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Wirtschaftsexperte erklärt, warum wir auf Millionen-Gehälter für Manager nicht verzichten können

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VW MANAGER
CHRISTOF STACHE via Getty Images
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Der derzeitige Versuch von Teilen der SPD und der Union, Managergehälter zu begrenzen, klingt für viele einleuchtend: Verdienen die da oben nicht sowieso zu viel? Haben die nicht jedes Maß verloren?

Was auf den ersten Blick plausibel erscheint, ist aber vor dem gesellschaftlichen und ökonomischen Hintergrund der Marktwirtschaft fehlgeleitet: Eine Ethik, die Mäßigung fordert, hat nur vor dem Hintergrund einer vormodernen Nullsummengesellschaft ohne systematisches Wirtschaftswachstum ihre Berechtigung.

In dieser Nullsummengesellschaft, wie sie bis zur Industrialisierung vorherrschte, war der zu verteilende „Kuchen" festgelegt - und konnte nur anders verteilt werden. Wenn jemand in seinem Geschäft erfolgreich war, geschah dies zu Lasten eines anderen.

Der erfolgreiche Florentiner Kaufmann Giovanni Rucellai schrieb um 1450: Indem ich reich bin, mache ich andere, die ich möglicherweise gar nicht kenne, arm."

Vor diesem Hintergrund ist unsere Ethik entstanden: Dass Aristoteles, die Bibel (aber auch etwa der Koran) Mäßigung und Maßhalten verlangen, so etwa das Verbot des Zinsnehmens aufstellen, ist zeitbedingt: Zu erfolgreiche Individuen (die jeweiligen Herrscher allerdings meist ausgenommen) wurden für eine vormoderne Gesellschaft zur Belastung und riskierten ihr Auseinanderbrechen.

Eine Ethik des Wachstums, nicht der Mäßigung

Es ist interessant, dass solche Überlegungen zur Begrenzung von Managergehältern in den USA auf deutlich weniger Resonanz stoßen: der historische Hintergrund ist ein anderer, seit den Zeiten der Pioniere im 19. Jahrhundert haben die US-Amerikaner im Grunde nur Situationen mit dauerhaftem Wachstum gekannt.

Daraus entsteht eine Ethik des Erfolgs, eine Ethik des Wachstums, nicht der Mäßigung. Im heutigen China findet dieser Prozess vielen Anzeichen zufolge gerade statt.

Mehr zum Thema: Kanzleramtsminister Altmaier will Manager-Gehälter begrenzen - aber er hat noch einen anderen Beruf im Fokus

Die Ethik der Mäßigung ist im Zeitalter der Marktwirtschaft und der Globalisierung überholt: Der Gewinn des einen geht nicht notwendig zu Lasten eines anderen. Auch das hohe Gehalt einiger geht nicht zwangsläufig zu Lasten anderer.

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Wenn verantwortungsbewusste und dynamische Manager ihre Unternehmen, gerade in schwierigen Zeiten, erfolgreich steuern, so sichern sie damit für ihre Beschäftigten Arbeitsplätze, Löhne und Gehälter, und für weitere Teile der Gesellschaft gute und günstige Produkte, Steuern und Abgaben, und vieles andere mehr.

Die Regelung ist Aufgabe der Unternehmen

Es ist richtig, dass in manchen Fällen, wie etwa derzeit bei VW, das Verhältnis zwischen Leistung und Gehältern nicht angemessen erscheint. Nur ist es Sache der Unternehmen, das zu ändern.

Im Übrigen gibt es gerade im Fall von VW durch die Beteiligung der rot-grünen Landesregierung sowie der Gewerkschaften eine Reihe von Besonderheiten, die eine Regelung auf der Ebene des Aufsichtsrates gut möglich erscheinen lassen.

Aufsichtsräte sind Kontrollorgane von Unternehmen, man kann auch darüber diskutieren, dass möglicherweise die Hauptversammlungen von Aktiengesellschaften über die Vergütung von Vorständen entscheiden sollten (ob diese damit sinkt, ist natürlich nicht garantiert).

Aber all das sind Mechanismen der Marktwirtschaft, deren Vorzüge als Gesamtsystem wir alle genießen. Zu diesem Gesamtsystem gehören auch - für manche vielleicht auf den ersten Blick ‚unangenehm' erscheinende - Elemente wie etwa Arbeitsplatzabbau und eben freie Aushandlung von (auch hohen) Gehältern, auf die man nicht isoliert verzichten kann.

Hier einen Staatseingriff zu fordern, ist das Gleiche, wie Arbeitsplätze gegen den Markt erhalten zu wollen: das letzte Mal, das dies in Deutschland in großem Stil versucht wurde, war die Insolvenz des Baukonzerns Philipp Holzmann 1999. Daraus hat man gelernt. Gegen die Marktlogik ist Ethik nicht zu erhalten.

Mehr zum Thema: Wolfgang Schäuble zeigt, wieso es nicht einfach ist, Manager-Gehälter zu begrenzen

Die steuerliche Abzugsfähigkeit von Managergehältern zu begrenzen, ist zwar als Eingriff weniger stark als eine direkte Deckelung. Nur ist a) dies steuerrechtlich höchst problematisch und könnte zu einer unzulässigen Doppelbesteuerung führen.

Und b) zeigen Studien aus anderen Ländern, dass eine solche Regelung wenig effektiv ist und auf vielfache Weise umgangen werden kann.

Überlassen wir die Regelung der Managergehälter besser dem Markt und den Unternehmen mit ihren eigenen Regelungs-Mechanismen.

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