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Willkommen zur├╝ck im kalten Krieg um fossile Energien

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
RUSSLAND SANKTIONEN
dpa
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  • Die USA versuchen die Fertigung von Nord Stream 2 unbedingt zu verhindern
  • Zum Gl├╝ck werden sie nicht zur Sicherstellung der Gasversorgung ben├Âtigt
  • Die Sanktionen sind vielmehr der Ausdruck geopolitischer Machtspiele

Die USA werden Sanktionen gegen Russland einf├╝hren, die vor allem die russischen Gas- und ├ľllieferungen betreffen. Wie keine zweite will die US-amerikanische Regierung derzeit durch eine r├╝ckw├Ąrtsgewandte Energiepolitik die eigenen fossilen Energien st├Ąrken.

Es geht um Wirtschaftsinteressen der USA zulasten von Europa und Russland. "America first" hat hier vor allem zum Ziel, geopolitische Macht auszu├╝ben. Willkommen zur├╝ck im kalten Krieg um fossile Energien.

Kampf um die Vormachtstellung

Die Amerikaner wollen mittels politischer Sanktionen auch in Europa ihren Marktanteil im Energiebereich erh├Âhen, etwa durch den Export von Fl├╝ssiggas, welches vor allem mittels Fracking gewonnen wird.

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Sie stehen damit in direkter Konkurrenz zum russischen Gas. Ob ihnen dies gelingen wird, ist allerdings fraglich. Die USA ben├Âtigen ihre fossilen Ressourcen vornehmlich selbst, der Export ist kostspielig, und es gibt sehr viele preiswertere Wettbewerber f├╝r den europ├Ąischen Markt.

Das Ziel ist klar: geopolitische Vormachtstellung. Betroffen ist hier aktuell auch der Bau des zweiten Gaspipelinestrangs von Russland nach Deutschland (Nord Stream 2).

Allerdings werden diese Sanktionen nicht die Versorgungssicherheit mit Gas gef├Ąhrden, weder auf dem deutschen noch auf dem europ├Ąischen Markt.

Nord Stream 2 widerspricht den Zielen der EU

Ohnehin wird der neue Pipelinestrang nicht zur Sicherstellung der Gasversorgung in Deutschland ben├Âtigt.

Es gibt derzeit einen ├ťberschuss an Gas auf den internationalen M├Ąrkten und zudem ausreichende Pipelinekapazit├Ąten und Fl├╝ssiggasterminals, um Gas nach Europa und Deutschland zu bringen.

Europa wird ohnehin im Zuge der Umsetzung der Klimaziele in den kommenden Jahrzehnten den Gasbedarf senken.

Zudem widerspricht der Bau der Pipeline den Zielen der EU. Diese sehen vor, den Gasimport insgesamt zu diversifizieren und die Importabh├Ąngigkeit von Russland zu vermindern. Der neue Strang ist somit aus rein energiewirtschaftlicher Sicht nicht notwendig.

Schon der erste Pipelinestrang (Nord Stream 1) war unwirtschaftlich, da der Bau sehr teuer war und nur maximal etwa zehn Prozent des europ├Ąischen Gasbedarfs durch die Pipeline gedeckt werden k├Ânnen. Bisher war sie gar nicht ausgelastet.

Der Krieg um fossile Energien ist ausgebrochen

Viele L├Ąnder, auch in Europa, setzen auf eine Diversifikation der Gasimporte, vor allem durch Fl├╝ssiggas, das flexibel per Schiff transportiert werden kann.

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Ein Pipelinebau rechnet sich nur, wenn sie ├╝ber viele Jahrzehnte voll ausgelastet sein wird. Es gibt obendrein zahlreiche andere Gaspipelines, die zur Deckung des Gasbedarfs in Europa genutzt werden k├Ânnen.

Zudem wird die Bedeutung von Fl├╝ssiggas weiter zunehmen. Und genau darauf spekulieren nun die Amerikaner - sie bieten sich als Fl├╝ssiggasanbieter an und treten so in direkte Konkurrenz zu Russland.

Weder in Europa noch in Deutschland ist somit die Gasversorgungssicherheit durch die Russlandsanktionen gef├Ąhrdet. Europa ger├Ąt aber in den Krieg um fossile Energien.

Von Prof. Dr. Claudia Kemfert, Leiterin Abteilung f├╝r Energie, Verkehr und Umwelt, DIW

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Xing Klartext.

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