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Clara Zetkin - gläubige Kommunistin und freie Frau

06/07/2015 16:43 CEST | Aktualisiert 06/07/2016 11:12 CEST

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Zwei Ikonen der sozialistischen Frauenbewegung: Clara Zetkin (li) und Rosa Luxmburg (re) 1910, wikimedia

Sie gilt heute als mit die wichtigste Ikone der internationalen Frauenbewegung des 20. Jahrhunderts. Viele Parks und Straßen in der ehemaligen DDR tragen ihren Namen. Clara Zetkins tiefe kommunistische Überzeugung verstellte lange Zeit den Blick auf eine ganz besondere Frau, die Gleichberechtigung auch tatsächlich lebte: radikal und frei.

Den letzten großen Auftritt hatte Clara Zetkin 1932, als sie politisch längst keine Rolle mehr spielte. Einst von Kaiser Wilhelm als „gefährlichste Hexe des deutschen Reiches" denunziert, durfte die Kommunistin in ihrer Funktion als Alterspräsidentin  am 30. August die neue Legislaturperiode im Reichstag mit einer Rede eröffnen - nach Wahlen, bei denen die Nationalsozialisten einen Erdrutschsieg erzielten.

Von schwerer Krankheit bereits sehr geschwächt hielt sie ein flammendes Plädoyer für die Schaffung einer breiten politischen „Einheitsfront gegen den Faschismus und seine Beauftragten in der Regierung.

Aufzeichnung der historischen Rede von Clara Zetkin am 30. August 1932 vor dem Reichstag

Das Plädoyer für den gemeinsamen Kampf gegen Faschismus war das Vermächtnis dieser überzeugten Kommunistin, die sie trotz scharfer interner Kritik an dem sektiererischen Kurs der KPD nach 1928 bis zum Schluss blieb. Sie bezeichnete sich immer als „Soldat der Revolution". Fast religiös glaubte sie nach der russischen Oktoberrevolution von 1918 an den weltgeschichtlichen Auftrag der Sowjetunion, die Menschheit vom zusammenbrechenden Kapitalismus zu befreien und zu kommunistischen Höhen zu führen.

Obwohl immer von der Notwendigkeit autoritärer Parteikader überzeugt, ging sie immer auch kritisch mit Parteigrößen um. So radikal sie für eine umfassende Revolution kämpfte, so radikal waren auch ihre Urteile. Legendär ihr Diktum über den jungen sowjetischen Generalsekretär Stalin als „gehirnkrankes Weib in Männerhosen".

Mutige und radikale Frau

Ihre parteipolitische Überzeugung verstellte der Nachwelt lange Zeit den Blick auf eine ganz besondere Frau, die nicht nur zeitlebens für die politisch-soziale Gleichberechtigung der Frau kämpfte, sondern diese Gleichheit schon in der wilhelminischen Männergesellschaft selbstbewusst und mutig lebte.

In einer Zeit, in der Frauen weitgehend in der Verfügungsgewalt von Männern standen, nahm sie sich Freiheiten heraus, die eine öffentliche Provokation darstellten. Schon als einfache Hauslehrerin wollte sie sich keiner Direktive unterordnen, die ihrem Denken nicht entsprach, und wurde oft gekündigt.

Auch im eigenen Privatleben stellte sie die Konventionen auf den Kopf. Nach dem Tod ihres russischen Lebensgefährten Ossip Zetkin heiratete sie 42-jährig den 18 Jahre jüngeren Dichter und Maler Friedrich Zundel, von dem sie sich 1926 formell scheiden ließ. Getrennt hatten sich die beiden bereits mitten im ersten Weltkrieg 1916/17.

Auch im Privatbereich erkannte Zetkin keine Abstufung der Geschlechter an. Die Frauen sollten Liebesbeziehungen frei nach ihrem Willen gestalten können, auch Schwangerschaftsabbrüche gestattet sein. Solche mutigen Forderungen und ihr weitgehend autonomes Leben als Frau riefen bei ihren männlichen Gesinnungsgenossen teils Ängste, aber auch hymnische Verehrung hervor.

Zetkin ist „eine geniale Frau, (...) einfach die in hohem Grad vollendete Erscheinung der neuen Frau, die Frau, die dem Mann gleich ist", schwärmte der französische Pazifist Louis Aragon 1912 auf dem Internationalen Sozialistenkongress in Basel im kleinen Kreis.

Ikone der Frauenemanzipation

Stand ihre Frauenpolitik historisch auch im Kontext der revolutionären Arbeiterbewegung, so wird Clara Zetkins frauenemanzipatorische Vorreiterrolle heute weitgehend lagerübergreifend respektiert. Sie initiierte 1910 die Einführung des internationalen Frauentags, der heute weltweit von Frauenorganisationen jedes Jahr am 8. März begangen wird und 1975 offiziell von der UNO als solcher anerkannt wurde.

Ihre zu Lebzeiten utopisch anmutende Überzeugung, dass die Gleichberechtigung der Frauen nicht mit dem Erwerb des politischen Wahlrechts verwirklicht sei, sondern auch deren ökonomische Gleichstellung beinhalten müsse, gehört heute zum festen Kanon auch der bürgerlichen Frauenbewegung.

Literaturhinweis:Florence Herve (Hg.), Clara Zetkin oder: Dort kämpfen, wo das Leben ist, DIetz Verlag: Berlin 2011.


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