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Boom, boom Taliban: Afghanische Flüchtlinge erzählen

18/09/2015 19:38 CEST | Aktualisiert 18/09/2016 11:12 CEST

Auf der schmalen Brücke über den Suva Reka in Mazedonien drängen sich hunderte Menschen. Sie alle setzen ihre Hoffnung auf ein paar Busse auf der anderen Seite der Brücke. Viel zu wenige für die Massen.

Die Busse fahren zur nördlichen Grenze Mazedoniens. Von dort geht es nach Bosnien und schließlich ins Paradies: Deutschland, Österreich, Frankreich, Schweden.

Auf der schmalen, schmutzigen Straße zum Flüchtlingscamp liegt eine Puppe. Ein Kind hat sie wohl in der Eile verloren. Wahrscheinlich hatte sie keine Zeit mehr sie aufzuheben - die Busse warten nicht.

Neben dem kleinen Bahnhof in der Nähe von Gevgelija befindet sich ein Flüchtlingslager. Am Bahnsteig sitzen und stehen Menschen aus aller Welt, bei 35 Grad. Die Polizisten erzählen mir, dass es immer wieder Raufereien gibt. Es gibt Gerangel um die freien Plätze in en Zügen.

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Eine Gruppe Frauen und Kinder sitzen im Schatten neben der Plattform. Als sie meine Kamera sehen, winken sie mich her. Mit meinen geringen Türkisch-Kenntnissen, versuche ich, ein Gespräch anzufangen.

Sie lachen über meine kläglichen Versuche, aber sie wollen mit mir sprechen. Die Gruppe kommt aus Afghanistan. „Mazar-i-Sharif", sagt eine der Frauen. Wie es da ist, frage ich. "Boom, boom jeden Tag. Taliban. Sehr schlimm." Ich frage, wie lange sie gelaufen sind. "Mehrere Monate", sagt die Frau.

Von Mazar-i-Sharif bis Gevgelija sind es über 5000 Kilometer. Vorbei am Kaspischen Meer, am Schwarzen Meer. Ein kleiner Junge kommt auf mich zu. Seine große Schwester ist ihm dicht auf den Fersen. Ich mache Fotos.

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Dann kommt ein junger Mann zu mir herüber, Asser. Er ist 19 und seit der zehnten Klasse nicht mehr zur Schule gegangen. Er konnte seinen Abschluss nicht machen: „Es ist zu gefährlich in die Schule zu gehen", erzählt er, „viele Kinder sterben auf dem Weg zur Schule, jeden Tag. Oder sie werden entführt."

Sein Englisch ist gut. Als ich ihn frage, wie er sich seinen Zukunft vorstellt, leuchten seine Augen: "Ich möchte meinen Schulabschluss machen. Und dann studieren. Ich möchte Arzt werden."

Bericht: Katerina Ilievska

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