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10 Dinge, die dir keiner sagt, wenn du dein eigenes Online Business gründest

Veröffentlicht: Aktualisiert:
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alvarez via Getty Images
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Lange hast du das vor dir hingeschoben. Jahre! Dein eigenes Business. Deinen Traum von Freiheit und Selbstbestimmung!

Oft hast du dich zurückhalten lassen. Von Freunden, Familie, Kollegen. Waren das gute Ratgeber? Aber das ist jetzt nicht die Frage.

Wichtig ist, dass du dich jetzt entschieden hast.

Jetzt ist die Zeit! Jetzt wagst du es tatsächlich, deinen Traum von eigenem Online Business in die Tat umzusetzen.

Lange hast du hin und her überlegt. Du hast eine Achterbahn der Gefühle erlebt und bist Spielball von diversen Gesprächspartnern geworden. Die einen fanden deine Vision toll. Andere haben dich für verrückt erklärt!

Was willst du machen? Deinen Job schmeißen und etwas eigenes starten? Du? Im Internet? Das ist doch unseriös. Die meisten scheitern sowieso. Die Leute lachen dich aus. Das braucht doch keiner.

AAhhhhh!

Du konntest es nicht mehr hören. Weder deine eigenen negativen Gedanken a.k.a. Glaubenssätze, die immer wieder hochkamen, noch die aus deinem Umfeld.

Du hast lange daran gearbeitet, dass du dich von deinem eigenen inneren Kritiker nicht mehr abhalten lässt, deinen Traum in die Tat umzusetzen.

Du weißt, was du willst und du hast deinen Traum ganz klar vor Augen:

  • Freiheit!
  • Unabhängig!
  • Selbstbestimmtes Arbeiten.
  • Raus aus dem „soul-sucking 9to5 Leben"
  • Jeden Morgen aufstehen, wann du willst, ohne Wecker und nie wieder in überfüllte Busse oder Bahnen steigen.
  • Nie wieder in einem langweiligen , ineffizientem Meeting im Büro abhängen mit anderen gelangweilten Menschen.

Yeah, das ist dein Ziel - da willst du hin!

Du bist besessen von dem Gedanken, dein Leben zu transformieren.

Und Besessenheit ist es auch das, was du brauchst, um wirklich erfolgreich zu sein.
Besessenheit und Leidenschaft ist das, was die meisten erfolgreichen Online Unternehmer ausmachen.

Aber, so leicht ist es nicht; für keinen von uns; und schon gar nicht von heute auf morgen.
Ich möchte dich auf 10 Dinge vorbereiten, die auf dich zukommen werden, von denen dir sonst keiner erzählt. Das soll dich auf gar keinen Fall abschrecken.

Es soll dich nur einstimmen auf das, was kommt!

Here we go: Die 10 „nicht-so-sexy" Weisheiten für die zukünftige Online Unternehmerin:

1. Deine Freunde und Familie kapieren nicht, was du tust und wollen es auch nicht wissen


Der Klassiker, der viele trifft. Und auch eine Sache, die mich ganz schön unerwartet getroffen hat.

Mach dich darauf gefasst, dass du nicht totale Begeisterungstürme bei deinen Freunden und deiner Familie für deine neue Idee auslösen wirst, wie du es dir vielleicht wünschst.

Eventuell gibt es sogar einige, die sich für dein neues Leben als Online Unternehmerin nicht die Bohne interessieren. Erkenne das und sieh einfach darüber hinweg. Es sind deine Freunde, aber nicht deine Businesspartner.

Dieses Verhalten ist allerdings normal. Ich habe mit vielen Unternehmern gesprochen, dir mir bestätigt haben, dass das Interesse ihrer Familie und Freunde überraschend gering ist. Und mal ehrlich, wie oft hast du mit Freunden über deinen Angestelltenjob gesprochen, es sei denn es gab mal was zu lästern?

Es gibt auch andere Meinungen darüber, die behaupten, dass diese Ignoranz der berühmte Blick in den Spiegel ist für diejenigen, die selbst gern den Schritt gegangen wären, aber es aus oben genannten Gründen nicht taten. Wenn sie dich nun sehen, können sie es einfach nicht ertragen, was möglich ist, was in ihrer Welt unmöglich war.

Getreu dem Spruch:

Alle dachten, es geht nicht. Dann kam einer, der das nicht wusste und hat es getan.

Schlimmer aber, als kein Interesse zu zeigen ist, wenn sie dir sagen, wie schlecht sie deine Idee finden, dich belächeln oder dir wenig Erfolg prophezeien.
An dieser Stelle, springe sofort auf Punkt 2, ohne Wenn und Aber und verschwende keinen Gedanken mehr an diese Unterhaltung (und an die Personen). Auch wenn sie es in beteuernder Weise gut meinen. Frage dich immer: Inwiefern kann diese Person mir einen qualifizierten Rat geben? Hat sie Erfahrung in dem Business? Hat sie selbst eins? Nein? Dann ist die Person nicht qualifiziert, deine Businessidee schlecht zu machen bzw. abzunicken.

Was also tun? Such dir gleichgesinnte Unternehmer als Kontakte. Das solltest du sowieso, wenn du dein Netzwerk aufbaust. Gleichgesinnte Unternehmer verstehen deine Ängste, Glaubenssätze und Erfolge, auch wenn sie noch so klein sind. Mit denen tauschst du dich über dein Business aus und teilst Freude und Probleme. Was uns direkt zum nächsten Punkt bringt.

2. Schaff dir ein Netzwerk aus gleichgesinnten Menschen.


Suche dir Menschen, die so ticken wie du. Menschen, die die gleichen Wertevorstellungen haben, die die gleichen Ziele haben, die die wissen, wovon du sprichst. Bei Freude und bei Trauer.
Es gibt einige Gruppen auf Facebook, Xing, LinkedIn oder auch lokal bei Netzwerktreffen in deiner Stadt, wo du fündig werden kannst.
Ich habe eine private Facebook Gruppe für frische Unternehmerinnen und die, die grad auf dem Sprung aus 9to5 sind.
Facebook Gruppe

Ansonsten gibt es folgende verschiedene Möglichkeiten, dich mit den richtigen Leuten ins richtige Mindset zu bringen:

A). Accountability Partner

Mit ihm/ihr legst du deine wöchentlichen Ziele verbindlich fest. Ihr fragt euch gegenseitig ab, woran es gelegen hat, wenn Ziele nicht erreicht worden sind und was ihr in der nächsten Woche besser machen könnt.

B). Master Mind Group
Eine Master Mind Group sind Unternehmer, die in etwa auf dem gleichen Stand sind und ähnliche Ziele verfolgen. Die Gruppe sollte nicht aus mehr als 4 Leuten bestehen und sollte sich regelmäßig treffen, um über die aktuellen Projekte, Herausforderungen und Ideen zu sprechen.

C). Mentor
Ein Mentor ist jemand, der bereits da ist, wo du hinwillst.

Er ist den Weg schon gegangen, den du gehen willst und kann dir wertvolle Tipps und Hilfestellungen geben. Du kannst einen Mentor durch zufällige oder alte Kontakte bekommen und ihr trefft euch ohne Obligationen alle paar Wochen/Monate und besprecht Vorgehensweisen und Neuigkeiten.

Du kannst aber auch an einem bezahlten Mentor Programm teilnehmen und bekommst regelmäßig Unterstützung, auch in Form von Aufgaben, die du wöchentlich abarbeiten kannst.

3. Dein Business wird sich ändern, also sei nicht perfektionistisch - NIE.


Kennst du Menschen, oder bist eine von ihnen, die jedes einzelne Detail bis zum Schluß durchplanen? Du brauchst das nicht zu tun.
Du, deine Website, deine Positionierung, deine Nische, eventuell sogar deine Businessidee werden sich mit der Zeit anpassen oder ändern.

Verschwende keine Zeit im Vorfeld alles bis aufs kleinste Detail auszuarbeiten, nur um dann zu merken, dass dein Konzept nicht ankommt oder niemand deine Produkte braucht. Vielleicht passt du deine Positionierung noch einmal an, nachdem du die ersten Gespräche mit deiner Zielgruppe hattest und feststellst, dass diese Menschen in real life doch nicht so gut zu dir und deinen Vorstellungen passen.

Dein Business sollte ein Prozess sein, das im ständigen Austausch mit deinen Kunden und deinem Tribe steht. Nur dann kannst du wissen, was dein Kunde will und braucht.

Jeder Prozess muss in regelmäßigen Abständen gereviewed und an neue Gegebenheiten angepasst werden.

Sei daher nicht zu festgefahren in deinen Entscheidungen und verfahre lieber nach dem 80/20 Pareto Prinzip. 80% ist gut genug!

Und merke dir: Besser fertig als perfekt.

4. Du kannst nicht alles allein machen


Als frische Online Unternehmerin macht man oft alles selbst.

Du bist wie 10 Jobs in einer Person: CEO, Sales Managerin, Marketing Managerin, Designerin, Content Creator, Buchhalterein, PR, Webdesignerin, ITlerin, Business Analystin.
Aber nur bestimmte Aufgaben sind Dinge, die wirklich wertschöpfend für dich und dein Business sind. Nämlich die, in denen deine Stärken und Talente liegen und die zum Profit führen. Mit den anderen Aufgaben vergeudest du deine Zeit und erschaffst keine Werte für deine Kunden und für dich.

Aufgaben, die dir nicht liegen, aber gemacht werden müssen, brauchen länger für dich, weil du es nicht gut kannst oder es dich schlichtweg nicht interessiert. Lagere diese Aufgaben aus. Hol dir eine Virtuelle Assistent / -in (VA), frage deinen Partner, Freunde, Familie, ob sie was für dich erledigen können.

5. Dein Partner muss 100% auf deiner Seite sein


Wenn du im Homeoffice arbeitest und der Kontakt zu anderen Menschen vor allem digital stattfindet, ist es essentiell, dass dein Partner dich zu 100% versteht und unterstützt.

Und das ist leider nicht selbstverständlich. Ich habe im englischsprachigen Bereich sogar eine Facebook Gruppe gesehen für Unternehmerinnen, deren Partner nur mit Kritik und Gegenwind in Erscheinung treten.

Ich habe großes Glück, dass mein Partner als Software Developer mir bei technischen Dingen enorm weiterhilft. Aber wir reden auch viel über Business Strategien, und er nimmt als IT Experte einen Platz in meinem Mentorenprogramm für alle super komplizierten IT Fragen meiner Teilnehmer ein.

6. Du musst dich mit den richtigen Leuten umgeben


Ähnlich wie schon bei Punkt 2 erklärt: achte darauf, mit welchen Leuten du dich umgibst, außerhalb von Mastermind Group und Co.

Du bist durchschnittlich das Produkt der 5 Leute, mit denen du dich umgibst!
Was ist das bei dir?

Schau dich um. Wer sind die 5 Leute, die am meisten in deiner Umgebung sind? Tun sie dir gut?
Wie sind sie drauf in Bezug auf Selbstständigkeit, Zielverfolgung, persönliche Weiterbildung?
Unterstützen sie dich? Sprechen sie dir Mut zu, insbesondere in Situationen, in denen es dir nicht gut geht? Denn die werden definitiv auch kommen.

Falls nicht, ziehe tatsächlich in Erwägung, das zu ändern, indem du Leute auswechselst! So hart sich das anhören mag, aber du kannst es dir nicht leisten mit Leuten abzuhängen, die dir negativ reinreden.

Das hier ist kein Kaffeekränzchen, sondern Business, Baby. Hier geht's um dein Leben und deine Existenz.

Leute, die das nicht kapieren, sich auf ihrem vermeintlich sicheren 9to5 Job ausruhen, und meinen, sie dürften sich erlauben große Töne zu schwingen, haben nichts in deiner Nähe verloren! Sie verstehen dich einfach nicht! Du hast nur eine begrenzte Zeit am Tag. Überlege dir wirklich, wie und mit wem du sie verbringst.

Lies den letzten Ansatz nochmal! Es ist wichtig, dass du das verinnerlichst.

7. Du wirst dich eine Zeitlang einsam fühlen. Lerne das zu schätzen.


Wenn du dich direkt von einem 9-5 Office Job in dein eigenes Homeoffice transferierst, wirst du dir eventuell einsam vorkommen.

Es sind keine Kollegen mehr um dich rum.

Du arbeitest komplett allein und selbstverantwortlich, aber hast hoffentlich einen regelmäßigen Kontakt mit deinem Netzwerk.

Das Gute daran ist, dass du Null abgelenkt wirst und du dein Business schnell voranbringen kannst. Erarbeite dir eine Morgen- und eine Abendroutine. Gehe mittags raus, geh zum Sport oder unternimm etwas tagsüber und arbeite am Abend weiter. Verabrede dich bewusst mit Freunden aus dem realen Leben.

8. Du musst ein Freak sein in Zeit- und Selbstmanagement


Trackst du deine Zeit? Weißt du genau, was du tun musst, heute, morgen, übermorgen? Was deine allerwichtigsten Aufgaben sind? Wie viel Zeit verwendest du für bestimmte Aufgaben?

Sind es Aufgaben, die den meisten Wert liefern oder nur minderwertige Aufgaben (die du auslagern solltest). Wo verzettelst du dich? Hier schließt sich der Kreis mit Punkt 4.

Du musst dich selbst managen. Und wenn du das als Angestellte nicht schon gemacht hast, dann wird das eine große Umstellung für dich sein. Es gibt aber eine Menge Tools, die dir helfen, dich zu kontrollieren.

Meine Lieblingstools sind Asana und Toggle. Zum Thema Zeitmanagement findest du hier mehr tolle Tipps.

9. Mach dich gefasst auf eine Unternehmer-Achterbahn der Gefühle


Du wirst sehen, dass es Zeiten gibt, an denen du dich super fühlst und im nächsten Augenblick willst du dann alles hinschmeißen. Die große Kür ist „dranzubleiben".

Beiß dich durch. Akzeptiere, dass es Phasen gibt, die richtig schlecht laufen und dich runterziehen.

Genauso wie es Phasen gibt, in denen alles wie am Schnürchen läuft und sich alles wie von unsichtbarer Hand zusammenfügt.

Leg dir eine Strategie für den Notfall zurecht.

Hier ist ein Rezept, das du anwenden kannst, wenn etwas eintritt, was nicht toll ist und dich für den Moment verzweifeln lässt:

Überlege dir immer zuerst, was die Konsequenz daraus eigentlich wirklich wäre. Meistens ist sie gar nicht so schlimm wie es im ersten Moment erscheint.

Das nennt sich „Worst Case" Strategie. Du denkst dir wirklich den allerschlimmsten Outcome aus und stellst dir dann vor, was das eigentlich bedeuten würde und wie du da wieder rauskommen würdest.

Ich verspreche dir, dass das in den meisten Fällen nicht so schlimm ist. Wie schon Mark Twain sagte:

"I've had a lot of worries in my life, most of which never happened."

10. Es ist harte Arbeit und erst mal weniger Geld


Machen wir uns nichts vor: Ein Business zu gründen, ist verdammt harte Arbeit. Und ganz ehrlich, es ist schwer am Ball zu bleiben, wenn du etwas machst, was dich nicht vom Hocker reißt. Umso schwerer wird es dann noch, Durststrecken zu überstehen. Von daher ist es wichtig, mit etwas zu starten, wofür du wirklich brennst und dir nicht nur das schnelle Geld erhoffst.
Das Gute ist, dass es dir nicht wie Arbeit vorkommt, weil das was du machst dich erfüllt und du echten Spaß daran hast.

Ich hoffe, dich damit nicht verschreckt zu haben. Einige dieser Punkte von oben waren mir persönlich nicht bewusst als ich mich selbstständig gemacht habe, und ich hätte es hilfreich gefunden, sie vorher gewusst zu haben.

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