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Tipps für 24 Stunden Nürnberg

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Die quirlige Stadt mit der komplett erhaltenen Stadtmauer, den mittelalterlichen Gassen und Plätzen, der Kaiserburg, viel Fachwerk und Grün, ist nicht nur zum Christkindlesmarkt eine Reise wert.

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Lorenzer Altstadt
10:00

Kaum habe ich den Bahnhof verlassen und den Bahnhofsplatz überquert, tauche ich auf der gegenüberliegenden Königstraße mitten ins Nürnberger Leben ein. Nur wenige Minuten sind es bis zum Lorenzer Platz, wo ein Seifenblasenkünstler seine Show abzieht. Kinder versuchen, die Blasen mit den Händen einzufangen, andere rennen lachend durch die Riesen-Bubbles hindurch. Ein Pantomime lässt sich davon nicht irritieren und steht mit weit ausgebreiteten Armen regungslos und stumm auf einer Kiste. Neben ihm zupft ein Straßenmusiker die Saiten seiner Gitarre und trällert ein Lied. Eine Gruppe Jugendlicher sitzt vor ihm auf dem Boden und singt mit. Vor dem Kirchenportal hinter ihnen stehen drei Japanerinnen und bringen sich für ein Selfie in Pose. Ich zwänge mich zwischen ihnen durch und betrete die Kirche aus dem 13. Jahrhundert, der das Viertel seinen Namen verdankt.

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Adam Kraft stützt sein Werk.

Highlight sind der von Veit Stoß geschnitzte Engelsgruß (1518), der im Chorbereich schwebt und das Sakramentenhaus (1496) von Adam Kraft, vor dem sich der Künstler in kniender Haltung selbst dargestellt hat- fast so, als wolle er sein Werk, das sich bis zur Decke erhebt, stützen. Ich verlasse die Kirche und folge der Königstraße weiter und befinde mich ein paar Minuten später auf der Museumsbrücke, von der ich auf das Heilig-Geist-Spital blicke. Zwei Bögen des Gebäudes überspannen die Pegnitz. In dem 1332 als Hospital und Armenhaus errichteten Gebäude trieb der Schalk Till Eulenspiegel 1340 der Sage nach seinen Schabernack, indem er sich als „Arzt für alle Krankheiten" ausgab, woraufhin das Unglück seinen Lauf nahm.

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Blick von der Museumsbrücke auf das Heilig-Geist-Spital.

Zentrum und Nabel der Frankenmetropole ist der Hauptmarkt, wo Trubel und buntes Treiben herrschen. Wochentags bieten Marktverkäufer frisches Gemüse, Obst und sonstige Leckereien an, und an sonnigen und warmen Tagen wie heute tummeln sich Straßenkünstler zwischen den Marktständen auf dem weitläufigen Platz.

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Blickfang ist der „Schöne Brunnen" aus dem 14. Jahrhundert mit 40 farbig bemalten Figuren, die auf einer 19 Meter hohen kirchturmspitzeähnlichen Steinpyramide auf vier Ebenen das Weltbild des Heiligen Römischen Reiches darstellen. Gegenüber des Brunnens steht die Frauenkirche aus dem Jahr 1358, deren Hauptattraktion täglich um 12 das Männleinlaufen ist. Von Musikanten begleitet ziehen unterhalb des Uhrenblatts die sieben Kurfürsten dreimal um Kaiser Karl IV. und huldigen ihn. Ich kaufe mir an einem der Marktstände etwas zu essen und laufe kauend Richtung Sebalder Altstadt.

Sebalder Altstadt mit Dürer-Haus und Kaiserburg.
11:30

Mit dem vielen Fachwerk, dem Kopfsteinpflaster, Ritterfigur, Ziehbrunnen, Torturm und der darüber thronenden Kaiserburg fühlt man sich auf dem Tiergärtnertorplatzes fast ins Mittelalter zurückversetzt, wären da nicht die vielen asiatischen Reisegruppen, Straßenmusiker und Biergärten. Inmitten des Platzes liegt auf einem Granitsockel eine gigantische Häsin aus Bronze, die gerade Jungtiere wirft.

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Das Werk von Jürgen Goertz spielt auf Dürers Aquarell „Feldhase" und dessen unzählige Vervielfältigung an. Auf der gegenüberliegenden Seite steht das Fachwerkhaus, in dem Nürnbergs berühmtester Sohn von 1509 bis 1528 lebte.

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Blick von der Kaiserburg auf das Dürer-Haus.

Im Haus befinden sich Wohnstuben, die ähnlich wie zu Dürers Zeiten eingerichtet sind und so eine authentische Atmosphäre vermitteln. In der originalen Küche des Künstlers befindet sich ein eingebautes Plumpsklosett - eine Rarität in einem mittelalterlichen Haushalt, denn damals verrichtete das Volk sein Geschäft in Nachttöpfe, die auf den Gassen entleert wurden. Mit dem heimlichen Einbau des Klosetts beging Dürer eine Ordnungswidrigkeit und wurde dafür von der Stadt gerügt. Aufgrund seiner Berühmtheit sah man letztendlich aber von einer Geldstrafe ab. Ich stelle es mir nicht gerade appetitlich vor, wenn beim Kochen in der engen Küche der Geruch aus dem Klo strömte. In einem der oberen Stockwerke ist eine Werkstatt mit Druckvorrichtungen untergebracht. Im Dürer-Saal hängen Kopien der Gemälde des Meisters, deren Originale sich in Museen in aller Welt befinden. Einmal täglich führt eine Schauspielerin als Agnes Dürer kostümiert Besucher durch das Haus und erzählt ihnen Details und Anekdoten aus dem Eheleben der Dürers. Leider findet die nächste Führung erst um 15 Uhr statt und so lange möchte ich nicht warten.

(Albrecht-Dürer-Str. 39, Di-Fr 10-17 Uhr, Do bis 20 Uhr, Sa/So 10-18 Uhr, 5€, ermäßigt 3 €, Führungen mit „Agnes Dürer": Di/Mi/Sa 15 Uhr, Do 18 Uhr, So 11 Uhr, Aufpreis 2,50 €).

Die Kaiserburg, das gigantische Wahrzeichen der Stadt thront auf einem Sandsteinfelsen über der nördlichen Altstadt. Der Weg hinauf zur Burg ist steil, die Hitze drückt erbarmungslos. Als ich oben ankomme, bin ich ziemlich außer Atem, werde auf der Freiung aber mit einem herrlichen Blick über die Altstadt belohnt.

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Vom 11. bis zum 16. Jahrhundert residierten auf der Burg die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, wenn sie Gericht hielten oder Reichstage abhielten. Lange halte ich mich nicht auf der Burg auf, denn eigentlich bin ich nur wegen der Aussicht gekommen.

(Burggarten April-Okt. tägl. 8-20 Uhr, Räume April-Sept tägl. 9-18 Uhr, Okt-März tägl. 10-16 Uhr).

Hesperidengärten und Johannisfriedhof
13.30 Uhr

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Zu den Hesperidengärten ist es von der Burg aus ein ganz schöner Spaziergang, aber ich habe mir vorgenommen, Nürnberg zu Fuß zu erkunden. Die Gärten liegen versteckt hinter einer Häuserreihe in der Johannisstraße. Von der Straße aus lässt nichts auf das Vorhandensein der ruhigen Oase mit viel Grün, zahlreichen Statuen, Brunnen und vielen Bänken schließen. Wahrscheinlich sitzt deshalb auch nur ein Mensch auf einer der Bänke und liest ein Buch. Die barocken Ziergärten verdanken ihren Namen der griechischen Mythologie. Dieser zufolge hatten die Töchter des Hesperos, die Hesperiden, die Aufgabe, in dem nach ihnen benannten Garten goldene Zitrusfrüchte zu bewachen, die den Göttern gehörten. Herakles, Sohn des Zeus, gelang der Raub der Früchte dennoch. Geschaffen wurden die Gärten im Mittelalter von wohlhabenden Kaufleuten nach dem Vorbild der prachtvollen Lustgärten des Adels.

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Der Johannisfriedhof mit seinem einzigen Mausoleum

Der außergewöhnliche Friedhof mit den liegenden Grabsteinen aus Sandsteinblöcken liegt nur einen Steinwurf von den Hesperidengärten entfernt. Er entstand ab 1518 aus dem Pestfriedhof und dem Friedhof für Leprakranke. Die zahlreichen Rosenbüsche und üppig bepflanzten Schalen auf den Gräbern machen den Ort zu einem Blumenmeer. Kein Wunder, dass er 2013 zum schönsten Friedhof Deutschlands gewählt wurde. Zu den prominentesten Gräbern gehören die von Albrecht Dürer, Hans Sachs und Anselm Feuerbach (der allerdings kein Nürnberger war und in Venedig starb).
(Hesperidengärten: Straßenbahn Nr. 6, Hallertor, die Gärten sind vom 1.4.-31.10. tgl. von 8-20 Uhr geöffnet. Der Eingang zu den drei zusammenhängenden Gärten befindet sich in der Johannisstraße 47. Johannisfriedhof: Johannisstraße 55).

Unschlittplatz
15 Uhr

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Unschlitthaus

Auf dem Weg zurück in die Altstadt komme ich direkt nach dem Henkersteg am Unschlittplatz vorbei. Hier fand der Schuhmachermeister Weickmann am 26. Mai 1828 Deutschlands berühmtestes Findelkind, Kaspar Hauser, um den sich bis heute viele Legenden ranken. Dominiert wird der Platz von dem imposanten Unschlitthaus, das 1491 als Kornspeicher errichtet wurde. Später diente es als Unschlittamt. Unschlitt, auch Talg, ist Fett aus geschlachtetem Vieh. Alle Nürnberger Metzger mussten das Abfallfett hier bis ins 19. Jahrhundert verkaufen. Damals wurde es als Rohstoff für Seife, Schuhwachs, Wagenschmiere und Talgkerzen verwendet.

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Über diesen Steg ging im Mittelalter der Nürnberger Henker zu seinem Henkerturm.

Germanisches Nationalmuseum
16 Uhr

Mit 1,3 Millionen Exponaten ist das 1852 gegründete GNM das größte kulturhistorische Museum Deutschlands. Der Schwerpunkt liegt auf der Kultur- und Kunstgeschichte in Mitteleuropa bis Ende des 20. Jahrhunderts. Neben Werken von Dürer interessiert mich vor allem der älteste Globus der Welt von Martin Behaim sowie Kunst des 20. Jahrhunderts. Lange halte ich mich nicht im Museum auf, denn ich bin schon seit sechs Stunden zu Fuß unterwegs und möchte mich im Hotel erst einmal etwas ausruhen. Auf dem Weg dorthin laufe ich durch die Straße der Menschenrechte, wo auf 27 weißen, acht Meter hohen Säulen die Menschenrechtserklärung von 1948 verewigt ist. Seit 1995 wird in der Stadt der Internationale Nürnberger Menschenrechtspreis verliehen.

(Kartäusergasse 1, Di-So 10-18 Uhr, Mi bis 21 Uhr, 8€, ermäßigt 5 €).

Il Dolce e Panini
19 Uhr

Mit zahlreichen Biergärten, Bratwurstküchen und Spezialitätenrestaurants findet in Nürnberg garantiert jeder etwas nach seinem Geschmack. Für diejenigen, die sich wie ich vegan ernähren, gibt es leider nicht so viel Auswahl. „Happycow.net" sei Dank bin ich in der Lorenzer Altstadt auf das vegetarische Restaurant „Il Dolce e Panini" gestossen, das viele Gerichte auch in der veganen Variante lecker zubereitet. Da es noch immer sehr warm ist, setze ich mich an einen Tisch im Außenbereich und beobachte das Treiben in der Gasse.
(Hutergasse 7 - verbindet die Vordere Ledergasse mit der Hinteren Ledergasse, Mo-Sa 10-21 Uhr).

Tipp: Mit der Nürnberg Card 2 Tage kostenlose Museumsbesuche und freie Fahrt mit U-Bahn, Tram, Bus und S-Bahn im gesamten Bereich Nürnberg, Fürth und Stein (25 €).

Die Reise wurde von Tourismus Nürnberg unterstützt.

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