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Ich war 5 Jahre lang wahnsinnig diszipliniert - und es hat mich nur unglücklich gemacht

Veröffentlicht: Aktualisiert:
PRODUKTIV STRESS
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Um PUNKT 5:30 Uhr morgens klingelt mein Wecker!

1. Ich stehe auf und motiviere mich.
2. Ich schreibe etwas in mein 5-Minuten-Journal.
3. Nächster Programmpunkt: eine zwanzigminütige Meditation.
4. Danach steht meine 30-minütige Morgenlektüre an.
5. Ich ziehe mir vor dem Training noch meine Nahrungsergänzungsmittel rein.
6. Ab ins Fitnessstudio, wo ich eine Stunde lang intensiv trainiere.
7. Ich schiebe mir 50 Gramm Kohlehydrate, 50 Gramm Protein und 20 Gramm Fett in die Futterluke.
8. Jetzt kommt endlich meine erste exakt zwei Stunden dauernde Arbeitseinheit.

Und das alles noch vor 11 Uhr morgens.

Das hört sich doch nach einem absolut "perfekten" Start in den Tag an, oder etwa nicht?

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Ich habe diese Einstellung voll und ganz gelebt! Ich habe fast fünf Jahre lang alles, was ich online, offline und in Büchern gelesen habe, oder was ich von erfolgreichen Menschen gehört habe, getan, nur um diesen Lifestyle zu verkörpern.

Und soll ich dir was sagen? Ich war nicht glücklich dabei!

Diese tägliche Routine war mein Ein und Alles und durch sie schaffte ich es, in vielen Bereichen meines Lebens Dinge zu erreichen, die ich vorher niemals für möglich gehalten hätte. Doch wirklich glücklich machte mich diese Art zu leben nicht.

Dass ich nicht glücklich war, war mir jedoch nicht bewusst, bis ich 3 Monate lang herumreiste und plötzlich ganz neue Glücksmomente erfuhr, die ich nie zuvor erlebt hatte.

Ich möchte meine neue Einstellung zum Leben gerne mit anderen teilen, weil ständig neue Artikel und Bücher veröffentlicht werden, deren Titel alle ähnlich lauten: "So wirst du megaproduktiv", "10 Dinge, die extrem erfolgreiche Menschen anders machen", "Wenn du Erfolg haben willst, solltest du diese 3 Dinge täglich tun".

Diese Artikel versetzen die Leser in den Glauben, dass sie alles bekommen können, was sie sich für ihr Leben wünschen, wenn sie sich "einfach nur mal" an diese Dinge halten. Und das stimmt nicht.

Deshalb möchte ich in diesem Blogbeitrag darüber berichten, dass es mich nicht glücklich gemacht hat, extrem produktiv zu sein. Außerdem möchte ich die 5 Erkenntnisse weitergeben, die ich von meiner Reise mitgebracht habe und die mich dauerhaft verändert haben. Ich verrate dir auch, wie ich diese neuen Grundsätze in meinem Leben verankern will.

Extrem produktiv zu sein, hat mich unglücklich gemacht

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Kurz gesagt war ich BESESSEN.

Ich war besessen davon, übermäßig produktiv zu sein, superproduktiv, immer in bester Form. Ich wollte stets so viel lernen, wie ein Mensch nur irgendwie aufnehmen kann. Ich musste unbedingt täglich meine Achtbarkeitsübung machen und alle zwei Monate verreisen. Und so weiter und so fort. Und natürlich alles auf einmal.

Ich war unglaublich stolz auf meine Disziplin. Und ich war in allen Bereichen diszipliniert, ganz egal, ob ich nun meine Verkaufsziele in der Arbeit zu übertreffen versuchte oder indem ich mich konsequent an meinen Ernährungs- und Trainingsplan hielt, wenn ich mich gerade wieder auf einen Wettkampf im Bodybuilding vorbereitete. Ich war sogar diszipliniert darin, eine bestimmte Anzahl an Seiten pro Tag zu lesen.

Es ging mir nur noch darum, mich jeden einzelnen Tag ein wenig zu verbessern, um Schritt für Schritt den Zielen näher zu kommen, die ich zweimal im Jahr für mich festlegte.

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Meine Stimmung hing davon ab, wie "produktiv" ich im Bezug auf meine 20-tägigen Etappenziele war.

  • Habe ich 5 Minuten in mein Tagebuch geschrieben?
  • Habe ich noch vor dem Frühstück intensiv trainiert?
  • Habe ich heute 250 Gramm Kohlehydrate, 200 Gramm Protein und 65 Gramm Fett gegessen?
  • Habe ich dreimal zwei Stunden lang konzentriert gearbeitet?
  • Habe ich heute meine 10 verschiedenen Nahrungsergänzungsmittel eingenommen?
  • Habe ich 30 Minuten lang gelesen?
  • Habe ich heute während meiner zwanzigminütigen Meditation wirklich komplett den Kopf abgeschaltet?

Wenn ich einen dieser Punkte nicht erfüllte, plagten mich Gewissensbisse und ich fühlte mich unter Druck. Ich war unglaublich hart zu mir, weil ich die Ansprüche an mich selbst immer weiter hochschraubte und von erwartete, dass ich alles schaffte.

Warum tat ich das? Weil es mir mit meiner extrem disziplinierten Einstellung zu den Themen Fitness, Persönlichkeitsentwicklung und Professionalität in den vergangenen 5 Jahren gelungen war, meine Ziele in diesen Bereichen sogar noch zu übertreffen.

Ich kannte keine andere Art zu leben. Zumindest dachte ich, so leben zu müssen, um erfolgreich zu sein.

Bei diesem Lebensstil konnte ich nicht einfach mal alle Fünfe gerade sein lassen. Ich konnte mich nicht einfach mal eben dem Moment hingeben und Dinge tun, auf die ich einfach Lust hatte. Ich wurde irgendwann SO produktiv, dass ich nichts mehr einfach nur mal so genießen konnte.

Das Komische daran ist, dass ich ÜBERHAUPT NICHT das Bedürfnis hatte, meinen Lebensstil zu ändern. Warum sollte ich auch? Ich erreichte alles, was ich mir für mein Leben wünschte. Und wenn ich mich mit Durchschnittsmenschen unterhielt, war ich stets das Musterbeispiel dafür, wie gut ein extrem produktives Leben funktioniert. Genau so macht man doch das Beste aus seinem Leben, stimmt's?

Ich möchte damit nicht sagen, dass diese Art zu leben grundsätzlich falsch ist. Bevor man es nicht selbst ausprobiert, kann man nie wissen, ob einen selbst etwas wirklich glücklich macht, bloß weil es eine ganze Menge anderer Menschen glücklich macht. Und damit meine ich nicht, dass man etwas so ein bisschen ausprobiert, sondern dass man die verschiedensten Dinge mal so richtig durchzieht.

Zu dieser Einstellung gelangte ich, als ich mich dafür entschied, mich aus der Welt der amerikanischen Großkonzerne zurückzuziehen, nachdem ich fünf Jahre lang in New York Technologieprodukte an die 500 umsatzstärksten Unternehmen verkauft hatte.

Ich gelangte zu dieser Einstellung, nachdem ich fünf Jahre lang an Bodybuilding-Wettkämpfen teilgenommen hatte. Ich gelangte zu dieser Einstellung, nachdem ich zehn Jahre lang ein extrem diszipliniertes und zielorientiertes Leben geführt hatte.

Ich hatte das Gefühl, dass es noch mehr geben musste und dass ich nicht mehr auf dem richtigen Weg war.

Der Wendepunkt

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Der tatsächliche Wendepunkt trat in den ersten vier Wochen meiner sechswöchigen Reise ein, die am 13. April 2016 begann. Klar fiel es mir leichter, einige Schalter meiner Routine in den Bereichen Fitness, Arbeit, Lesen, Meditation umzulegen, da ich ja im "Urlaub" war.

Das Komische war jedoch, dass ich mich dabei so unglaublich gut fühlte. Das lag nicht daran, dass ich all diese Dinge nicht mehr tat, sondern daran, dass ich einen anderen Lebensstil führte. Ich stand ohne Wecker auf, ich trank Kaffee mit meiner Frau und ich lebte einfach in den Tag hinein. Ich ließ mich treiben. Es war herrlich.

Und dann passierte es. Ein paar Wochen, bevor wir nach Hause fahren sollten, sahen meine Frau und ich uns an und plötzlich wussten wir, dass wir bleiben mussten. Wir beschlossen, einen echten Selbsterfahrungstrip zu machen und eine neue Art zu leben auszuprobieren.

Von diesem Tag an genoss ich mein Leben in vollen Zügen. Ich probierte andere Arten zu leben aus, weil ich wissen wollte, welche davon mich wirklich glücklich machten. Während ich auf Bali jeden Tag meditierte und Yoga machte und in Sardinien das feinste Essen genoss, lernte ich unglaublich viel über mich selbst und über mein Leben.

Die folgenden fünf Einsichten haben in den vergangenen 90 Tagen die Art, wie ich mein Leben in Zukunft führen will, auf eine ganz besondere Weise verändert.

Diese 5 Einsichten gewann ich auf meiner Weltreise und am Ende haben sie MICH komplett verändert

1. Nimm das Leben nicht immer so ernst

Ich musste mich von dem Gefühl lösen, jeden einzelnen Tag Fortschritte machen zu müssen und meine "Ziele" übertreffen zu müssen, wenn ich erfolgreich sein wollte. Das Leben ist kein knallharter Kampf, in dem man ständig Fortschritte machen und produktiv sein muss, wenn man kein Versager sein will.

Einen Tag mit Nichtstun zu verbringen, oder einfach mal mit Freunden abzuhängen, macht dich nicht gleich zu einem unproduktiven Verlierer. Es macht dich zu einem Menschen, der Spaß hat und an diesem Tag einfach mal alle Fünfe gerade sein lässt.

Und das ist genau der Unterschied. Wenn ich - oder im übrigen auch andere Menschen - nicht extrem fokussiert waren und einen genauen Plan zum Erfolg hatten, betrachtete ich mich selbst und die anderen früher als Menschen, denen alles am Arsch vorbeiging.

Diese Menschen schafften es jedoch vielleicht einfach nur im Moment glücklich zu sein, anstatt sich dauernd mit schlechten Gedanken über die Vergangenheit oder die Zukunft zu beschäftigen.

Man muss sich treiben lassen und sich dann auch immer wieder zeitweise verstärkt auf die Bereiche konzentrieren, die einem im Leben gerade besonders wichtig sind. Doch die Dinge im Allgemeinen leichter zu nehmen bedeutet nicht, dass man deshalb unproduktiv ist.

So ist das Leben. Du lebst. Du stirbst. Und dazwischen sollten wir so oft wie möglich Dinge tun, die uns wirklich glücklich machen.

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Diese Erkenntnis ist äußerst wichtig. Es ging mir immer nur darum, der bestmögliche Mensch zu werden, zu einer Legende zu werden und im Beruf die höchsten Ziele zu erreichen. Ich wollte Ziele haben und mich auf das große Ganze konzentrieren, damit ich es durch die schweren Zeiten schaffte. Dabei ging ich über Leichen.

Das Leben ist, wie es ist. Du lebst und irgendwann stirbst du eben. Das Leben ist kein großes Spiel, bei dem du dich jeden Tag einen Schritt weiterkämpfen musst, wenn du kein Versager sein willst. Wer sagt denn, dass du ein Versager bist? Die Gesellschaft?

Dein Leben und wie glücklich du damit bist, hängt einzig und allein von deinen Vorstellungen ab. Du kannst Landwirt in Oklahoma sein, Banker in New York, CEO im Silicon Valley oder ein Café in Italien besitzen.

2. Du solltest dir wirklich Zeit zum Entspannen nehmen

Ich habe fast 10 Jahre damit verbracht, mich extrem auf meine Karriere zu konzentrieren. Das begann schon an der Uni. Ich steckte unglaublich viel Disziplin in mein Studium und in meine Ehrenämter, um direkt nach meinem Abschluss einen richtig guten Job ergattern zu können.

Dann verkaufte ich 5 Jahre lang Technologieprodukte. In dieser Zeit verfolgte ich ganz genaue Pläne und Ziele und ich opferte vieles, um diese Ziele zu erreichen und Erfolg zu haben.

Ich habe nie ganz abgeschaltet. Ich habe nie besonders viel Zeit und Mühen in die wirklich wichtigen Dinge des Lebens gesteckt, wie zum Beispiel in meine Beziehung oder in Freundschaften oder in mein persönliches Glück, das ich einzig und allein in meiner beruflichen Entwicklung sah.

Versteh mich nicht falsch. Durch dieses Verhalten habe ich mich auf beruflicher Ebene sehr schnell weiterentwickelt und eine ganze Menge gelernt. Doch wofür das alles? Um was geht es bei diesem Wettrennen? Es gibt nicht einmal eins.

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Und deshalb ist es auch so wichtig, dass man sich regelmäßig WIRKLICHE Auszeiten einplant. Und zwar nicht im Sinne von: "Oh, ich nehme mir mal ein paar Wochen frei und verbringe dann 75 % der Zeit damit, entweder über die Arbeit nachzudenken oder mich darauf zu konzentrieren, nicht über die Arbeit nachzudenken."

Nimm dir ganze zwei Monate und fahr komplett herunter. Und beschäftige dich einfach nur aus Spaß an der Freude mit bestimmten Dingen. Unternimm einfach nur deshalb etwas, weil du Lust darauf hast. Dinge, die nichts mit deiner beruflichen Entwicklung zu tun haben.

Ich stellte fest, dass ich genau das gebraucht hatte. Das wurde mir jedoch erst dann klar, als ich es auch wirklich tat. Meine Auszeit geht schon seit April, doch mir wurden erst vor kurzem der Grund und die Bedeutung dieser Auszeit bewusst. Du kannst mir glauben, dass es mir nicht leicht fällt, doch ich habe das Gefühl, dass mein Körper und mein Geist dadurch wahnsinnig auftanken können.

Warum sollten wir unser ganzes Leben darauf ausrichten, uns beruflich weiterzuentwickeln, wenn unser Job in den meisten Fällen eigentlich gar nicht das ist, was uns wirklich glücklich macht.

Tim Ferriss hat im März einen Blogbeitrag über die Kraft von Auszeiten verfasst, der mich sehr berührt hat. Schau ihn dir mal an.

3. Vereinfache dein Leben

Diese Einsicht kam mir, als ich auf Bali herumreiste. Dieser Satz klingt immer so abgedroschen, doch wenn man sich näher mit dem Thema beschäftigt, merkt man, wie wichtig es ist und wie viel Klarheit es bringen kann.

Mein Leben zu vereinfachen bedeutet für mich, dass ich meine Handlungen und Taten ganz besonders auf die Dinge im Leben konzentriere, die mir besonders wichtig sind. Dass ich die verschiedenen Bereiche meines Lebens nach ihrer Wichtigkeit ordne.

Bei mir sieht das so aus:

1. Familie/Freunde
2. Gesundheit
3. Persönliche Entwicklung
4. Berufliche Entwicklung

Das Verrückte daran ist jedoch, dass ich zumindest meinem Reden nach diese Reihenfolge bereits seit über 5 Jahren einhalte. Ich habe jedoch nie wirklich danach gelebt. Meine Handlungen und Gedanken spiegelten nicht das wider, was mir wirklich wichtig war.

Sein Leben zu vereinfachen bedeutet, dass man diese Reihenfolge verinnerlicht, ganz egal wie sie für einen persönlich aussieht. Und dass man sich dann auch daran hält. Auf Reisen bedeutet das für mich, dass meine Frau jede einzelne Minute an erster Stelle steht, dass ich Spaß habe und mehr über mich erfahre. Das ist alles.

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Früher konnte ich meine Frau nicht einfach so an die erste Stelle setzen. Damals musste ich mir dafür erst ein Ziel setzen. Ich musste festlegen, wie oft pro Woche ich etwas Besonderes für sie tun musste. Nach der dritten Woche mache ich 4 Mal pro Woche etwas Besonderes für sie, zwei Wochen später mache ich 5 Mal pro Woche etwas Besonderes für sie. Es ist so viel einfacher. Setze sie einfach an die erste Stelle.

Ich finde, dass man sein Leben besser vereinfachen kann, wenn man seine gewohnte Umgebung verlässt. Mir ist klar, dass es eine Herausforderung ist, das dann auch zu Hause beizubehalten. Doch ein einfacheres Leben zu führen bereichert den Alltag mit sehr vielen Emotionen und Freude. Und das kann ich von meiner früheren Art zu Leben nicht behaupten.

4. Sei nicht immer so streng mit dir

Ich war das Paradebeispiel für einen Menschen, der hart zu sich selbst ist. Im Vergleich zu den Anforderungen, die ich an ich selbst stellte, hätte ich niemandem genug zahlen können, damit er noch strenger zu mir ist. Ich möchte damit nicht sagen, dass dieser Grad an Selbstmotivation/Antrieb etwas Schlechtes ist. Ich möchte damit nur hinterfragen, ob es Sinn macht, sich selbst so fertigzumachen? Wirst du dadurch zu dem Menschen, der du werden willst und erreichst den Grad an Zufriedenheit, an den du gelangen willst?

Und deshalb habe ich mich darauf eingelassen, weicher zu mir selbst zu sein. Ich muss nicht jeden Tag ein perfekter Mensch sein, der immer alles mit Bravour meistert, was er sich vorgenommen hat.

Wenn ich mal keine Lust habe, etwas zu erledigen, mache ich mir keine Gedanken mehr darüber. Morgen ist auch noch ein Tag und ich werde es schon schaffen. So bin ich eben. Es ist nicht gesund, mich wegen mir selbst oder wegen meiner mangelnden Fortschritte schlecht zu fühlen.

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Das macht mich nicht glücklich. Streng und unnachgiebig zu sich selbst zu sein ist es einfach nicht wert. Wenn du dich selbst nicht gut behandelst - und damit meine ich nicht einmal, dass du dich selbst und dein Leben hasst, sondern dass du dir niemals einen Fehler erlaubst - wer sollte das dann tun? Wir sollten uns öfter selbst gut zureden, statt uns negative Dinge einzureden und wir sollten uns öfter selbst auf die Schulter klopfen.

Wenn wir es nämlich nicht tun, müssen wir darauf warten, dass irgendjemand in unserem Bekanntenkreis uns vielleicht mal ein Kompliment macht oder uns anerkennend auf die Schulter klopft. Und das ist doch verrückt.

Ich versuche jetzt netter zu mir selbst zu sein und nicht ständig so hart mit mir ins Gericht zu gehen, weil dann das Leben einfach fließen kann und nicht durch meine Handlungen in eine bestimmte Richtung gedrängt wird.

5. Am Ende wird immer alles gut. Also ENTSPANN DICH!

Dieses Prinzip habe ich vor 7 Jahren gelernt. Damals baute ich gerade eine ehrenamtliche Gruppe auf, die Unternehmensgründern beim Aufbau ihrer Geschäfte half. Ich hatte keine Ahnung, was ich tun musste, um dieser Gruppe zum Erfolg zu verhelfen. Und wenn dann eine Sache schief ging, ging kurz darauf auch alles andere schief. Doch irgendwie fand ich immer wieder eine Lösung für alles.

Ganz egal wie, aber am Ende des Tages wird immer alles gut. Es gibt harte Zeiten, in denen man nicht mehr daran glaubt, dass wirklich alles noch gut wird, doch am Ende tut es das immer. Warum sich also stressen? Warum sich so reinsteigern und aufregen?

Ich glaube stattdessen einfach an dieses Prinzip und dadurch kann ich mich entspannen. Ich weiß, dass ich zu Hause immer noch genug Zeit habe, mich auf meine Karriere zu konzentrieren, Geld zu verdienen, Zeit mit meiner Familie zu verbringen etc.

Wenn man bedenkt, dass wir ganze 80 Jahre alt werden, machen ein paar Jahre im Gesamtkontext betrachtet gerade mal 4 % unseres Lebens aus, selbst wenn wir in dieser Zeit nur herumhängen. Ruinierst du alles, wenn du in 4 % der Zeit mal nichts tust? NEIN.

Und deshalb entspanne ich mich und vertraue auf das Prinzip, dass am Ende immer alles gut wird.

Wie mein Leben weitergeht

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Und jetzt? Wie soll ich mein Leben führen, um absolut glücklich zu werden? Vermutlich ist es eine Mischung aus allem, was ich erlebt habe. Ich weiß, dass ich in Zukunft nicht nur ein supereinfaches Leben führen will, in dem ich mir keinerlei Gedanken mehr um meine Zukunft und um meine Vergangenheit mache und in einem Zustand ständiger Achtsamkeit lebe.

Ich genieße es ungemein, aufzuwachen, Kaffee trinken zu gehen, mich ein paar Stunden mit anderen zu unterhalten, an den Strand zu gehen, irgendwo zu Abend zu essen und dann mit meinen Freunden abzuhängen. Doch das will ich nicht jeden Tag haben.

Mir persönlich geht es gar nicht darum, etwas anderes aus meinem Leben zu machen. Ich bin immer noch besessen davon, zu trainieren, jeden Tag etwas dazuzulernen, bei meiner Familie zu sein und ein toller Unternehmer zu werden. Doch ich werde in Zukunft anders mit diesen Dingen umgehen.

Meine große Verwandlung sieht so aus, dass ich mich im Alltag von all den selbsterschaffenen Regeln frei mache, die bei mir dazu führen, dass ich mich als Versager fühle und mich selbst fertigmache. Ich will mehr im Fluss bleiben, statt immer so streng zu sein. Es geht mir nicht mehr darum, 100 Dinge am Tag zu erledigen, wie ich das so viele Jahre lang gemacht habe. Ich will diese Dinge in Zukunft einfach dann tun, wenn ich Lust darauf habe und ich will mehr Zeit mit meiner Frau und meinen Freunden verbringen.

  • Ich muss nicht jeden Tag um 5 Uhr morgens aufstehen.
  • Ich muss nicht jeden Tag 30 Minuten lang lesen und 20 Minuten lang meditieren.
  • Ich muss nicht immer drei extrem konzentrierte Arbeitseinheiten einlegen.
  • Ich muss Facebook nicht bis auf zwei Ausnahmen am Tag immer abschalten.
  • Ich muss nicht jeden Tag 250 Gramm Kohlehydrate und 200 Gramm Protein essen.

Ich kann all dies tun, aber ich muss es nicht. Das ist der Unterschied. Ich will mehr auf mein Gefühl hören und nicht immer so streng mit mir sein. Ich will mich nicht mehr dauernd selbst fertigmachen und mich für mein Versagen verurteilen, denn ich bin nicht perfekt.

Ich weiß noch nicht, wie das alles dann genau aussehen wird, weil ich noch 3 weitere Monate herumreisen werde. Ich weiß jedoch mit Sicherheit, dass ich den Wecker ausstellen werde und dass ich mir nicht mehr jeden Tag 100 kleine Ziele setzen werde.

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Ich werde Dinge erledigen, wenn ich Lust darauf habe und ich werde mich immer wieder verstärkt auf bestimmte Bereiche meines Lebens konzentrieren (2-4 Monate), bevor ich herunterfahre und mich entspanne.

Ich habe gelernt, spontan zu sein und die kleinen Dinge im Leben zu genießen. Und ich weiß ganz sicher, dass ich von nun an immer mit meiner Frau aufwachen und mit ihr zusammen meinen Morgenkaffee trinken will. Das steht fest!

Du solltest nicht glauben, dass du einfach nur extrem produktiv sein musst, um glücklich und erfolgreich zu werden. Vielleicht geht es dir ja sogar so wie mir. Du hast dann zwar Erfolg, doch richtig glücklich wirst du damit nicht.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei The Mission und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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