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Ich unterstütze weltweit Menschen im Kampf gegen den Plastikmüll - von Deutschland bin ich sehr enttäuscht

26/06/2017 10:16 CEST | Aktualisiert 26/06/2017 11:02 CEST
CareElite

Innerhalb des letzten Jahres hat sich mein Leben radikal verändert.

Eigentlich war ich ein durchschnittlicher Konsument, wie Millionen andere Deutsche auch.

Meine Einkäufe transportierte ich in Plastiktüten nach Hause, meine Zahnbürste bestand aus Kunststoff und Mineralwasser kaufte ich stets als praktisches Sixpack - in Plastikflaschen, versteht sich.

Doch ein mehrwöchiger Aufenthalt in Sri Lanka hat mein Konsumverhalten völlig verändert. Denn seit einem Jahr lebe ich fast ohne Plastik.

Keine Flüssigseife aus dem Einweg-Seifenspender, kein Käse aus der Plastikverpackung und auch kein Kaffee aus dem To-Go Becher. Ich wollte etwas ändern und fing als erstes bei meinem eigenen Konsumverhalten an. Doch wie kam es soweit?

Das Plastik schlecht für die Umwelt und unsere Gesundheit ist, wissen wir in Deutschland schon seit Jahren. Seinen einstigen guten Ruf als billiges und praktisches Alltagsmaterial hat der Kunststoff bereits eingebüßt.

Dennoch ertrinken die Meere in Abfall, Plastikmüll überschwemmt einsame Inseln und touristische Strände gleichen im Sommer Mülldeponien. So auch die Strände in Sri Lanka.

Als ich vergangenes Jahr den kleinen Inselstaat im indischen Ozean das erste Mal besuchte, stellte ich mir schnell die Frage: Wie viel Müll kann in der Welt eigentlich rumliegen? Und wie zur Hölle können wir das ändern?

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(Christoph Schulz sammelt Müll am Strand von Sri Lanka)

Auf die erste Frage fand ich schnell eine Antwort. Anders als in Deutschland wird Müll in Schwellen- und Entwicklungsländern so gut wie gar nicht recycled. Es gibt auch kaum Wertstoffhöfe, geschweige denn eine organisierte Müllabfuhr.

Die Leute werfen ihren Müll auf die Straße und einmal in der Woche kommt ein Trecker vorbei und sammelt das Nötigste ein.

Am Ende landet der Abfall auf einem der zahlreichen Müllberge. Diese erstrecken sich teilweise 90 Meter in die Höhe und stürzen oft ein. So entstehen richtige Mülllawinen, die zahllose Menschen das Leben kosten. Für uns Europäer hört sich das an wie der Plot für einen Horrorfilm. In Sri Lanka ist es bittere Realität.

Mehr zum Thema: Kampf gegen die Plastikflut - Deutschland ist gerade dabei, eines seiner größten Umweltprobleme zu lösen

Als ich dort ankam, bemerkte ich schnell, dass dort dringend Handlungsbedarf herrscht. Aber alleine fangen nur wenige an, den Müll einzusammeln. Ich sprach also mit Einheimischen und anderen Touristen. Mein Ziel: Eine große Aufräumaktion, um den Strand vor Ort komplett vom Müll zu befreien.

Ich war natürlich nicht der Erste, der auf diese Idee kam. Besonders Surfschulen sind sehr sensibel für die Problematik, immerhin verbringen die Sportler den ganzen Tag im Wasser und am Strand. In sozialen Netzwerken stieß ich auf weitere Verbündete.

Ich fuhr zusammen mit Umweltschützern die Küste ab und füllte zahlreiche Müllsäcke mit Plastik und anderem Abfall. Die Clean-Up-Aktionen schweißten mich mit den Leuten vor Ort zusammen.

Wir bemerkten, dass wir etwas Wichtiges taten und als ich nach Deutschland zurückkam, wusste ich: Ab jetzt wird der Kampf für eine saubere Umwelt mein Leben bestimmen - und es gibt unendlich viel zu tun.

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(Die Müllabfuhr auf Sri Lanka)

Als erstes verbannte ich Plastik so gut es geht aus meinem Alltag. Dann ging ich einen Schritt weiter und fragte mich, wie ich anderen Leuten helfen könnte ein plastikfreies Leben zu führen.

Ich startete meinen Blog CareElite. Dort gebe ich Menschen Tipps, wie man plastikfrei lebt, unnötigen Abfall vermeidet und eigene Clean-Ups organisiert. Neben dem Blog biete ich dort plastikfreie Alltagsprodukte an: Kämme, Zahnbürsten, Lunchboxen oder Seife.

Das Geld verwende ich, um in diesem Sommer in Indonesien weitere Aufräumaktionen in die Wege zu leiten.

Mehr zum Thema: Weltweit versinken Strände im Müll - doch dieser Mann macht etwas Nützliches daraus

Denn gerade in Asien gibt es ein riesiges Müll-Problem. Der Großteil der Bevölkerung weiß nicht, was Plastik für Gefahren für ihren Alltag und ihre Umwelt birgt. Es gibt keine Möglichkeiten den Abfall richtig zu entsorgen, geschweige denn etwas wie Dosen- oder Flaschenpfand. Nur durch Aufklärungskampagnen und politische Initiativen lässt sich das ändern.

Länder wie Deutschland müssten außerdem endlich ihre Rolle als Vorbild wahrnehmen. Unser Recycling-System funktioniert, warum spiegeln wir es nicht für Länder wie Sri Lanka? Wir könnten auf diesem Gebiet außerdem viel mehr bewegen, indem wir führende Unternehmen mit Gesetzesänderungen unter Druck setzen.

Wir brauchen Gebühren für Plastikmüll, denn wer für die Produktion von Kunststoff in Form von Verpackungen verantwortlich ist, sollte auch dafür sorgen müssen, dass dieser korrekt entsorgt wird. Ab 2019 gibt es dafür auch endlich ein neues Gesetz.

Umso weniger brauchen wir Plastiktüten. Ein Verbot ist in Deutschland schon lange überfällig. In Ländern wie Indien und Kenia hat sich das beispielsweise durchgesetzt - mit Erfolg.

In der deutschen Politik habe ich leider das Gefühl, dass das Problem nicht sexy genug ist und die Wähler nicht genügend interessiert. Deswegen kümmert sich hier auch kaum jemand darum. Der Kampf gegen den Plastikmüll wird vielleicht ewig dauern. Dennoch habe ich eine unendliche Motivation etwas dagegen zu tun und ich bin nicht alleine. Gemeinsam können wir alle etwas bewegen!

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(ben)

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