten nicht, da├č 9/11 ihre Lebenslust einschr├Ąnkte.

Wenn ich zur├╝ckblicke, war dies eine der wertvollsten Lektionen die ich in meinen 10 Jahren in Kalifornien lernen durfte. Ich habe gelernt mein Leben nicht von Angst beherrschen zu lassen und habe Sachen gemacht die ich wahrscheinlich nie gemacht h├Ątte, wenn ich das kleine Dorf nicht verlassen h├Ątte.

Ich hab Wakeboarding gemacht, ich bin allein gereist, ich bin in einem Hubschrauber geflogen, ich habe Klapperschlange gegessen (auf diese 'Erfahrung' h├Ątte ich verzichten k├Ânnen), ich war auf Parties in fragw├╝rdigen Gegenden bis in die fr├╝hen Morgenstunden, ich hab mich aus einer lieblosen Beziehung befreit, I hab gelernt meine Angst in der ├ľffentlichkeit zu sprechen zu akzeptieren und habe es trotzdem gemacht, und, am Wichtigsten von allen Erfahrungen: ich hab meinen Lebenstraum erf├╝llt ein Buch zu schreiben und zu ver├Âffentlichen.

Jeder Schritt, egal ob gro├č oder klein, um Angst zu ├╝berwinden, und jeder Moment, egal ob Sekunden oder Stunden, um das Leben zu genie├čen sind Erkenntnisse f├╝r die ich unendlich dankbar bin! Oberfl├Ąchlich betrachtet, mag es wie eine Kleinigkeit erscheinen, aber f├╝r mich war es eine Erkenntnis, die mein Leben ver├Ąnderte und mich zu einer gl├╝cklicheren und erf├╝llteren Person machte.

Mehr zu meinem 'American life' kannst Du in meinem Buch 'LAlien-From the Austrian Alps to the Hollywood Hills' nachlesen. Erh├Ąltlich auf Amazon.

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