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Willkommen zurück im kalten Krieg um fossile Energien

11/08/2017 10:45 CEST | Aktualisiert 11/08/2017 10:50 CEST
dpa

  • Die USA versuchen die Fertigung von Nord Stream 2 unbedingt zu verhindern

  • Zum Glück werden sie nicht zur Sicherstellung der Gasversorgung benötigt

  • Die Sanktionen sind vielmehr der Ausdruck geopolitischer Machtspiele

Die USA werden Sanktionen gegen Russland einführen, die vor allem die russischen Gas- und Öllieferungen betreffen. Wie keine zweite will die US-amerikanische Regierung derzeit durch eine rückwärtsgewandte Energiepolitik die eigenen fossilen Energien stärken.

Es geht um Wirtschaftsinteressen der USA zulasten von Europa und Russland. "America first" hat hier vor allem zum Ziel, geopolitische Macht auszuüben. Willkommen zurück im kalten Krieg um fossile Energien.

Kampf um die Vormachtstellung

Die Amerikaner wollen mittels politischer Sanktionen auch in Europa ihren Marktanteil im Energiebereich erhöhen, etwa durch den Export von Flüssiggas, welches vor allem mittels Fracking gewonnen wird.

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Sie stehen damit in direkter Konkurrenz zum russischen Gas. Ob ihnen dies gelingen wird, ist allerdings fraglich. Die USA benötigen ihre fossilen Ressourcen vornehmlich selbst, der Export ist kostspielig, und es gibt sehr viele preiswertere Wettbewerber für den europäischen Markt.

Das Ziel ist klar: geopolitische Vormachtstellung. Betroffen ist hier aktuell auch der Bau des zweiten Gaspipelinestrangs von Russland nach Deutschland (Nord Stream 2).

Allerdings werden diese Sanktionen nicht die Versorgungssicherheit mit Gas gefährden, weder auf dem deutschen noch auf dem europäischen Markt.

Nord Stream 2 widerspricht den Zielen der EU

Ohnehin wird der neue Pipelinestrang nicht zur Sicherstellung der Gasversorgung in Deutschland benötigt.

Es gibt derzeit einen Überschuss an Gas auf den internationalen Märkten und zudem ausreichende Pipelinekapazitäten und Flüssiggasterminals, um Gas nach Europa und Deutschland zu bringen.

Europa wird ohnehin im Zuge der Umsetzung der Klimaziele in den kommenden Jahrzehnten den Gasbedarf senken.

Zudem widerspricht der Bau der Pipeline den Zielen der EU. Diese sehen vor, den Gasimport insgesamt zu diversifizieren und die Importabhängigkeit von Russland zu vermindern. Der neue Strang ist somit aus rein energiewirtschaftlicher Sicht nicht notwendig.

Schon der erste Pipelinestrang (Nord Stream 1) war unwirtschaftlich, da der Bau sehr teuer war und nur maximal etwa zehn Prozent des europäischen Gasbedarfs durch die Pipeline gedeckt werden können. Bisher war sie gar nicht ausgelastet.

Der Krieg um fossile Energien ist ausgebrochen

Viele Länder, auch in Europa, setzen auf eine Diversifikation der Gasimporte, vor allem durch Flüssiggas, das flexibel per Schiff transportiert werden kann.

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Ein Pipelinebau rechnet sich nur, wenn sie über viele Jahrzehnte voll ausgelastet sein wird. Es gibt obendrein zahlreiche andere Gaspipelines, die zur Deckung des Gasbedarfs in Europa genutzt werden können.

Zudem wird die Bedeutung von Flüssiggas weiter zunehmen. Und genau darauf spekulieren nun die Amerikaner - sie bieten sich als Flüssiggasanbieter an und treten so in direkte Konkurrenz zu Russland.

Weder in Europa noch in Deutschland ist somit die Gasversorgungssicherheit durch die Russlandsanktionen gefährdet. Europa gerät aber in den Krieg um fossile Energien.

Von Prof. Dr. Claudia Kemfert, Leiterin Abteilung für Energie, Verkehr und Umwelt, DIW

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Xing Klartext.

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