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Jetzt geht es abwärts an den Aktienmärkten

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Die aktuelle Lage an den Aktienmärkten - und darüber hinaus auch im Finanzsystem und in der Weltwirtschaft - gleicht der Situation der Jahre 2000 und 2007 auf frappierende Weise:

  • Alle bewährten Kennzahlen der Fundamentalanalyse zeigen eine sehr deutliche Überbewertung der US-Weltleitbörse an, eine Spekulationsblase.
  • Die Stimmungsindikatoren spiegeln seit vielen Monaten extreme Sorglosigkeit und Euphorie wider.
  • Spekulative Exzesse finden bei Neuemissionen und an den Märkten für hochriskante Anleihen statt.
  • In den USA wurde längst eine geldpolitische Wende vollzogen. Im laufenden Zyklus geschah dies durch die schrittweise Reduzierung der Fed-Anleihenkäufe, die inzwischen sogar beendet wurden, während es in den beiden früheren Zyklen noch simple Zinserhöhungen waren.
  • Die Markttechnik hat eine ausgeprägte Verschlechterung erfahren mit zahlreichen negativen Divergenzen sowohl direkt an den Aktienmärkten als auch bei Kennzahlen aus anderen Bereichen.
  • Schließlich sind weltweit zahlreiche Indizes aus wohlgeformten Topformationen nach unten ausgebrochen. Damit haben sie klare charttechnische Baissesignale gegeben.
Diese charttechnischen Baissesignale wollen wir uns etwas näher anschauen und dabei in einen historischen Kontext einordnen.


Topformationen leiten Baissen, Rezessionen und Krisen ein

Die Topformationen der Jahre 2000 und 2007 leiteten zyklische Baissen, Rezessionen und Finanzkrisen ein. Diese Abschwünge dauerten viele Monate, in denen sich der Weltleitindex S&P 500 mehr als halbierte. Riskantere Indizes wie der DAX oder der NASDAQ Composite erlitten sogar deutlich höhere Verluste. Ich sehe absolut keinen Grund zu der Annahme, dass es diesmal anders kommen wird.

Das Einzige, was die aktuelle Spekulationsblase bisher - und sehr viel länger als von mir erwartet - zusammengehalten hat, ist der absurde Glaube an die Allmacht der Zentralbankbürokraten. Im laufenden Zyklus ist es vor allem der Glaube, dass moderne Zentralbanker fallende Aktienkurse und Rezessionen dauerhaft verhindern könnten.

Dieser Glaube ist ebenso absurd wie die einst so populäre Behauptung, Immobilienpreise könnten nicht fallen. Eine Variation dieser lächerlichen Behauptung kann man unter Verwendung des zwar populären, aber strohdummen Unworts „alternativlos" inzwischen übrigens immer häufiger in Deutschland hören.

Damals die Immobilienpreise - heute die Aktienkurse

Wie auch immer dem sei, Tatsache ist, dass die Behauptung, Immobilienpreise könnten nicht fallen, im Jahr 2007 auch von den geldpolitischen „Koryphäen" Greenspan und Bernanke dahergeplappert wurde und dadurch in der öffentlichen Wahrnehmung eine zusätzliche Veredelung erfuhr. So konnte diese eigentlich ganz offensichtlich lächerliche Behauptung zum wichtigsten Glaubenssatz während des letzten Zyklus werden. Wohin dieser Glaube führte, ist inzwischen allgemein bekannt.

Jetzt sind es nicht die Immobilienpreise, sondern die Aktienkurse, die angeblich nicht mehr fallen können. Insgesamt hat der Zentralbank- und Gelddruckmaschinenkult in den vergangenen Jahren tatsächlich noch einmal an Popularität gewonnen. Trotz der Erfahrungen der vergangenen 15 Jahre, die von zwei gewaltigen Spekulationsblasen und den Folgen ihres Platzens geprägt waren, sind die falschen Götter Zentralbanken und ihre Hohepriester heute sogar noch beliebter als je zuvor.

Zentralbanker können das Platzen von Blasen nicht verhindern

Sowohl in 2001 als auch in 2007 versuchten die Zentralbanken das Platzen der Blasen zu verhindern, indem sie sehr frühzeitig mit geldpolitischen Lockerungen reagierten. Vergeblich. Die Dynamik der beginnenden Bereinigungs- und Anpassungskrisen erwies sich als stärker. Das wird auch dieses Mal nicht anders sein.

Zwar frohlocken die Bullen jetzt schon wieder aufgrund der jüngsten Aktienrally und der Äußerungen diverser US-Zentralbanker, die bereits neue geldpolitische Lockerungen in Aussicht gestellt haben. Aber auch das war am Beginn früherer zyklischer Baissen nicht anders. Ich sehe also überhaupt keinen Grund, die klaren Baissesignale der Aktienmärkte in Frage zu stellen. Auch nicht aus charttechnischen Überlegungen, was ich im Folgenden erläutern werde.

Wie sich die Kurven ähneln - Bearishe DAX-Formationen im Vergleich

Die sehr überzeugende Topformation des DAX und ihre bearishe Bedeutung habe ich in den vergangenen Wochen ausführlich besprochen. Der DAX hat von den 1.500 Punkten, die er seit Mitte September in der Spitze verloren hat, rund 800 Punkte wieder aufgeholt. Das sind immerhin gut 50%. Auch das ist vollkommen normal.

Als Faustregel gilt, dass zwischen 40% und 60% einer Kursbewegung im Rahmen der folgenden Gegenbewegung wieder wettgemacht werden. Der DAX liegt im Moment also im mittleren Bereich dieser normalen Spanne. Die Rally der vergangenen Tage lässt also ausdrücklich nicht den Schluss zu, dass hier schon wieder eine dauerhafte Trendwende nach oben stattgefunden hat.

DAX-Topformation des Jahres 2007 war weniger bedrohlich als die jetzige

Schauen wir uns zu Vergleichszwecken und zum besseren Verständnis des aktuellen Börsengeschehens die beiden DAX-Topformationen der Jahre 2007 und 2000 an. Die Topformation des Jahres 2007 war zwar bei weitem nicht so klar geschnitten und wohlproportioniert wie die des Jahres 2014, aber immer noch deutlich genug, um ernst genommen zu werden. Schließlich ist Charttechnik mehr Kunst als strenge Wissenschaft.

Damals fand der Ausbruch nach unten, also das Baissesignal, im Dezember 2007 statt. Die anschließende Gegenbewegung machte rund 35% der ersten Abwärtswelle wieder wett, bevor es dann erneut nach unten ging. Allerdings begann einen Monat später eine weitere Rally. In deren Verlauf ist der Index noch einmal bis an die Untergrenze der Topformation gestiegen - aus charttechnischer Sicht war das eine perfekte Gegenbewegung und ein idealer Punkt zum Eingehen von Short-Positionen.

Idealerweise steigt eine Aktie oder ein Index nach dem Ausbruch aus einer Topformation nicht wieder über die untere Begrenzungslinie der Formation. Diesen Idealfall erfüllte der DAX in 2007.

Auch die DAX-Topformation des Jahres 2000 war im Gegensatz zu heute kein Idealfall

Ein etwas anderes Bild zeigte sich im Jahr 2000. Die damalige Topformation ließ zunächst zeitlich etwas zu wünschen übrig. Mit einer Dauer von neun Monaten war sie eher am unteren Ende der üblichen Zeitspanne angesiedelt. Aber die Untergrenze der Formation war eindeutig bestimmt und damit klar.

Auch im Jahr 2000 folgten die Kurse nicht dem gerade genannten Idealfall. Stattdessen stieg der DAX nach dem klaren Ausbruch nach unten im Oktober/November 2000 noch einmal recht deutlich über die untere Begrenzungslinie der Formation.

Aus Sicht der Charttechnik war das natürlich alles andere als ideal, zumal der Index insgesamt rund einen Monat lang oberhalb der Nackenlinie notierte. Aus technischer Sicht gab allerdings die 200-Tage-Durchschnittslinie den entscheidenden Fingerzeig, wohin die Reise gehen würde: Dieser wichtige Trendfolgeindikator hatte inzwischen nach unten gedreht- genauso, wie es auch jetzt wieder der Fall ist.

Gehen Sie jetzt mindestens von einer Kurshalbierung aus

Diese Beispiele aus der Finanzgeschichte machen deutlich, wie prekär die aktuelle Lage ist. Auch wenn meine stets bullishen Kollegen schon wieder die „Jahresendrallye" bejubeln, gehe ich davon aus, dass wir uns mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Frühphase einer zyklischen Baisse befinden. Aufgrund der hohen Bewertung und der historischen Vorgaben darf sich niemand beschweren, wenn sich die Kurse von hier aus halbieren. Und selbst wenn sie sich nach einer Halbierung noch einmal halbieren sollten, würden sie sich noch immer im Rahmen historischer Vorgaben bewegen.

Dass Gold auch in diesem Umfeld steigen kann, lässt sich problemlos anhand historischer Beispiele zeigen. Auf sehr beeindruckende Weise war das in der Zeit von 2001 bis 2003 der Fall. Damals verloren die Aktienkurse gemessen am Weltleitindex S&P 500 rund 40%, während der Goldpreis gleichzeitig um mehr als 40% gestiegen ist.

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