BLOG

Eine offene Plattform fĂŒr kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Claus Vogt Headshot

Die Briten haben es bisher stets geschafft, auf der Gewinnerseite zu stehen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
FARAGE
Getty
Drucken

Liebe Leser,

bevor ich gleich zum eigentlichen Thema dieses Marktkommentars komme, möchte ich mit wenigen SĂ€tzen auf den Austritt Großbritanniens aus der EuropĂ€ischen Union eingehen. Im Vorfeld der britischen Volksabstimmung hat sich fast das gesamte politische Establishment zu Wort gemeldet, um das Abstimmungsergebnis in seinem Sinne zu beeinflussen.

Dabei wurden abstruse UntergangsĂ€ngste fĂŒr den Fall des Austritts geschĂŒrt - und von den deutschen Massenmedien flĂ€chendeckend weiterverbreitet, als wĂ€ren die Journalisten einer GehirnwĂ€sche unterzogen worden. Ich finde diese Strategie sehr befremdlich. Aber die Menschen werden sich an sie erinnern. Und wenn der prophezeite Untergang Großbritanniens jetzt doch nicht stattfinden sollte, wovon ich ĂŒberzeugt bin, dann haben die Eliten ein zusĂ€tzliches GlaubwĂŒrdigkeitsproblem mit großer politischer Sprengkraft.

Ich will hier nicht behaupten, die Folgen des Austritts Großbritanniens aus der EU zu kennen. Dazu ist die Welt der Wirtschaft einfach zu komplex und die KreativitĂ€t von Unternehmern viel zu hoch. Soviel wissen wir allerdings: Wohlstand wird von Unternehmern geschaffen und nicht vom Staat und seinen Zentralbanken. Politiker, BĂŒrokraten und Zentralbanker schaffen keinen Wohlstand, sie verteilen ihn nur um. Über diesen grundlegenden Zusammenhang sollten Sie sich bei allen politischen Diskussionen stets bewusst sein.

Aus ordnungspolitischer Sicht ist die Sachlage also eindeutig: Mehr Marktwirtschaft, also weniger Planwirtschaft, weniger Staat und weniger BĂŒrokratie sind der Weg zu mehr Wohlstand. Da der Austritt Großbritanniens aus der EU zu mehr Marktwirtschaft in Großbritannien fĂŒhrt, wird das Land von dieser Entscheidung profitieren.

Historisch gesehen haben es die Briten stets geschafft, auf der Gewinnerseite zu stehen. Dass sie jetzt die EU verlassen, ist ein richtungsweisendes Signal.

Gold schĂŒtzt Sie auch vor den weichgespĂŒlten Juristen des Bundesverfassungsgerichts

Wie nicht anders zu erwarten, haben die Richter des Bundesverfassungsgerichts die Anleihenkaufprogramme der EZB als rechtens erklÀrt. Die Details dieses Urteils kennen Sie bereits aus den Massenmedien, weshalb ich sie hier nicht wiederholen muss.

Bei diesem Urteil haben die Verfassungsrichter im Vergleich zu ihrem Vorlagebeschluss des Jahres 2014 eine geradezu peinliche Kehrtwende vollzogen und sich fast vollstĂ€ndig der Sichtweise des EuropĂ€ischen Gerichtshofs angeschlossen. Dass die Rechtsprechung des EuropĂ€ischen Gerichtshofs nicht objektiv sein kann, sondern stets im Sinne von mehr Machtbefugnissen fĂŒr EU-Institutionen ausfĂ€llt, kann niemanden verwundern. Oder erwarten Sie etwa von, sagen wir, einem passionierten Freier, dass er sich fĂŒr eine EinschrĂ€nkung der Prostitution stark macht? Wohl kaum.

Sogar dieses Urteil hat noch eine gute Seite: Sie wissen jetzt, woran Sie sind

Etwas Gutes hat aber sogar dieses Urteil des Bundesverfassungsgerichts: Jetzt wissen Sie definitiv, was Sie von zeitgenössischen deutschen Verfassungsrichtern erwarten dĂŒrfen. Diese lauwarmen Juristen werden sich wohl nie gegen den erklĂ€rten Willen der Machthaber stellen.

Damit ist die vielleicht letzte Chance auf eine „rechts- und regelgebundene EuropĂ€ische Wirtschafts- und WĂ€hrungsunion" vertan, wie es die FAZ in einem Editorial ausgedrĂŒckt hat.

Aber was bleibt, wenn die EU nicht rechts- und regelgebunden ist? Ein ĂŒber Recht und Gesetz stehender Machtkoloss, der nach GutdĂŒnken schalten und walten kann. Wohin diese Weichenstellung fĂŒhrt, können Sie in jedem Geschichtsbuch nachlesen: Es ist der Weg in die Knechtschaft. Seien Sie also auf der Hut - und kaufen Sie Gold zu Ihrem Schutz.

Unter die RÀuber gefallen: EuropÀische Draghödie nimmt ihren Lauf

Nachdem nun also klar ist, dass Draghi und Konsorten auch vom Bundesverfassungsgericht nicht mehr zurĂŒckgepfiffen werden und die EuropĂ€ische Draghödie weiter ihren Lauf nehmen wird, sollten Sie sich unbedingt mit der Geschichte der Geldentwertung vertraut machen. Denn diese Geschichte zeigt, wie gefĂ€hrlich das exzessive Spiel mit der Gelddruckmaschine ist.

Der renommierte Schweizer Professor Peter Bernholz hat im Jahr 2003 ein sehr wichtiges wirtschaftshistorisches Buch (Titel: „Monetary Regimes and Inflation") zum Thema Geldentwertung vorgelegt. Darin kommt er zu folgenden, auch fĂŒr Sie sehr wichtigen Ergebnissen:

  • „Das politische System tendiert dazu, Inflation zu favorisieren. Alle großen Inflationen wurden von Königen oder Regierungen verursacht."
  • „Hyperinflationen sind immer verursacht durch Defizite des Staatshaushalts, die ĂŒberwiegend durch Geldschöpfung finanziert werden."
  • „Notwendige Bedingungen zur Vermeidung von Inflation sind WĂ€hrungssysteme, die den Herrschern, Politikern und Regierungen die HĂ€nde binden."
Eindeutiger können die Ergebnisse einer wirtschaftshistorischen Betrachtung nicht ausfallen. Und klarer kann auf das sehr hohe Risiko einer kommenden (Hyper)-Inflation nicht hingewiesen werden. Denn die als „Quantitative Easing" oder „Outright Monetary Transactions" absichtlich mit unverstĂ€ndlichen Namen versehenen AnleihenkĂ€ufe der Zentralbanken sind nun einmal nichts anderes als Defizite des Staatshaushalts, die ĂŒberwiegend durch Geldschöpfung finanziert werden.

Die Verfassungsrichter hatten die Chance, der EZB ein paar Bedingungen zur Vermeidung von Inflation zu diktieren. Diese Chance haben sie klÀglich vergeben und sich stattdessen zu Komplizen verantwortungslos agierender Gelddrucker gemacht.

In unserer gerade erschienenen Krisensicher Investieren Themenschwerpunkt-Ausgabe „Wieviel kostet uns die FlĂŒchtlingskrise" zeigen wir Ihnen unter anderem, wie sehr die deutsche Staatsverschuldung steigen wird, sobald die nĂ€chste Rezession erfolgt. Bei den noch deutlich maroderen EU-Mitgliedsstaaten ist die Lage natĂŒrlich noch prekĂ€rer. Wer diesen nĂ€chsten großen Anstieg der Staatsverschuldung finanzieren wird, ist Ihnen hoffentlich klar: Mario Draghi und seine Gang der Wohlfahrtszerstörer.

Ich wĂŒnsche Ihnen ein hochsommerliches Wochenende.

Ihr

Claus Vogt

Chefredakteur Krisensicher Investieren

P.S.: Die Briten haben uns in puncto Demokratie wieder einmal eine Lehrstunde erteilt: Im Unterschied zu uns Deutschen darf die britische Bevölkerung selbstverstĂ€ndlich ĂŒber wichtige politische Weichenstellungen ihres Landes abstimmen.

2016-06-22-1466588952-5629450-HUFFPOST1.jpg
Mehr zum Thema Brexit findet ihr hier.

FinanzmÀrkten droht nach Brexit-Schock ein "Black Friday"