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Über 2 Millionen Bewerber für knapp 400 Jobs!

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In Indien liegt die Arbeitslosenquote bei Jugendlichen bei 50 Prozent.
Von Tsering Dolkar Kartsang, aus den SOS-Kinderdörfer in Indien

Für uns ist es hierzulande selbstverständlich, dass auf ein erfolgreich abgeschlossenes Hochschulstudium oder eine gute Ausbildung ein guter Job folgt. Für junge Menschen in anderen Ländern ist das ganz und gar nicht selbstverständlich. In Indien beispielsweise liegt die Jugendarbeitslosigkeit laut aktuellen Studien bei 50 Prozent.

Die jahrzehntelange Annahme, dass eine akademische Bildung vor Arbeitslosigkeit bewahrt, ist dort nicht mehr wahr. Zwar geben Mittelklasse-Familien in Indien noch immer 60 bis 70 Prozent ihres Einkommens für die Bildung ihrer Kinder aus, doch es fehlt anschließend an guten Jobs und die jungen Menschen kämen ohne die Unterstützung ihrer Eltern nicht über die Runden.

Welch absurde Ausmaße die Situation inzwischen angenommen hat, zeigt ein Bericht aus Uttar Pradesh, der landesweit durch die Medien ging und für Aufregung sorgte: In Uttar Pradesh, dem bevölkerungsreichsten Bundesstaat des Landes, hatte die Regierung 368 unqualifizierte Jobs ausgeschrieben. Die Kandidaten sollten eine Schulausbildung mitbringen und Fahrradfahren können, mehr nicht.

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Die Aussicht auf einen Job beim Staat und ein sicheres Einkommen war offensichtlich äußerst attraktiv: Es bewarben sich 2,3 Millionen (!) junge Menschen um die 368 Jobs.

Unter den Bewerbern waren 25 000 mit einem Masterabschluss, eineinhalb Millionen mit einem Hochschulabschluss, manche hatten ein abgeschlossenes Medizin- oder Ingenieursstudium absolviert. Sie alle wollten einen der Jobs haben, in dem sie lediglich Unterlagen von einem Büro zum anderen bringen und Tee oder Wasser servieren sollten.

Jeder zweite Jugendliche weltweit ist arm

Der Staat sah sich mit dem Problem konfrontiert, das Bewerbungsverfahren logistisch zu bewältigen. Würden alle Kandidaten vorsprechen, würde dies vier Jahre dauern!
Und das Problem der Jugendarbeitslosigkeit und -Armut betrifft nicht nur Indien: „Jeder zweite Jugendliche auf der Welt muss mit maximal zwei bis drei US-Dollar am Tag auskommen", erklärt Dr. Wilfried Vyslozil, Vorstandsvorsitzender der SOS-Kinderdörfer weltweit.

Besonders in Entwicklungsländern verdienen selbst gut qualifizierte Jugendliche so wenig, dass es kaum zum Überleben reicht. Deshalb appellieren wir an die deutsche Wirtschaft und die Bundesregierung, einen Beschäftigungspakt für Jugendliche vor allem in sehr armen Staaten zu schließen und das Thema auch auf EU-Ebene auf die Agenda zu setzen."

Petition für Jugendliche

Daher haben die SOS-Kinderdörfer weltweit eine Petition für einen Ausbildungs- und Beschäftigungspakt auf www.sos-petition.de gestartet. Ziele des Paktes sind die Vermittlung von Grundkompetenzen, modernen Technologien und Softskills, die junge Menschen für die Bedürfnisse der lokalen Arbeitsmärkte qualifizieren. Dabei sollen vor allem Mädchen und junge Frauen bessere Bildungsmöglichkeiten erhalten. Junge Menschen brauchen sichere Jobs und angemessene Bezahlung!

Unterstützen Sie den Appell der SOS-Kinderdörfer an die Bundesregierung und die deutsche Wirtschaft: Die Hilfsorganisation ruft auf zu einem gemeinsamen Ausbildungs- und Beschäftigungspakt für Jugendliche weltweit!

Bitte unterschreiben Sie auf www.sos-petition.de

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