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Wie die Schule unser Leben versaut und wie man es besser machen könnte

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SCHULE UNGLCKLICH
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Wir alle erinnern uns an unseren ersten Schultag. Mutter hat uns in neue Klamotten gesteckt, wir kamen frisch vom Friseur, haben ungeduldig auf den Schulbus gewartet und unsere Eltern haben die ganze Szene vom Fenster aus mit Tränen in den Augen beobachtet.

Was wir aber nicht wussten: Das war erst der Anfang vom Ende! Der Beginn eines Wegs, der 60 Jahre dauern sollte, während wir das Leben eines Anderen leben, unkontrolliert nach Besitztümern und fernen Zielen strebend.

Was wäre gewesen, wenn Mama dir folgende Worte ins Ohr geflüstert hätte, bevor du in den Bus gestiegen wärst:

"Lieber Sohn, liebe Tochter"

"Heute ist der Beginn deiner 20-jährigen Schullaufbahn, in der du Dinge lernen wirst, die nicht wirklich sinnvoll sind. Dann wirst du 40 Jahre lang arbeiten. Du wirst wahrscheinlich einen Job haben, der dir nicht gefällt, während du Geld sparst und darauf wartest, dass dein Körper zerfällt, damit du dann endlich in Rente gehen und das tun kannst, worauf du wirklich Lust hast."

Wärst du in den Bus gestiegen?

Ich hätte meiner Mutter gegen das Schienbein getreten und wäre so schnell weggerannt wie es nur geht.

Ich liebe dich Mama.

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Ist das wirklich sinnvoll?

Wir leben nur eine begrenzte Anzahl von Jahren lang und dann sterben wir. Warum sollten wir dann nicht ausschließlich das tun, was uns jeden einzelnen Tag, den wir auf dieser Welt verbringen, glücklich macht?

Die Wahrheit ist, dass 99,9 Prozent aller Leute nicht das tun, was sie wirklich tun wollen. Sie sind ein Produkt des kaputten Systems. Das ist ein System, in dem ich nun fast 30 Jahre lang gelebt habe und ich kann es nicht mehr ausstehen.

Diese Idee, "erfolgreich" zu sein und dem "Traum" zu folgen ist ein riesengroßer Witz. Ein Witz, der daraus besteht, dass wir unser Glück und unsere Freiheit zum Wohle der Gesellschaft aufgeben.

Ich meine nicht, dass es keine Menschen gibt, die nicht tatsächlich glücklich werden, während sie diesem Weg folgen - aber es wirkt fast so, als hätten wir keine andere Wahl.

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Von klein auf unterliegen wir der Gehirnwäsche, den Autoritäten zu gehorchen, stellen Geld an erste Stelle, opfern unser persönliches Glück, um für die Zukunft zu sparen und bequem zu sterben. Wir folgen diesem vorgeschriebenen Weg.

Unsere Eltern sagen uns, dass wir zur Schule gehen und gute Noten schreiben sollen. Noten, die Dinge beurteilen, die wir niemals anwenden werden. Wir opfern unsere zeitlich begrenzte Kindheit, um Hausaufgaben zu machen und uns wegen Prüfungen zu stressen.

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Dann sollen wir einen guten Job in einer angesehenen Firma mit tollen Boni finden. Uns hocharbeiten, um endlich das Privileg genießen zu dürfen, einmal alle drei Jahre eine Woche mehr Urlaub einlegen und mehr Geld verdienen zu können. Gierig danach, sich beruflich immer weiterzuentwickeln, egal wie sehr das unser Glück einschränkt.

Wir sind jetzt nun mal im Rennen, wie SOLLTEN WIR UNS DANN ERLAUBEN, AUFZUGEBEN? Würden wir das tun, wären wir nur eine weitere gescheiterte Existenz in dieser Gesellschaft. Lasst uns stattdessen noch 30 Jahre weitermachen, bis wir von unserem Erspartem leben können.

Erst dann haben wir es geschafft: Dann leben wir den Traum.

Endlich Erfolg!

Nun bekommen monatlich eine hübsche Rente, unser Haus ist abbezahlt und endlich können wir das machen, worauf wir wirklich Lust haben. Nicht wahr?

Aber warte!

Wir sind nicht mehr so agil wie früher. Zehn Jahre ziehen ins Land und es fällt uns schwer, uns um uns selbst zu kümmern. Es ist Zeit, ins Seniorenheim zu ziehen. Das kostet aber Geld. So stecken wir unser hart verdientes Geld also wieder in Vater Staats Hosentasche, während wir immer älter werden. Dann sterben wir und das ganze Geld bleibt zurück.

WOW!!!!! Wie bescheuert ist das eigentlich?

Wir leben das Leben von jemand anderem, nur, um zu sterben. Was noch verrückter ist: Wir gehen diesen Weg, weil wir ihn schon in der Schule und den Medien um uns herum gezeigt bekommen.

Wir wissen es einfach nicht besser. Das ist die traurige Wahrheit. Da ist so viel Glück auf dem Teller übrig, weil wir es einfach nicht probieren.

Nur die wenigen, die sich trauen, diese Norm infrage zu stellen, indem sie sich selbst entdecken, finden einen alternativen Lebensweg.

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Das kann nicht so bleiben, wenn wir wollen, dass unsere Gesellschaft wächst und gedeiht und jeder sein Lebensglück findet. Der Teufelskreis wird immer schlimmer.

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Wir müssen schon in jungen Jahren die basalen Fähigkeiten lernen, ein glücklicheres Leben zu führen. Das sollte Teil unseres Bildungssystems sein, sobald wir in diesen Schulbus steigen.

Was wir meiner Ansicht nach lernen sollten:

  • Ziele setzen
  • Wie wir unsere Wünsche und Talente identifizieren können
  • Kurzfristige vs. langfristige Denkart
  • Selbstdisziplin
  • Wie du dein Werte- und Glaubenssystem entwickelst
  • Wie du deine Lebensziele definierst
  • Glück
  • Achtsamkeit

Stell dir mal vor, die würden uns das von klein auf beibringen. Anstatt dass wir uns das später selbst beibringen müssen, würde das in unser Bildungssystem integriert sein. So würden wir Kontrolle über unser Leben erlernen und sehr viel wahrscheinlich das entdecken, was uns wirklich glücklich macht.

Heutzutage gibt es unzählige Absolventen, die keine Ahnung davon haben, was sie vom Leben wollen, wer sie sein oder warum sie ausgerechnet diese Person sein sollen. Sie lassen sich nieder und folgen dem „richtigen Weg", weil sie es nicht besser wissen.

Und selbst, wenn sie wollten, könnten sie sich ihre Träume nicht erfüllen, sie haben zu viel Verantwortung, zu viele Rechnungen, Schulden, Verpflichtungen und so weiter.

"Sie haben es satt, ein fremdes Leben zu leben und dabei unglücklich zu sein."

Es ist kein Wunder, dass die plötzlich 40 sind und in einer Midlife-Crisis stecken. Sie haben es satt, ein fremdes Leben zu führen und dabei unglücklich zu sein.

Der kaputte Traum beginnt in unseren Schulen und eben dieser muss verändert werden, wenn wir die kommende Generation darauf vorbereiten wollen, ihr Glück zu finden.

Wir dürfen unsere Verantwortung, Veränderung zu schaffen, nicht aufgeben.

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Du magst nun denken: Okay, prima, sehe ich genauso - wir sollten den ganzen Kram lernen, wenn wir noch Kinder sind - aber was ist mit der Gegenwart? Die Schulzeit habe ich längst hinter mir und will nun ein glücklicheres Leben.

Der Anfang und auch das Ende vom Lied sind, dass du dein Leben in deine eigenen Hände nehmen musst. Du solltest entscheiden, dass dieser Traum nichts für dich ist, anstatt nur dazusitzen und einen Artikel nach dem anderen zu lesen, um dich zu motivieren.

Fang endlich an etwas zu tun. Fang an Zeit zu investieren, deinen Charakter zu entwickeln. Dein Gehirn anzustrengen, um herauszufinden, wer du sein willst, warum, wie und was Glücklichsein überhaupt für dich bedeutet.

Das ist der Punkt, an dem ich nun stehe. Ich werde in ein paar Wochen 28, nachdem ich dem „richtigen Weg" gefolgt bin, einige berufliche Ziele erreicht und festgestellt habe, dass sie nicht glücklich machen.

Ich habe nun gekündigt und nun bin auf dem Weg, herauszufinden, wie ich ein Leben führen kann, das ich wirklich liebe.

Weiß ich schon, wie das aussehen soll? Nein!

Aber ich bin engagiert und wehre mich dagegen, das Leben eines Anderen zu führen. Ich werde so viele Dinge wie möglich ausprobieren, um mein persönliches Glück zu finden.

Einer der Gründe, warum ich mich für diese enorme Herausforderung vorbereitet fühle, ist die Tatsache, dass ich so viel Zeit damit verbracht habe und weiterhin damit verbringen werde, mich persönlich weiterzuentwickeln.

Ich finde, wir sollten uns darauf konzentrieren, als Individuen zu wachsen. Die Ressourcen ausnutzen, die uns zur Verfügung stehen, um so gut wie möglich zu lernen, unser Leben in den Griff zu kriegen.

So fordern wir den Traum heraus. Indem wir einen alternativen Weg verfolgen, indem wir uns uns selbst hingeben. Indem wir hart arbeiten, um herauszufinden, wie wir unser Leben gestalten sollten und indem wir aktiv werden.

Schlussfolgerung

Die Ideologie dieses Traums ist lächerlich. Aber das ist nur meine Meinung. Dieser Traum ist nicht die Art und Weise, wie ich mein Leben leben will. Wenn wir aber nach unserem eigenen Glück suchen, ist jedermanns Weg ein anderer.

Die einzige Möglichkeit, unseren Weg zu finden, ist, indem wir aktiv werden und Alternativen ausprobieren. Wenn du momentan ein Leben führst, das dich nicht glücklich macht, mach einen Plan und ändere es.

Im Großen und Ganzen sollte die Gesellschaft dieses „Geh zur Schule", „Finde einen Job", „Geh in Rente und fang dann erst richtig an" aufgeben. Das Gute ist, dass wir beginnen, die Veränderung zu sehen.

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Mithilfe moderner Technologie haben wir viel mehr Macht, unsere Zukunft zu gestalten und zu kontrollieren. Sie ist das Mittel, Grenzen zu überwinden, die uns davon abhalten, unsere eigenen Werte auf dem Arbeitsmarkt zu erfinden. Deswegen ist Unternehmertum so wichtig und deswegen steigt die Anzahl von Selbstständigen.

Die neue Generation von eigenständigen Unternehmern verändert die Aussicht auf Erfolg. Sie wird immer weiter wachsen, weil immer mehr Menschen ihren „Erfolg" in alternativen Lebenswegen finden. Das ist großartig!

Bevor du nun deine Familie an einem Freitagabend um dich herum versammelst, um alte Fotoalben durchzuschauen, denk zurück an diesen ersten Schultag und mach dir dabei bewusst: Morgen ist ein neuer Tag.

Nimm dein Schicksal in die Hand und ignoriere die Möglichkeiten, die dich nicht glücklich machen.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Medium.com

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