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Tipps für 24 Stunden Sofia

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Sofia ist zwar kein Hotspot wie Berlin, London oder Paris, dafür aber nicht von Touristen überlaufen. Das Stadtbild mit seiner Mischung aus Orient, Okzident und Sozialismus liegt weit abseits des Mainstream. Trotz der Millionengröße der Stadt liegen die wichtigsten Sehenswürdigkeiten dicht beieinander und sind leicht zu Fuß zu erreichen.

Frühstück in der Zentralmarkthalle
10:00

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In der 1911 eröffneten Markthalle gibt es auf drei Etagen Lebensmittel, Restaurants und Cafés, Kleidung, Kunsthandwerk, Parfümerien und allerlei Krimskrams.

Am Morgen ist hier noch nicht viel los. Nur wenige Menschen sitzen hinter einer Zeitung versteckt an den Tischen der Kaffeebars. Im Erdgeschoss, das als Galerie gestaltet ist, stellen wir uns beim Bäcker und diversen Obst-, Nuss- und Saftständen unser Frühstück zusammen und setzen uns damit zu einem Espresso an die Bar.

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(Zentralni Sofijski Chali, Boulevard Knjaginja Marija Luiza 25, Mo-So 7-24 Uhr).

Free Sofia Tour
11:00 Uhr

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Tourguide Stoyan Bonev.

Die Non-Profit-Organisation „365 Association" bietet mit der Free Sofia Tour an 365 Tagen im Jahr zweimal täglich, um 11 Uhr und um 18 Uhr, kostenlose Stadtführungen an. Treffpunkt ist jeweils der Platz vor dem Justizpalast (Sadebna Palata, Vitosha Boulevard 2). Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich. Besucher aus England, Israel, den USA, Deutschland und China warten ungeduldig darauf, dass die Tour beginnt. Unser Guide ist Stoyan, der die Free Sofia Tour heute zum ersten Mal macht. Elf Highlights stehen auf dem Programm, einige davon sind:

  • Kathedrale Sweta Nedelja

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Während eines Trauergottesdienstes für einen General ließen bulgarische Kommunisten im April 1925 mehrere Bomben hochgehen, um Zar Boris III samt der anwesenden politischen und militärischen Führung mit einem Schlag zu vernichten. 120 Menschen starben, 500 wurden verletzt. Die Politiker und Militärs blieben unversehrt, der Zar war nicht anwesend. Bis zum Abbau des Eisernen Vorhangs befand sich in der Kuppel der Kathedrale ein Büro des Geheimdienstes.

  • U-Bahn Station Serdika

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Hier befindet sich die archäologische Fundstätte der früheren römischen Stadt Serdika. Beim Bau der U-Bahn (2010-2012) stießen Arbeiter auf die Überreste des Ortes, die anschließend in die Serdika-U-Bahn-Station integriert wurden. Das dazugehörige Museum wurde vor wenigen Wochen eröffnet. Treppen führen hinauf zum Platz der Toleranzen, wo in weniger als 500 Metern Entfernung die Banja-Baschi-Moschee, die Synagoge und eine orthodoxe Kirche gut sichtbar stehen.

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In über 20 Metern Höhe hält die Heilige Sofia ihre Hand schützend über den Straßenverkehr. Die Bronzestatue aus dem Jahr 2000 gilt als Beschützerin der Stadt - während des Sozialismus stand Lenin an ihrer Stelle auf dem Sockel.

  • Zentrales Mineralbad

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Links an der Moschee vorbei geht es zu dem stillgelegten alten Bad. Anfang des vorigen Jahrhunderts, als es noch keine Badezimmer in den Wohnungen gab, kamen die Sofioter sonntags nicht nur zum Baden in den schmucken Bau. „Hier wurde vor allem Klatsch ausgetauscht. Die öffentlichen Bäder waren sozusagen das Facebook des frühen 20. Jahrhunderts", erklärt Stoyan lachend.

  • Der Largo

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Soldaten vor dem Präsidentensitz am Largo.

Der Gebäudekomplex Largo am Platz der Unabhängigkeit wurde Anfang der 50er Jahre im sozialistisch-klassizistischen Stil, auch „Stalingotik" genannt, gestaltet. Im mittleren Gebäude war das ehemalige Hauptquartier der Bulgarischen Kommunistischen Partei untergebracht, das heute von der Nationalversammlung genutzt wird, in den Gebäuden daneben befinden sich der Ministerrat und das Kaufhaus TSUM sowie das Büro des Präsidenten, das Hotel Balkan (ehemals Sheraton) und das Erziehungsministerium. „Im TSUM gab es die erste Rolltreppe Bulgariens. Die Menschen kamen aus allen Teilen des Landes - nicht, um einzukaufen, sondern um Rolltreppe zu fahren", erzählt Stoyan.

  • Rotunde „Heiliger Georg"

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Direkt hinter dem Hotel Balkan, inmitten von Überresten des antiken Serdika, steht das älteste Gebäude Sofias, die kleine Rotunde des Heiligen Georg aus dem 4. Jahrhundert. Ein Hingucker sind die Fresken aus dem 12.-14. Jahrhundert, von denen bisher allerdings nur drei Schichten freigelegt wurden. Die Fresken waren während der osmanischen Herrschaft übermalt worden, als die Rotunde als Moschee genutzt wurde.

  • Nationaltheater

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In der ul. Dyakon Ignatiy, befindet sich eines der schönsten Gebäude der Stadt, das Nationaltheater „Iwan Wasow", das nach dem gleichnamigen Schriftsteller benannt wurde.

Im Stadtgarten verabschieden wir uns von Stoyan, denn den königlichen Palast kennen wir schon und die Alexander-Newski-Kathedrale wollen wir am Nachmittag besichtigen.

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Kiosk im Stadtgarten.

Tipp: Die Tour ist zwar kostenlos, Trinkgelder sind aber willkommen, denn die Tourguides arbeiten ohne Bezahlung!

Lunch im Sun & Moon
13:00

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Das vegetarische Restaurant mit eigener Bäckerei serviert typische bulgarische Spezialitäten - nur eben fleischfrei. Fast alle Gerichte werden auch in der veganen Variante serviert. Das mehrgängige Menü schmeckt so lecker, dass wir am nächsten Tag wiederkommen.

(ul. 6-ti Septemvri 39, tgl. 8:30-22 Uhr).

Synagoge
15 Uhr

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In der drittgrößten Synagoge Europas erfahren wir von Leon Benatov, der als Kind mit seiner Familie in einem bulgarischen Lager interniert war, alles Wissenswerte zu dem Gebäude und zur Geschichte der Juden in Bulgarien.

(ul. Exarch Joseph 18, hinter der Markthalle, Mo-Fr 9-16.30 Uhr).

Alexander-Newski-Kathedrale
16:00

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Der Prachtbau mit den aus Blattgold überzogenen Kuppeln wurde zu Ehren der gefallenen Soldatem im russisch-türkischen Krieg (1877/78) Ende des 19. Jahrhunderts auf dem höchsten Punkt der Stadt errichtet und nach dem Schutzheiligen des Zaren benannt. Highlight im Inneren der Kathedrale sind die zahlreichen Ikonen, Wandmalereien und Mosaike sowie die Krypta mit einer Dauerausstellung von Fresken und über 200 Ikonen.

(Ploschtad Aleksandar Nevski, tgl. 7-19 Uhr, Krypta Di-So 10-18 Uhr).

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Tipp: Hinter der Kathedrale findet täglich ein Flohmarkt statt, auf dem Ikonenbilder, Matrjoschkas, Kram aus der sozialistischen Ära, Klamotten, Bücher, alte Kameras und sonstiger Kleinkram verkauft werden.

Nationale Kunstgalerie
17:00

Gemälde bulgarischer Künstler aus dem 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart statt internationale Impressionisten und Expressionisten. Namen wie Sirak Skitnik, Vera Nedkova, David Peretz oder Boris Eliseev sind uns nie begegnet, ihre Werke faszinieren uns jedoch. Das Gebäude, in dem sich die Kunstgalerie befindet, war im 16. Jahrhundert Sitz der osmanischen Verwaltung und später, während der Monarchie, Zarenschloss.

(Ploschtad Aleksandar Battenberg 1, Di-So 10:30-18 Uhr).

Shopping-Meilen
18:00

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Auf dem geschäftigen, autofreien Boulevard Vitoscha, den Straßen Pirotska, Rakovski und Graf Ignatiev befinden sich Läden internationaler Ketten, jede Menge Boutiquen, Parfümerien, Juweliere, Kleinmöbel - es gibt nichts, was man hier nicht findet. Zwischen den Läden gruppieren sich Tische und Stühle kleiner Kneipen und Straßencafés, die fast alle bis auf den letzten Stuhl besetzt sind. Wir entgehen dem Trubel und biegen in einer der zahlreichen Nebenstraßen ab, wo kaum ein Mensch unterwegs ist und wir durch halb geöffnete Tore in wunderschöne Hinterhöfe spicken.

Made in Home
19:30

In dem kleinen Restaurant im bunten Vintage-Stil stehen bulgarische Klassiker auf der Karte, die mit Zutaten aus lokalem biologischen Anbau zubereitet werden. Vieles gibt es auch in der vegetarischen und veganen Variante. Besonders lecker ist die hausgemachte Limonade.

(ul. Angel Kanchev 30 a, Mo 11-21 Uhr, Di-Sa 11-22:30 Uhr, So 11-22 Uhr).

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Statuen aus der sozialistischen Ära begegnen einem überall in der Stadt.

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