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Cannes - mehr als nur Filmfestspiele

08/05/2017 19:11 CEST | Aktualisiert 08/05/2017 19:11 CEST

Es ist noch nicht einmal 9 Uhr, aber die Sonne brennt schon heiß vom strahlend blauen Himmel, als ich die palmengesäumte Promenade La Croisette entlang schlendere. An den kleinen Stränden links von mir herrscht noch gähnende Leere. In der Bucht schaukeln eindrucksvolle Yachten, eine prachtvoller als die andere.

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Ich verlasse die Flaniermeile und überquere den Boulevard de la Croisette dort, wo die Statue von Lord Brougham über einem Brunnen thront.

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„Hätte man 1834 den ehemaligen Schatzkanzler Lord Henry Brougham und seine Frau Mary wegen einer Quarantäneverordnung gegen die aus Südfrankreich drohende Cholera von der Weiterreise nach Italien nicht abgehalten, wären sie nicht in Cannes hängengeblieben und hätten den Ort zu dem gemacht, was er heute ist", sagt ein Tourguide zu einer Gruppe britischer Touristen, die sich um das Denkmal scharen. Der Lord verliebte sich in den kleinen Fischerort, ließ sich eine Villa im italienischen Stil errichten (Villa Éléonore-Louise), der englische Adel und Geldadel folgte dem Trendsetter, und noch vor 1900 wimmelte es von Grand Hotels und prachtvollen Villen, und die Einwohnerzahl des ehemals unbedeutenden kleinen Städtchens war von 4000 auf 20.000 gestiegen. Henry Brougham gilt als der Gründer von Cannes. Heute hat die Stadt knapp 74.000 Einwohner.

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Le Suquet - Altstadt mit Aussicht

Über die Rue du Mont Chevalier steige ich in das Altstadviertel Le Suquet hinauf. Das kleine Sträßchen ist ganz schön steil, und ich bin außer Atem, als ich auf dem Hügel ankomme.

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Von der Aussichtsplattform hinter der Kirche Notre-Dame de l'Espérance habe ich einen herrlichen Blick über die Bucht und die gegenüberliegenden Iles de Lérins.

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Übertroffen wird die Aussicht allerdings vom 22 m hohen mittelalterlichen Wachturm Tour du Suquet, der mir eine traumhafte Sicht über die Dächer von Cannes, den Kirchturm, den Hafen und das Mittelmeer beschert. Beim Hafen liegt das Palais des Festivals et des Congrès, wo im Mai die Filmfestspiele stattfinden.

Socca auf dem Marché Forville

In der Markthalle aus dem Jahr 1870 am Rande der Altstadt bieten rund 80 Händler Obst, Gemüse, Fisch und Meeresfrüchte, Bioprodukte und allerlei Leckereien an. Mich zieht es zum Socca-Bäcker und seinen leckeren Fladen hin. Das einstige Arme-Leute-Essen, das ursprünglich aus Genua stammt und nur aus den drei Zutaten Kichererbsenmehl, Wasser und Olivenöl besteht, wird heiß vom Blech gegessen und schmeckt super lecker.

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Der Weg zum Markt lohnt sich allein wegen der Socca-Fladen!

In der parallel verlaufenden schmalen Fußgängerzone Rue Meynardier reiht sich ein Laden an den anderen, in der Rue St. Antoine, der „Fressgass" von Cannes, ein Restaurant ans andere. Es geht auf Mittag zu, und die Außentische sind bereits gedeckt.

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Idylle auf der Ile St. Marguerite

Vom Hafen aus nehme ich die Fähre zu der kleinen Insel St. Marguerite, die in Sichtweite von Cannes liegt. Die Fahrt dauert nur 15 Minuten. Ob ich es schaffe, die nur 3 km lange und 900 m breite Insel in zwei bis drei Stunden zu umrunden? Mit mir sind ein paar Amerikaner auf dem Boot, die nur ein Ziel haben: das Fort Royal aus dem 16. Jh., einst Staatsgefängnis, dessen berühmtester Insasse elf Jahre lang der Mann mit der eisernen Maske war. Seit Leonardo di Caprio 1998 den legendären Gefangenen im gleichnamigen Film spielte, strömen seine Landsmänner zum Fort hinauf - mehr als die berühmte Zelle schauen sie sich auf der Insel allerdings nicht an.

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Von der Terrasse des Forts bietet sich mir ein grandioser Blick auf Cannes - Lärm an der Croisette, Ruhe und Idylle pur auf der Insel.

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Vom Fort aus folge ich einem ausgeschilderten Pfad durch Pinien- und Eukalyptuswälder. Unter dem Schatten der Bäume ist es angenehm kühl. Kaum ein Mensch ist unterwegs - in über zwei Stunden treffe ich auf nur zwei Wanderer.

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Am Etang du Batéguier, dem idyllischsten Ort der Insel, befindet sich eine Vogelwarte. Auf dem Inselchen in dem kleinen Teich nisten zahlreiche Zugvögel. Ich verweile ein paar Minuten auf einer Bank und gehe dann an der Küste entlang, vorbei an Sonnenanbetern zum Bootsanleger zurück, wo sich vor der Fähre bereits eine Menschenschlange angesammelt hat.

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Walk of Fame

Das Palais des Festivals et des Congrès, der Filmfestival-Palast, ist ein klotziger Bau, der irgendwie nicht ins Bild der Umgebung passt und so gar nicht von Glanz und Glamour zeugt. In Cannes wird das Gebäude auch „der Bunker" (le bunker) genannt.

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Copyright: Côte d'Azur Tourisme

Vor dem Gebäude liegt die „Allée des Etoiles" (das Pendant zum Hollywood Walk of Fame), auf der über 150 Filmstars ihre Handabdrücke in Betonplatten hinterlassen haben. Der ursprüngliche Festivalpalast „Palais Croisette" stand dort, wo heute das Hotel Palais Stéphanie (Marriott-Gruppe) steht.

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Von der Inselumrundung müde, lasse ich mich in einem der zahlreichen Strandrestaurants an der Croisette zu Espresso und Zitronen-Sorbet nieder. Im Gegensatz zum Morgen ist nun fast jeder freie Meter Strand belegt.

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Restaurant-Tipp: Le Relais des Semailles, 9-12 Rue Saint Antoine. Gehobene südfranzösische Küche mit Wohnzimmerflair, exzellente Weinkarte!

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Die Autorin war auf Einladung von Côte d'Azur Tourisme in Cannes.

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