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Wie wir in 6 Tagen eine Notunterkunft für Flüchtlinge eröffneten

20/02/2016 16:55 CET | Aktualisiert 20/02/2017 11:12 CET
dpa

Stellen Sie sich vor, Sie haben sechs Tage Zeit, um einen Übernachtungsbetrieb mit Vollverpflegung für rund 300 Menschen einzurichten. Das geht. Wir haben es geschafft. Am 22. September haben wir im Berliner Stadtteil Marzahn unsere erste Notunterkunft für Flüchtlinge eröffnet. Dafür mussten wir ein leerstehendes Bürogebäude herrichten. Wir, das ist die Volkssolidarität Berlin, ein Sozial- und Wohlfahrtsverband in Berlin mit rund 1.500 Beschäftigten. Uns gibt es seit 70 Jahren, wir betreiben Kitas, Kieztreffs, Pflegeheime und viele andere Projekte und Einrichtungen in der Hauptstadt.

Im September 2015 suchte das für die Unterbringung von Flüchtlingen verantwortliche Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) mit großem Druck Träger für Flüchtlingsunterkünfte. Also bekamen wir sehr schnell vom LAGeSo den Zuschlag als Betreiber für die Notunterkunft in dem Bürogebäude, als wir uns meldeten.

Was muss man in sechs Tagen machen, bis die ersten Flüchtlinge eintreffen? Wirklich eine ganze Menge. Dafür verwandelte sich das beauftragte Team bei uns in eine Logistik-Zentrale. Wir ließen das Gebäude reinigen, bestellten Duschcontainer und Außentoiletten und ließen Laminat über Teppichböden verlegen.

Die Qualität des Trinkwassers und der Brandschutz wurden geprüft. Wir besorgten Bettwäsche, Handtücher und Möbel, beauftragten einen Dienstleister mit der Vollverpflegung und packten fast 300 Willkommenspakete mit Hygieneartikeln. Tagelang waren Privatautos und Transporter unseres Tochterunternehmens Wuhletal gGmbH in der Stadt unterwegs, um alles Notwendige zu besorgen.

Mehr als 150 Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer arbeiteten unermüdlich an unserer Seite daran mit, ein vorübergehendes Zuhause für Menschen in Not herzurichten. Ohne freiwillige Helferinnen und Helfer geht so ein Kraftakt auch gar nicht, nicht bei uns und nicht bei anderen. Ihnen gebührt unser größter, aufrichtiger Dank. Am späten Abend des 22. September stiegen dann die ersten Flüchtlinge erschöpft und gleichzeitig neugierig aus den Bussen. Wir haben sie bis in die späte Nacht hinein registriert und sie auf die verfügbaren Zimmer mit bis zu 14 Betten verteilt.

Für sie war es ein bisschen Ankommen. Für uns war es der Beginn eines Engagements, das wir seitdem ordentlich ausgebaut haben. Heute betreiben wir vier Notunterkünfte und betreuen rund 1.000 geflüchtete Menschen. Und heute wissen wir: Man kann eine Notunterkunft für Flüchtlinge auch in vier Stunden eröffnen. Aber dazu mehr im nächsten Blogbeitrag.

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