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Hohe Belastung, wenig Anerkennung - was Streifenpolizisten leisten müssen

18/06/2017 11:52 CEST | Aktualisiert 18/06/2017 11:52 CEST
dpa

Immer wieder wird über die gefühlte Sicherheit diskutiert. Darüber, dass sie scheinbar gesunken wäre. Doch woran misst man diese gefühlte Sicherheit eigentlich?

Eine Studie belegt, dass die Deutschen sich sicher fühlen und der Polizei vertrauen. Eine weitere Studie wiederum sagt aus, dass die Präsenz der Polizei aber auch das Gefühl von Sicherheit minimieren kann. Aber wozu wird nun eigentlich der Streifendienst benötigt?

Amerikanische Filme lassen uns oft glauben, dass der Streifendienst nur aus Donut-Essen und Kaffee trinken besteht. Auch deutsche Filme werfen kein wesentlich besseres Bild auf diese Art des Polizeidienstes.

Das Fundament guter Polizeiarbeit ist und bleibt jedoch der leider oft schlechtgeredete Streifendienst. Er stellt höchste Anforderungen an die Beamten. Niemand weiß vor Schichtbeginn, was ihn erwartet. Ruhestörung, Diebstahl, häusliche Gewalt, Einbruch, Mord und auch Terrorlagen - das zu bewältigende Spektrum breit ist vielschichtig.

Ich hatte das Glück, einen umfangreichen Einblick in diesen abwechslungsreichen Alltag der Polizei zu erhalten. Mehrere Polizistinnen und Polizisten inklusive Hundestaffel durfte ich bei ihrer Nachtschicht in der Region Mannheim begleiten. Dabei war es mir wichtig, gerade in den Brennpunktbereichen unterwegs zu sein. Selbst ins Rotlichtviertel führte mich der Streifendienst.

Überstunden und hohe Belastung

Eines wurde mir dabei klar. Schnell wird aus einem harmlosen Routineeinsatz eine lebensgefährliche Situation. Umso wichtiger ist eine gut ausgebildete und geschulte Polizei, die über modernste Technik verfügt. Die Polizei in Baden-Württemberg wird oft dafür gelobt, dass sie mit dem schlankesten Apparat die besten Leistungen erzielt. Das mag schon richtig sein, allerdings stellt sich mir die Frage, zu welchem Preis.

Mehr zum Thema: "Zehn Millionen Überstunden": Wie die Überlastung der Polizei unsere Sicherheit gefährdet

Ein Blick auf die Überstundenkonten der Beamten zeigt, unter welcher massiven Belastung diese Leistung erbracht wird. Neben den alltäglichen Einsätzen kommen noch Sondereinsätze wie zum Beispiel bei Fußballspielen oder Demonstrationen hinzu.

Ein Problem, das nur durch mehr Personal zu lösen ist. Und da hilft es niemandem, wenn man sich die Belegung einer Schichtgruppe per Excel-Liste schönrechnet, wenn am Ende die so errechnete Zahl an Polizisten mit der Realität nicht übereinstimmt.

Polizei - das bedeutet Familie. Das wurde mir in dieser Nachtschicht klarer denn je. Jeder ist für den anderen da und man kann sich aufeinander verlassen. Jeder Einsatz fordert eine andere Herangehensweise, jeder Einsatz verlangt aufs Neue Fingerspitzengefühl. Trotz des harten, oft stressigen Dienstes bewahren Polizisten stets die Ruhe und setzen auf Deeskalation.

Diese Fähigkeit, in jeder Situation den "Reset"-Knopf zu drücken, ist bewundernswert. Und das trotz der oft fehlenden Wertschätzung. Denn auch ich konnte erleben, mit welcher Dreistigkeit und Ignoranz Passanten einfach einen Einsatzort betreten.

Veraltete Polizeireviere

Polizist zu sein ist kein Beruf, es ist Berufung. Ich würde mir wünschen, dass mehr Politiker sich einmal die Zeit nehmen und die Polizei bei ihrer wichtigen Arbeit begleiten. Das würde sicherlich die Einstellung vieler zu der Frage nach besserer Ausrüstung und Personalstärke ändern.

Und sie würden erkennen, wie wichtig es ist, auch für Polizisten eine angemessene Arbeitsumgebung zu schaffen. Denn der Zustand einiger Reviere ist mehr als fragwürdig. Und dabei wären gerade hier die nötigen Verbesserungen so leicht umsetzbar und würden recht schnell die harte Arbeit unserer Polizeikräfte etwas erleichtern.

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Die Bewertung der Polizeireviere ist vielerorts längst veraltet. Hier bedarf es einer dringenden Nachbesserung. Denn wenn wir Reviere weiterhin nach den "Sicherheitsplänen" von vor Jahrzehnten bewerten, müssen wir uns nicht wundern, dass unsere Sicherheitsorgane mancherorts an die Grenzen ihrer Ressourcen stoßen.

Die Fehler zu beheben, die in den vergangenen Jahren durch Polizeireformen gemacht wurden, wird eine Weile dauern. Was jedoch jeder von uns machen kann, ist, einem Polizisten beim nächsten Mal einfach freundlich zuzunicken und dankbar zu sein, dass es diese Menschen gibt.

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