BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Cornelia Miedler Headshot

Mädels, hört auf euren Körper und geht zum Arzt

Veröffentlicht: Aktualisiert:
WOMAN UNWELL
gpointstudio via Getty Images
Drucken

„Sie haben einen Knoten auf ihrer rechten Schilddrüse" sagte der Arzt und öffnete die Tür um zu gehen.

„Was bedeutet das?" Ich hob meinen Kopf von der horizontalen Position auf der Liege und versuchte nichts von dem schlabbrigen Ultraschallschleim der auf meinem Hals war auf meine Kleidung zu bekommen.

„Holen sie am Mittwoch ihren Befund ab und besprechen sie den mit ihrem Hausarzt. Die meisten Knoten sind ungefährlich.

Der Radiologe und sein nach Zigarettenrauch stinkender Mantel verließen den Untersuchungsraum. Ich hatte den Eindruck, dass er eigentlich nur noch die Tage bis zur Pension zählte als er ging. So wie es aussah, können es nicht mehr viele Tage sein.

Warte? Was? Ich hab einen Knoten? Bis dahin war meine größte Sorge, wie ich mehr Follower auf Instagram bekommen kann.

Der Radiologe teilte mir diese Neuigkeiten am Montag mit und am Mittwoch musste ich den Befund abholen. Somit hatte 48 Stunden Zeit die 10.000 verschiedenen Antworten was dieser Knoten bedeuten könnte im Internet zu recherchieren. Am nächsten Tag in die Arbeit zu gehen war hart, aber ich war froh über die Ablenkung. Als Mittwoch kam, machte ich mich nach der Arbeit auf dem schnellsten Weg zum Arzt.

Auf dem Papier stand, dass ich einen echoarmen Knoten mit 2 cm Durchmesser auf der rechten Schilddrüse habe. Mit zitternden Händen ging ich zu meinem Hausarzt. Sie hatte bereits die Ergebnisse meines Bluttests vorliegen.

Auch sie sagte, dass die meisten Schilddrüsenknoten ‚harmlos' seien, allerdings sei mein Knoten recht groß und ich solle ihn von einem Spezialisten in den nächsten 1-2 Wochen anschauen lassen. Ich dürfte nicht länger warten! Und so oder so muss das Ding irgendwann entfernt werden.

Keine Termine frei

Ich verließ ihre Praxis mit sehr, sehr feuchten Augen und einer Liste mit Krankenhäusern, die ich wegen eines Termins anrufen sollte.

Nachdem ich realisiert hatte, dass ich früher oder später eine Operation benötigen würde, war mein nächster Gedanke: wann bitte soll für eine Woche im Krankenhaus mit genug Erholungszeit zwischen meinen bereits gebuchten Urlauben Zeit finden?

Eine rational denkende Person hätte vielleicht darüber nachgedacht, wo sie überall anrufen muss, um ihre Trips zu stornieren. Nicht ich! Ich bin sehr rastlos und eine Absage einer Reise würde mich ☹ machen. Sicher würde ich im Fall einer sofort notwendigen Operation meine Urlaube stornieren, aber es wär mir lieber, um sie herum zu arbeiten...

Also rief ich alle Krankenhäuser auf der Liste an, um nach einem Termin zu fragen. Mindestens zehn waren es. „Nicht vor Oktober." „Frühestens Dezember." „Welche Versicherung haben sie?" „Wir könnten Sie Ende Mai reinquetschen."

Mehr zum Thema: Krankenhäusern droht Engpass bei Narkosemitteln: Operationen nur noch zwei Wochen lang möglich

Ende Mai war der frühestmögliche Termin?!?! Auch wenn ich erwähnte, dass mein Hausarzt darauf bestand, dass ich in den nächsten zwei Wochen untersucht werden soll, konnte ich fast das Schulterzucken übers Telefon hören. Es gab nur eine Lösung: einen Privatarzt zu bezahlen.

So bekam ich einen Termin in der folgenden Woche. EUR 270. Das war es total wert, um den Verstand nicht zu verlieren. Trotzdem dachte ich kurz darüber nach, dass ich für dieses Geld locker einen Wochenendurlaub hätte machen können...

Stundenlange Onlinerecherchen

Eine ganze Woche auf diesen Termin zu warten war eine Qual. Ich konnte mir gar nicht vorstellen wie mein eh schon rastloses Hirn auf eine längere Wartezeit reagiert hätte. Als ich in der Praxis ankam, waren bereits ein Mann und eine Frau im Wartezimmer. Beide drückten einen Verband gegen ihren Hals.

Wegen meiner stundenlangen ich-mach-verrückt Onlinerecherche wusste ich, dass diese blutenden Hälse bedeutenden, dass die beiden einen ‚kalten' Knoten hatten, welche eher krebsartig werden als ‚heiße' Knoten und daher punktiert werden mussten. Beide hatten eindeutig Schmerzen. Ich hoffte auf einen ‚heißen' Knoten.

Dann war ich dran. Man machte noch ein Ultraschall mit dem kalten Schleim auf meinem Hals. Privatärzte sind viel freundlicher als Nichtprivate. Sie hat sogar gelächelt! Ich wurde in einen separaten kleinen Raum gebracht, wo mir Blut abgenommen wurde. Dann spritzte mir die Ärztin Radioaktivität, welche den Knoten in einem Röntgenbild zum ‚Leuchten' bringen sollte.

Radioaktivität!!!!! „Ist das gefährlich?" „Nein, überhaupt nicht. Aber bitte drücken Sie drauf, wo sie die Injektion bekommen haben, damit die Radioaktivität nicht austritt." Sie lächelte wieder. Radioaktivität tritt aus mir aus?!?! Ich wurde in einen weiteren, abgeschiedenen Raum gebracht, da ich für die nächsten 30 Minuten nicht in der Nähe von Kindern oder Schwangeren sein durfte. Sehr aufbauend...

Mein Mann nennt mich seither liebevoll Radioactive Woman. So kann man auch eine Superheldin werden! Zeiten wie diese zeigen auch die Stärke einer Beziehung. Nach einer tränenreichen Bekanntgabe der Existenz meines Knotens kam mein Mann mit zu jedem Arzttermin und überschüttete mich bei jeder Gelegenheit mit Umarmungen.

Meine Behandlungsoptionen: Operation oder Jodtherapie

Diese zwei Wochen waren schwieriger für ihn als für mich und ich hab ein ziemlich schlechtes Gewissen deswegen... (Übrigens: wer wissen will wie man als Ehemann NICHT reagieren soll, wenn die Ehefrau schlechte Nachrichten betreffend ihrer Gesundheit hat, möge in meinem Buch LAlien-From the Austrian Alps to the Hollywood Hills die Reaktion von Ehemann #1 nachlesen. Es wird eindeutig klar, warum ich ein Upgrade auf Ehemann 2.0 machen musste.)

Nach weiteren 30 Minuten musste ich für 10 Minuten vor einer Röntgenmaschine sitzen ohne mich zu bewegen. Zehn Minuten können lang sein... sehr, sehr lang... besonders wenn man nur atmen und schlucken darf. Ich starrte zehn Minuten lang aus dem Fenster und beobachtete wie zwei rote, hässliche T-Shirts auf einer Wäscheleine im Wind tanzten.

Als die 10 Minuten vorüber waren, setzte ich mich auf einen Stuhl an der Wand, wo ich der Röntgenassistentin über die Schulter schauen konnte. Und da war er: ein roter Fleck mit gelb und grün Drumherum in Form einer halbierten Avocado. Bitte sei heiß. Bitte sei heiß. Wir wollen einen heißen Knoten.

Die Assistentin druckte das Bild aus und gab es der Ärztin. „Gute Neuigkeiten. Es ist ein Heißer! Nur ein 1% Risiko, dass er krebsartig wird!" Juhu? Kein blutender Hals!

„Und jetzt?"

„Ihre Blutwerte sind ok. Das bedeutet, dass der Knoten noch nicht ‚aktiv' ist. Er wird irgendwann aktiv werden. Kommen Sie in 4 Monaten wieder zur Kontrolle. Sollten Sie Herzrasen bekommen und plötzlich viel Gewicht verlieren - kommen sie früher."

Sie empfahl, dass ich jodiertes Salz, Fisch und Meeresfrüchte vermeide. Meine Behandlungsoptionen wenn der Knoten dann aktiv wird sind eine Operation oder eine Radiojodtherapie. Für beide Optionen würde ich eine Woche im Krankenhaus verbringen müssen. Falls jemand Erfahrung mit einer Option gemacht hat, würde ich gerne mehr darüber in den Kommentaren hören.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Übrigens, es war purer Zufall, dass dieser Knoten entdeckt wurde. Ich mache zur Zeit diverse Tests, weil mein Körper sich seit ca. 5 Monaten sehr seltsam benimmt: Gewichtszunahme, exzessives Schwitzen ohne dass mir heiß ist, äußerst trockene Kopfhaut und auch mein Rücken ist nicht so geschmeidig wie sonst.

Vielleicht war das der Weg wie mir mein Körper sagen wollte, dass etwas nicht stimmt und mich dazu führte all diese Tests zu machen. Daher liebe Damen: hört auf euren Körper! Geht zum Arzt, wenn ihr der Meinung seid, dass etwas los ist. Sicher ist sicher!

Es ist sicher unnötig zu erwähnen, dass ich das folgende Wochenende feierte - mit viel Wein und sehr wenig Salz...

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.