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Griechische Familien sind verzweifelt: Immer mehr Kinder in den SOS-Kinderdörfern

03/07/2015 16:15 CEST | Aktualisiert 03/07/2016 11:12 CEST

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Das SOS-Kinderdorf in Saloniki

Der Grexit ist seit dem Wochenende kein Gedankenspiel mehr. Für Griechenland wird der Austritt aus der EU Realität. Aber wie sieht die Realität in einem Land aus, das seit zehn Jahren nahe am Abgrund steht?

"Es wird einen Zusammenbruch in Griechenland geben"

"Die soziale Not in Griechenland wird sich drastisch verschlimmern", meint George Protopapas, Leiter 2015-07-02-1435844172-1153440-protopapassoskinderdoerfe.jpg

der SOS-Kinderdörfer in Griechenland. "Ich befürchte für die Familien das Schlimmste. Noch mehr Menschen werden ihre Arbeit verlieren. Ein Grexit wird meiner Meinung nach die Wirtschaft in Griechenland wieder auf den Stand der 60er Jahre katapultieren. Die staatliche Sozialhilfe wird zusammenbrechen. Es wird Massenarbeitslosigkeit geben. Ich denke, es wird ähnlich sein wie in manchen osteuropäischen Ländern in den Jahren nach dem Zusammenbruch des Kommunismus."

Familien zerbrechen an Überlastung

Das bedeutet, dass noch mehr Eltern vor den Toren der SOS-Kinderdörfer stehen, um dort ihre Kinder abzugeben. Wie verzweifelt müssen Eltern sein, die ihre Kinder lieber einer Institution anvertrauen, wie sie sie selbst nicht mehr durchbringen können? Und das in Europa im 21. Jahrhundert.

Und es wird noch schlimmer kommen. Seit Tagen sehen wir die Bilder: Schlangen vor den Geldautomaten, von den Lebensmittelgeschäften. Dazu kommt das, was die Bilder nicht zeigen: Langzeitarbeitslosigkeit, steigende Gewalt, Familien zerbrechen an Armut und Überlastung. Eltern wie Kinder verlieren jegliche Perspektive.

Tausende Eltern bringen Kinder zu SOS

"Immer mehr Familien suchen die Hilfe von SOS", so Protopapas. "Zurzeit unterstützen wir fünfzigmal so viele Familien wie vor der Krise. Es haben schon tausende Eltern bei uns angefragt, ob sie ihre Kinder in einem der Kinderdörfer in Obhut geben könnten. Viele Eltern haben einfach nicht mehr das Geld, um ordentlich für ihre Kinder zu sorgen. Manchmal fehlt sogar das Geld für Essen."

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Die kleine Nana wurde vor einem Jahr im SOS-Kinderdorf abgegeben: Ihre Mutter sah keine Chance mehr, sich und ihre Tochter durchzubringen.

Noch können die SOS-Kinderdörfer helfen: Mit Essensausgaben und Kleiderspenden werden Familien materiell unterstützt oder mit Nachmittags- und Hausaufgabenbetreuung für die Kinder, Psychotherapie für die ganze Familie. Und das, obwohl die Spenden eingebrochen sind

Spenden gehen drastisch zurück

"Woher sollen denn die Spenden kommen?" fragt Protopapas. "Viele Unternehmen sind Pleite gegangen. Die Arbeitslosigkeit ist gigantisch. Gerade im Bereich der privaten Spenden rechnen wir damit, dass 65 Prozent der Spenden wegfallen. Nun sind die Banken geschlossen.

Jeder kann nur 60 Euro abheben. Wenn man eine vier- oder fünfköpfige Familie ernähren muss, dann bleibt nicht mehr viel zum Spenden übrig. Die kleinen Spenden von Familien werden also völlig wegfallen. Aber gerade jetzt brauchen wir dringend Geld, um viele arme Familien zu unterstützen."

Mehr über die SOS-Kinderdörfer in Griechenland finden Sie hier:

SOS in Griechenland

Film über die SOS-Kinderdörfer auf Youtube:

Krise in Griechenland


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