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24 Stunden Lissabon

06/08/2015 12:05 CEST | Aktualisiert 06/08/2016 11:12 CEST

Wohin zuerst? Zum Castelo de São Jorge

9.00 Uhr

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Blick vom Castelo auf Lissabon

Die über 1.000 Jahre alte Festungsanlage thront unübersehbar über dem Tejo und den Dächern der Stadt. Da ich keine Lust habe, den steilen Burgberg zu Fuß zu erklimmen, leiste ich mir ein Tuk-Tuk. Über 400 dieser dreirädrigen motorisierten Piaggio-Rikschas soll es in Lissabon geben. Holprig und rasant geht es durch enge kopfsteingepflasterte Gassen hinauf zur Festung.

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Oben angekommen, bietet sich mir auf rund 6.000 Quadratmetern ein grandioses Rundumpanorama über Lissabon, den Tejo und die gigantische Christus-Statue auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses. Für Erstbesucher der ideale Einstieg in die Stadt.

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(Wo? R. de Santa Cruz do Castelo, tgl. 9-21 Uhr (März-Okt), 9-18 Uhr (Nov-Feb). Tuk-Tuk 15 Euro).

Miradouro de Santa Luzia

10.00 Uhr

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Auf dem Weg von der Festung hinunter in die Baixa (Unterstadt) komme ich an der Aussichtsterrasse Santa Luzia vorbei, von der ich einen überwältigenden Blick über die Kathedrale, den Tejo, das Dächermeer und das Gassengewirr der Alfama habe.

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Unterwegs trinke ich einen Espresso im Café Pit in der Rua Augusto Rosa 19, das von Manuel, einem ehemaligen Journalisten betrieben wird.

Praça do Comércio

10.30 Uhr

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Durch den Triumphbogen „Arco da Rua Augusta" betrete ich den „Handelsplatz". Die gelben Gebäude mit Arkadengängen rings um den Platz sind in der Form eines U's angeordnet, das sich zum Tejo hin öffnet. Der Platz war im 18. und 19. Jahrhundert Knotenpunkt des Handels.

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In der Mitte des Platzes steht das Reiterstandbild von König José I., auf den Treppenstufen zu dessen Füßen sitzen Straßenmusiker und in ihre Smartphones vertiefte Touristen. Am Tejoufer tummeln sich Jogger und Biker.

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Mosteiro dos Jerónimos - Hieronymuskloster

11.00 Uhr

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Mit dem Tuk-Tuk geht es am Tejo entlang nach Belém. Prunkstück ist das monumentale, fast 27.000 Quadratmeter große Kloster, dessen Bau 1501 begann und erst 100 Jahre später fertig gestellt wurde. Während des großen Erdbebens 1755 wurde der Stadtteil Belém weitgehend verschont, weshalb er bald zum begehrten Wohnsitz von Adligen und Reichen wurde.

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Das Kloster war bis zum frühen 18. Jahrhundert Grabstätte der portugiesischen Königsfamilie, zudem befinden sich hier die Sarkophage des Seefahrers Vasco da Gama sowie der Dichter Fernando Pessoa und Luís de Camões. Höhepunkt ist der doppelstöckige Kreuzgang, der mit seinen prunkvollen Verzierungen als einer der schönsten der Welt gilt.

(Wo? Praça do Império, Mai-Sept Di-So 10-18.30 Uhr, von Okt bis April 10-17.30 Uhr).

Padrão dos Descobrimentos

12.00 Uhr

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Auf der gegenüberliegenden Seite des Klosters, an der Avenida Brasília, ragt das gigantische Denkmal der Entdeckungen 50 Meter in die Höhe. Dargestellt sind 33 Persönlichkeiten aus dem Zeitalter der Entdeckungen (15.-18. Jah.), allen voran Dom Henrique de Avis (Prinz Heinrich, der Seefahrer), Initiator der portugiesischen Entdeckungsreisen, dahinter weitere berühmte Seefahrer, Schriftsteller und Forscher.

Auf dem Boden vor dem Denkmal befindet sich ein riesiges Marmormosaik, das eine Weltkarte mit den ehemaligen portugiesischen Kolonien zeigt. Vor dem Fahrstuhl hinauf zur Aussichtsterrasse steht eine lange Schlange, deshalb verzichte ich auf die Aussicht.

(Wo? Av. Brasília, Aussichtsterrasse März-Sept tgl. 10-19 Uhr, Okt-Feb Di-So 10-18 Uhr).

Torre de Belém

12.30 Uhr

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Der schmucke Wehrturm aus dem frühen 16. Jahrhundert steht im Wasser, nicht weit vom Denkmal. Über einen Steg gelange ich ins Innere des Turms, wo sich mehrere Kanonen befinden. Ich steige die engen Treppen zur Aussichtsplattform hinauf. Auf 35 Metern Höhe habe ich eine grandiose Sicht auf die Segelboote auf dem Tejo und die umliegenden Stadtviertel. Wahrscheinlich dieselbe Sicht, die ich von der Aussichtsterrasse des Denkmals gehabt hätte, wäre ich hinauf gefahren.

(Wo? Avenida Brasília, Mai-Sept tgl. 10-18.30 Uhr, Okt-Apr 10-17.30 Uhr).

Lunch in der Detox Lounge

13.30 Uhr

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Ich fahre mit dem Bus ins Zentrum zurück und mit dem berühmten Elevador de Santa Justa hinauf zum Largo do Carmo Platz im Altstadtviertel Chiado. Gegenüber des Platzes befindet sich das kleine Restaurant Detox Lounge, das mir die Tuk-Tuk-Fahrerin am Morgen empfohlen hatte.

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Largo do Carmo

In dem Gebäude, in dem sich das Restaurant befindet, lebte einst für kurze Zeit der Schriftsteller Fernando Pesssoa, weshalb sich im Erdgeschoss ein Laden mit Büchern, Gemälden u.a. von und über Pessoa befindet. Die Detox Lounge im ersten Stock vermittelt Wohnzimmeratmosphäre. Auf dem Balkon steht Pessoa aus schwarzem Draht und blickt über den Platz.

(Wo? Rua da Trindade 1, tgl. 10-19.30 Uhr, Sa und So 11-19.30 Uhr)

Tuk-Tuk-Tour

15.00 Uhr

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Da mir das Tuk-Tuk-Fahren am Morgen so viel Spaß gemacht hat, habe ich mit Tania, der Fahrerin, eine dreistündige Tour durch die Altstadtviertel ausgemacht. Unterwegs erzählt mir die studierte Mathematikerin alles Wissenswerte zur Geschichte Lissabons, das Wichtigste über die bekanntesten Schriftsteller, Maler und Architekten.

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Sie kennt ihre Stadt in- und auswendig, und ich sehe Plätze und Gebäude abseits der üblichen Sightseeing-Routen, wie zum Beispiel das festungsähnliche Wasser-Reservoir Mãe d`Água das Amoreiras aus dem Jahr 1746, an dessen Mauern sich die ältesten Azulejos (Kachelmosaike) befinden, Parks, in die sich kaum ein Tourist verirrt, das Museum am Praça das Amoreiras, das der Malerin Maria Helena Vieira da Silva gewidmet ist oder das Kulturhaus Casa Alentejo in der Rua das Portas de Santo Antão 58. Von außen sieht es unscheinbar aus, aber sobald man durch die Tür tritt, befindet man sich in einer Welt aus Tausendundeiner Nacht.

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Tania, die Tuk-Tuk-Fahrerin

Die drei Stunden vergehen im Nu, ich habe längst nicht alles gesehen, aber eine vierte Stunde lässt mein Budget nicht zu.

Abendessen im „In Bocca Al Lupo"

19.30 Uhr

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In Bocca Al Lupo ist italienisch und bedeutet „Hals- und Beinbruch" - ein seltsamer Name für ein Restaurant. Die Gourmet-Pizzeria und Trattoria serviert nur Produkte aus biologischem Anbau und hat zudem eine große Auswahl an vegetarischen und veganen Gerichten. Vorspeise, Pizza und Nachtisch schmecken hervorragend - das Restaurant liegt etwas abseits im Bairro Alto, ist aber ein echter Geheimtipp!

(Wo? Rua Manuel Bernardes 5a, Mi-So 19.30-23.30 Uhr, Mo und Di geschlossen).

Café a Brasileira

21.30 Uhr

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Das über 100 Jahre alte Kaffeehaus war einst wichtigster Treffpunkt von Portugals berühmtesten Künstlern und Literaten. An der Bar stehen Einheimische - Nachtschwärmer, die sich auf einen Espresso treffen. „Nur Touristen sitzen an Tischen", hatte mir Tania mittags erklärt. Der Espresso im Stehen ist billiger.

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Vor dem Café findet das Nachtleben statt - Straßenmusiker spielen Sambarhythmen, eine Gruppe junger Brasilianer tanzt dazu. Danach spielt eine Rockband. Ein kostenloses Open-Air-Konzert mit Tanz - was will man mehr.

(Wo? Rua Garrett 120, tgl. 8.00 bis 2 Uhr nachts).

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Elevador de Santa Justa

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