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Risiko Pille - was taugen die Alternativen?

05/01/2016 14:30 CET | Aktualisiert 05/01/2017 11:12 CET
Thinkstock

Die neuen Anti-Baby-Pillen sind umstritten. Nach Bekanntwerden der Klage einer 31-jährigen Frau gegen den Pharmakonzern Bayer sind die Gemüter erhitzt. Lungenembolie nach der Einnahme der ‚Pille' - ein Risiko, das immer mehr ins öffentliche Bewusstsein rückt. Aber welche Möglichkeiten der Verhütung haben Frauen heutzutage eigentlich?

Mit einem Pearl-Index von 0,2 ist die Pille eine der sichersten Verhütungsmethoden überhaupt. Mit Hormonen wird der natürliche Eisprung unterdrückt und die Menstruation gesteuert.

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Ein ganz besonderer Hormoncocktail ist die Drei-Monats-Spritze. Hier bekommt der Körper so viele Hormone auf einmal zugeführt, dass er zwölf Wochen damit beschäftigt ist, diese Dosis wieder abzubauen. In diesem Zeitraum kann die Frau nicht schwanger werden, da der gesamte Fortpflanzungsapparat im Körper stillgelegt wird.

„Dramatisch wird es, wenn diese Form der Verhütung zu lange angewandt wird. Die starke Konzentration an Hormonen kann dafür sorgen, dass der Körper seinen Zyklus ganz verlernt und die Frau nicht mehr in der Lage ist, schwanger zu werden", sagt der Leipziger Reproduktionsmediziner Prof. Henry Alexander.

Hormone können zur Belastungsprobe für Beziehungen werden

Egal, wie die Zusammensetzung ist - die Patientinnen müssen die zugeführten Hormone auch vertragen. Manche Frauen reagieren schon auf die geringste Menge mit Gewichtszunahme, Hautveränderungen oder Stimmungsschwankungen. Hormone können dann zu einer Belastungsprobe für Beziehungen und Familien werden - Weinkrämpfe, Wutausbrüche oder Migräne sind nicht selten die Folge.

Dass Hormone einen so großen Einfluss auf unseren Körper haben können, wird uns häufig erst bewusst, wenn wir uns diesem einmal über einen längeren Zeitraum nicht mehr aussetzen.

Bei Frauen ab 25 ist inzwischen eine deutliche Tendenz zu erkennen. Vielen, die mit ihrer Ausbildung fertig sind, einen festen Partner haben und sich langsam an das Thema Baby herantasten, drängt sich immer mehr der Gedanke auf, dass sie nach Jahren der hormonellen Fremdsteuerung gar nicht wissen, wie ihr eigener Körper eigentlich tickt.

Glaubt man der Schulmedizin, arbeitet unser Körper wie eine Zeitschaltuhr - in der Theorie: Der Zyklus dauert 28 bis 33 Tage und der Eisprung findet immer in der Zyklusmitte statt. 70 Prozent aller Frauen folgen allerdings nicht diesem Standard, sondern haben kürzere oder bedeutend längere Zyklen.

Der Eisprung erfolgt nicht immer in der Zyklusmitte

Auch dass man seine Regel bekommt, bedeutet noch lange nicht, dass der Eisprung auch tatsächlich stattfindet. Und vor allem: Der Eisprung erfolgt nicht immer in der Zyklusmitte. Sein Zeitpunkt bleibt ein ewiges Rätsel, das bislang auch der Frauenarzt nur ungefähr per Ultraschall lösen konnte. Verhütung oder Familienplanung nach diesen allgemeinen Durchschnittswerten bleibt also ein Ratespiel.

Inzwischen gibt es verschiedene Ansätze, den Eisprung zuzulassen und trotzdem zu verhüten. Mit ein wenig Übung reicht zum Beispiel die Temperaturmethode, bei der morgens vor dem Aufstehen die Körpertemperatur gemessen wird, an den Pearl-Index der Pille heran.

Sehr populär sind aber auch Produkte, mit denen man die Konzentration vom Eisprung auslösenden LH-Hormon im Urin nachweisen kann. Das Problem: Diese Tests sind nicht immer zuverlässig. Denn auch wenn der LH-Spiegel steigt, bedeutet das nicht, dass unbedingt ein Eisprung stattfindet.

Der neueste Schrei sind Eisprung-Apps auf dem Handy. Aber auch diese gehen meist davon aus, dass der Eisprung in der Zyklusmitte stattfindet, was bei vielen Frauen zwar stimmt, aber lange nicht bei allen.

Viele Frauen greifen inzwischen zu Bleistift und Fieberthermometer

Eine altbewährte Methode ist es, die Temperatur zu messen. Viele Frauen greifen inzwischen zu Bleistift und Fieberthermometer und beobachten ihren Körper ganz genau. Doch auch hier gibt es wieder Haken und Ösen, denn es erfordert nicht nur Durchhaltevermögen und Disziplin, monatelang jeden Morgen um die gleiche Zeit die eigene Temperatur zu messen.

Es gibt auch neue Studien, die widerlegen, dass die Körperkerntemperatur in den Morgenstunden vor dem Aufstehen am niedrigsten ist. Der Minimalwert der Körperkerntemperatur liegt häufig viel früher - teilweise mitten in der Nacht. Außerdem kann er Schwankungen unterliegen.

Anhand eines Cyclofertilogramms (CFG) ist es jeder Frau heute möglich, genaue Aussagen über den eigenen Eisprung zu treffen. Hierfür wird ebenfalls die Körperkerntemperatur als Biomarker genutzt. Etwa hat Prof. Henry Alexander den OvulaRing erfunden, einen Biosensor, der von der Frau im Körperinnern getragen wird und alle fünf Minuten 24 Stunden am Tag die Körperkerntemperatur misst.

Der Messring mit dem integrierten Temperatursensor wird von der Patientin vaginal eingeführt. Ausgelesen werden die Daten mit einem speziellen Lesegerät, das an die USB-Schnittstelle des heimischen Computers angeschlossen wird. Eine webbasierte Software erstellt ein CFG, ein Algorithmus errechnet den Tag des Eisprungs für künftige Zyklen.

Der OvulaRing ist ein zertifiziertes Medizinprodukt und europaweit zugelassen. „Mit diesem Scan des eigenen Zyklus weiß nicht nur die Frau selbst Bescheid, wann ihr Eisprung ist, auch der behandelnde Gynäkologe sieht genau, wie es zum Beispiel um die Zyklusgesundheit der Frau steht. Die Fehlerquote geht aufgrund der vielen Messpunkte gegen null", so der Reproduktionsmediziner, "so kann die Frau einfach, sicher und trotzdem ohne Risiko verhüten."

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