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AfD-Aussteigerin: Bald wird auch die AfD für jedes Terror-Opfer zur Verantwortung gezogen

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AFD
dpa
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Wenn man wie ich die AfD verlassen hat, dann sorgt ein so grausames Unglück wie der Terroranschlag in Berlin sehr schnell dafür, dass sich Zweifel einstellen.

Hat man vielleicht doch falsch gelegen mit seiner Einschätzung, wenn kurz nach dem eigenen Austritt auf so dramatische Art und Weise der Beweis geführt wird, dass in der Flüchtlingspolitik der letzten Monate schwerwiegende Fehler gemacht wurden.

Doch es dauert nur kurze Zeit, bis die Zweifel verfliegen. Denn die ersten Reaktionen in den sozialen Netzwerken lassen nicht lange auf sich warten, auch aus den Reihen der AfD.

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Die Schuldigen sind schnell ermittelt

Die Richtung ist klar und die Schuldigen sind schnell ermittelt - Merkel und die Flüchtlinge. „Frau Merkel, es klebt Blut an Ihren Händen"- kann man lesen. Und damit der Visualisierung dieser Aussage auch noch Rechnung getragen wird, gibt Photoshop die passende Grafik her. Oder der Rechtsstaat muss herhalten und wird aufgefordert, endlich zurückzuschlagen.

Doch zurückschlagen heißt, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Eine Forderung also, die einem Rechtsstaat nicht würdig ist. Vor allem, wenn sie aus der Feder eines Juristen und Politikers stammt, der diesem Land eine Alternative bieten will.

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Wie schon im Fall der ermordeten Studentin in Freiburg nutzt man das Leid und die Trauer für seine eigenen politischen Ziele. Respekt gegenüber den Opfern aber sieht anders aus. Und ich glaube nicht, dass den Angehörigen und den vielen Verletzten diese Aussagen Trost und Unterstützung bieten.

Aber genau das wäre angebracht - ein Innehalten. Natürlich sind einige der durch die AfD erhobenen Vorwürfe gerechtfertigt. Nur durch plumpe Aussagen wie „Merkel muss weg" wird sich nichts ändern. Dabei jeden Flüchtling unter Generalverdacht zu stellen, ein Terrorist zu sein, ist schlichtweg naiv.

Die deutschen Sicherheitsorgane müssen gestärkt werden

Wer sich die letzten geplanten Terroranschläge anschaut sieht, dass die Hinweise dafür meistens von ausländischen Geheimdiensten kamen. Deshalb ist es mir wichtig, dass die deutschen Sicherheitsorgane besser gestärkt werden - personell, technisch und durch verbesserte Arbeitsbedingungen.

Ein Terroranschlag wird sich niemals ganz verhindern lassen. Wir können nur die Wahrscheinlichkeit eines solchen verringern. Darum stellt die Terrorbekämpfung uns vor eine noch nie dagewesene politische Herausforderung.

Mehr zum Thema: Die kleine Kachel vom Weihnachtsmarkt und der Terror in Berlin

Wir brauchen ein verändertes und verbessertes Sicherheitskonzept. Und sicherlich bildet die unkontrollierte Zuwanderung ein zusätzliches Risiko, das es sehr ernst zu nehmen gilt. Dass wir aus Terroranschlägen durchaus Lehren ziehen können, zeigt der „Deutsche Herbst".

Alle Politiker im Bundestag sind gefordert

Hier wurden wichtige Maßnahmen zur Terrorbekämpfung eingeführt, z.B. die Rasterfahndung. Auch jetzt sind alle Politiker in Bundestag und Bundesrat gefordert, zügig unsere Gesetze einer neuen, veränderten Situation anzupassen, um den Menschen in diesem Land weiterhin die notwendige Sicherheit zu garantieren.

Es ist viel wichtiger, anstatt - wie von der AfD gefordert - nur zu reagieren, endlich wieder zu agieren. Denn eines ist klar. Jedes weitere Opfer ist Wasser auf die Mühlen eines jeden Extremisten - egal ob links, rechts oder religiös. Deswegen gilt es, unsere demokratischen Werte zu erhalten und zusammenzustehen.

Das sollte auch die AfD nicht vergessen. Denn mit ihrem Einzug in den Bundestag nächstes Jahr wird sie politische Verantwortung für das ganze Land übernehmen. Und dann wird auch sie für jedes Opfer in Mithaftung genommen.

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Oft schauen wir auf gesellschaftliche Entwicklungen nur aus einer abstrakten Perspektive: Experten sprechen über Probleme anhand von Studien. Politiker loben, was gut läuft, anhand von grauen Statistiken - all das hat mit dem Alltag der Menschen, die von diesen Entwicklungen betroffen sind oder sie prägen, oft wenig zu tun.

Diese Menschen kommen jetzt in der Huffington Post zu Wort. Denn wie fühlt sich Armut in einem reichen Land jenseits der Statistiken an? Wie sieht Deutschland aus der Perspektive eines Obdachlosen aus? Vor welchen Problemen steht ein gerade angekommener Flüchtling? Wer hat mit seiner Initiative ein gravierendes Problem gelöst? All das ist Thema in HuffPost-Voices.

Diskutiert mit und schickt uns eure Erlebnisse an Blog@huffingtonpost.de.

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