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Gefährliche EZB-Zinspolitik: Draghi riskiert, dass die EU weiter hinter den USA zurückfällt

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MARIO DRAGHI
Yves Herman / Reuters
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Die Chefin der US-Notenbank, Janet Yellen, hat die Leitzinsen moderat erhöht, um 0,25%. Nach ihrer Einschätzung ist die amerikanische Wirtschaft derzeit so weit stabilisiert, dass allmählich die lockere Geldpolitik - zumindest ein Stück weit - zurückgefahren werden kann.

In den USA wird massiv investiert und es ist nicht mehr notwendig, Geld so zu verschleudern, wie das in den letzten Jahren geschehen ist. Eine sinnvolle und abgewogene Strategie, die der Wettbewerbsfähigkeit der USA nützt.

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Keine gute Entwicklung

Ein solcher Schritt wäre in der EU ebenfalls längst überfällig - aber hier weigert sich EZB-Chef Mario Draghi beharrlich, nachzuziehen. Und das ist keine gute Entwicklung: Ökonomen wie Hans-Werner Sinn werfen Draghi seit langem vor, die Sparer zu enteignen und einen Strukturwandel in der Wirtschaft zu blockieren.

Und beides ist nicht von der Hand zu weisen: Dass die Sparer das Nachsehen haben, merkt mittlerweile auch der letzte Deutsche: Angesichts einer gestiegenen Inflation von derzeit etwa 2% verlieren Sparguthaben, die zu Mini-Zinssätzen von unter 1% auf Tagesgeldkonten liegen, ständig an Wert.

Eine solche Entwicklung ist nicht naturgegeben, sie ist direkt auf die Politik Draghis zurückzuführen. Die einzige Rechtfertigung dafür wäre die Logik der Marktwirtschaft:

Wenn es so wäre, dass aufgrund dieser Politik viele neue, frische und dynamische Unternehmen entstünden, könnte eine zeitweise Benachteiligung der Sparer gerechtfertigt sein.

Tatsächlich aber ist das Gegenteil der Fall: Die lockere Politik der EZB mit milliardenteuren Anleihekäufen bevorzugt die bereits etablierten Alt-Unternehmen und schützt sie vor Wettbewerb durch neue Player.

Sie verhindert Investitionen auf breiter Front, wie sie in Bereichen wie etwa Elektromobilität dringend notwendig wären. Und das ist keine gute Entwicklung.

Draghi verhindert den notwendigen Strukturwandel und riskiert, dass die EU in der Dynamik weiter hinter den USA zurückfällt. Ein Schritt in Richtung Zinswende wäre auch für Europa sowohl in ökonomischer (Dynamik) als auch in ethischer Hinsicht (Sparer) notwendig.

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