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Tipps für einen Städtetrip nach Heidelberg

09/06/2017 16:42 CEST | Aktualisiert 09/06/2017 16:47 CEST

Schon Goethe, der mehrmals in Heidelberg weilte, war der Ansicht: „Die Stadt in ihrer Lage und mit ihrer ganzen Umgebung hat, man darf sagen, etwas Ideales" - was könnte man dem hinzufügen? Der weltberühmte Dreiklang von Altstadt, Fluss und Bergen sowie das Panorama mit Schloss und Alter Brücke haben durch die Jahrhunderte nichts von ihrer Schönheit verloren.

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Stokley's Coffee Shop

9:00

Die Plöck, Parallelstraße zur Hauptstraße, wird von Heidelberg-Besuchern gerne vernachlässigt. Völlig zu Unrecht, denn hier gibt es nicht nur außergewöhnliche kleine Läden, sondern bei Stokley's auch den besten Kaffee der Stadt. Die beiden deutsch-amerikanischen Schwestern Deana und Janet Stokley-Gliatis haben den Coffee Shop mit viel Liebe im Cabin-Style des Nordwestens der USA eingerichtet. In Erinnerung an die Gegend, in der sie aufgewachsen sind. Neben köstlichem Cappuccino und Espresso (auch mit Sojamilch) gibt es zahlreiche weitere Kaffee- und Teespezialitäten, kalte Getränke, frisch gebackene Croissants, Doughnuts, Brownies und leckere Peanut Butter Cups.

(Plöck 91, Mo-Fr 7.30-18, Sa 9-18, So 12-18 Uhr)

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So leer ist es im Stokley's nur am frühen Morgen

Heidelberger Schloss

09:30

333 Stufen sind es hinauf zur schönsten Schlossruine Deutschlands. Zwar ist man mit der Bergbahn in zwei Minuten oben, aber links der Treppen stehen schmucke Häuser, darunter Verbindungshäuser, während es in der Bahn nur den Tunnel zu sehen gibt. Zudem hält das Treppensteigen fit. Besuchermagnet auf dem Schloss ist der Fasskeller mit dem gigantischen Bottich, der 228.000 Liter Wein fasst. Bewacht wurde das Fass vom zwergwüchsigen Kellermeister und Hofnarren Perkeo (1702-1735), der täglich 15 Flaschen Rheinwein getrunken haben soll.

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In der ehemaligen Schlossküche im Schlosshof befindet sich seit 1957 das Deutsche Apothekenmuseum, das eine der größten pharmaziegeschichtlichen Sammlungen Europas beherbergt, darunter die Arzneimittelsammlung „Materia medica" sowie Apothekengefäße und Geräte aus dem 16.-20. Jh.

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Blick von der Schlossterrasse auf die Altstadt

Der Schlossgarten führt zur großen Terrasse, die den schönsten Blick über die Altstadt bietet - bei gutem Wetter reicht die Sicht bis nach Mannheim. Auf der gegenüberliegenden Seite des Neckars ist hoch oben der Philosophenweg zu erkennen, eines der nächsten Ziele der Stadtwanderung. Berühmteste Schlossbewohnerin war Liselotte von der Pfalz, die mit dem Bruder des Sonnenkönigs Ludwig XIV verheiratet wurde. Zeit ihres Lebens schrieb sie 60.000 Briefe aus Frankreich - was würde sie heute twittern!

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(Schloss und Fasskeller tägl. 8-18 Uhr, Ticket einschl. Bergbahn 7 €, ermäßigt 4 €, Zugang zu Garten und Terrasse kostenlos)

Studentenkarzer

11:00

Eine enge Stiege führt hinauf zu den Zellen mit den originellen Namen Sans Souci, Palais Royal, Solitude, Villa Trall und SC-Klause. In dem winzigen Gefängnis mit den bunten Wandmalereien wurden von 1778 bis 1914 Studenten für „Kavaliersdelikte wie Trunkenheit, nächtliche Ruhestörung oder öffentliches Duellieren eingesperrt. Je nach Delikt verbrachten sie hier drei Tage bis zu vier Wochen. Tagsüber durften sie allerdings raus, um ihre Vorlesungen zu besuchen. Die Zeit im Karzer verbrachten die Studenten damit, Sprüche und ihre Konterfeis auf die Wände zu kritzeln.

(Augustinergasse, April-Okt. tägl. 10-18, Nov.-März Mo-Sa 10-16 Uhr, Eintritt 3 €, erm. 2,50 €)

Reichspräsident Friedrich-Ebert-Gedenkstätte

11:30

Der erste Reichspräsident Deutschlands wurde 1871 als siebtes von neun Kindern in der Pfaffengasse 18 geboren. In der dunklen 45 m2 großen Wohnung, die gleichzeitig seinem Vater als Schneiderwerkstatt diente, verbrachte er die ersten 15 Jahre seines Lebens. Die Räume enthalten keine originalen Einrichtungsgegenstände, waren zu Eberts Zeiten aber wohl ähnlich eingerichtet. Wie dicht gedrängt die Großfamilie auf kleinstem Raum lebte, kann man sich heute kaum vorstellen. Eberts Geburtshaus dokumentiert seinen Werdegang vom Sattlerlehrling zum SPD-Vorsitzenden und schließlich zum Staatsoberhaupt.

(Pfaffengasse 18, Di-So 10-18, Do bis 20 Uhr, Eintritt frei)

Essen unter Freunden

12:15

Wenn der kleine Hunger plagt, ist man in der Märzgasse genau richtig. Bei „Unter Freunden" gibt es leckere Smoothies und Pizza (auch vegane Varianten), die mit der Schere nach Wunsch in die gewünschte Größe geschnitten wird. Mein Lieblingspizzaladen, denn allein der Teig schmeckt einmalig!

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Nebenan, bei Franz Soupmarine, werden köstliche vegetarische und vegane Suppen serviert. Wem der Sinn nach Salaten steht, wird in Günays Garten fündig. Alle Lokalitäten mit Außenbestuhlung. Weiterer Tipp für Veganer: Holy Kitchen in der Kettengasse 7 (Mo-Sa 11-19 Uhr).

(Unter Freunden, Märzgasse 2, Mo-Fr 9-20, Sa 10-20 Uhr, Franz Soupmarine, Märzgasse 4, Mo-Sa 11-20 Uhr, Günays Garten, Märzgasse 6, Mo-Fr 8-20, Sa 8-18 Uhr)

Blick vom Turm der Heiliggeistkirche

13:00

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Knapp 200 Stufen führen hinauf zur Aussichtsplattform der evangelischen Hauptkirche der Stadt, wo sich eine spektakuläre Panoramasicht auf Schloss, Bergbahn, Altstadt, Philosophenweg und den Neckar bietet. Der mühsame Treppenaufstieg ist bei diesem Blick sofort vergessen!

(Marktplatz, Mo-Sa 11-17, So 12.30-17 Uhr, Turmaufstieg 2 €, erm. 1 €)

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Blick vom Kirchturm auf die Brückentürme

Alte Brücke

14:00

Nicht nur Goethe besang sie, auch ich als Einheimische finde die Brücke einfach unwiderstehlich. Sie ist mein absoluter Lieblingsplatz in der Stadt, ganz besonders am frühen Morgen, wenn sie noch nicht von Touristen belagert ist. Benannt ist die Sandsteinbrücke nach Kurfürst Karl-Theodor, der sie 1788 errichten ließ - bekannt ist sie allerdings unter dem Namen Alte Brücke. Die Statue des Kurfürsten steht auf einem Sockel an der Brücke, ihm zu Füßen liegen die Allegorien von Rhein, Mosel, Donau und Isar. Von der Brückenmitte bietet sich ein herrlicher Blick aufs Schloss - ewig möchte man da verweilen.

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Philosophenweg

14:30

Und wieder ist Treppensteigen angesagt. Hinter der Alten Brücke führt der Schlangenweg steil hinauf zu Heidelbergs schönster Promenade. Schlangen gibt es hier keine, Eidechsen im Sommer aber um so mehr. Unterwegs bieten sich an zahlreichen Stellen atemberaubende Blicke auf die Alte Brücke. Oben angekommen, präsentiert sich der einzigartige Dreiklang von Altstadt, Fluss und Bergen. Nach links geht es zum Philosophengärtchen, einem Naturbalkon mit exotischen Pflanzen, Palmen- und Mandelbäumen. Im Gärtchen steht die Eichendorffbüste, in deren Sockel eines der Gedichte des Romantikers eingraviert ist. Etwas weiter hinten, am Philosophenweg 12, befindet sich das Physikalische Institut der Universität. Der Weg endet an der Bergstraße, von wo auch schon die Theodor-Heuss-Brücke sichtbar ist. Über der Brücke geht es in linke Richtung an den Neckarstaden entlang zur Schiffsanlegestelle.

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Panorama der Altstadt beim Blick vom Philosophenweg auf den Neckar

Neckarrundfahrt

16:00

Für Erstbesucher ist eine Neckarrundfahrt ein Muss. Flussaufwärts schippert das Ausflugsschiff in die Vierburgenstadt Neckarsteinach, vorbei an den hoch oben gelegenen Burgen Vorderburg, Mittelburg, Hinterburg und Schadeck. Mark Twain, der 1878 für ein paar Monate in Heidelberg lebte, schrieb in seinem Buch "A Tramp Abroad": "Deutschland ist im Sommer der Gipfel der Schönheit, aber niemand hat das höchste Ausmaß dieser sanften und friedvollen Schönheit begriffen, wirklich wahrgenommen und genossen, der nicht auf einem Floß den Neckar hinab gefahren ist." Zugegeben, heute sitzt man dicht gedrängt zwischen Touristen aus aller Welt, um die Schönheit des Neckartals zu bestaunen, aber in ihrem Reiz nachgelassen hat sie nicht.

(Neckarstaden 25, gegenüber Kongresshaus. Die Tickets am besten online bestellen: www.weisse-flotte-heidelberg.de, Hin- und Rückfahrt Erwachsene 15 €, Kinder 8 €)

Geschichten im Wirtshaus Zum Seppl

20:00

Im ältesten Studentenlokal Heidelbergs gibt es nicht nur leckeres Essen (auf Wunsch auch vegetarisch), Restaurantleiter Markus Müller unterhält die Gäste ab 21 Uhr auch mit Geschichten und witzigen Anekdoten aus der Vergangenheit des Seppl. Die uralten Tische und Bänke sind Originale aus den Anfangstagen, in deren Holz sich unzählige Studenten mit Einritzungen verewigt haben.

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Copyright Johnny Brambach, mit freundl. Genehmigung v. Wirtshaus Zum Seppl

(Zum Seppl, Hauptstr. 213, Di-Sa 17-24 Uhr)

Buchtipp: Heidelberg, Porträt einer Stadt. Gmeiner-Verlag. Das Buch begleitet Heidelberger zu ihren persönlichen Orten der Stadt und erzählt ihre Geschichte.

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