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Was heißt hier eigentlich Consulting?

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MANAGEMENT
Robert Nicholas via Getty Images
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In dieser Woche gab es unabhängig voneinander zwei Artikel, die sich mit dem Begriff Consultant bzw. der Branche Unternehmensberatung befassen. Und der Unterschied zwischen beiden Artikeln könnte größer kaum sein. Ein Diskussionsbeitrag:

Zunächst brachte die FAZ einen Artikel über die Beraterbranche mit dem Titel "Gut beraten, schlecht verkauft". In diesem Beitrag wurden alle Stereotypen der Consulting-Häuser verarbeitet, vom Leben aus dem Rollkoffer über hohe Arbeitsbelastung und hohe Gehälter bis zur Up or Out Mentalität. Das ist alles nicht falsch, aber auch nicht neu und wird seit vielen Jahren immer wieder genau so beschrieben. Ein einziger Absatz widmet sich der neuen Konkurrenz durch Tech-Firmen im Recruiting, der Rest ist bekannt. Was komplett fehlt ist ein Blick auf Veränderungen in der Branche selber, im Fokus sind die großen Namen der Branche und ihre Anforderungen an Bewerber. Das ist schade, weil es zu kurz greift. Für mich war immerhin neu, dass ich noch "Toni Erdmann" sehen muss, danke für den Tipp!

Ungefähr zeitgleich gab es den Artikel "Zu viele Consultants, zu wenig Macher", der aus einer gegensätzlichen Perspektive auf den Berater-Beruf blickt. Im Tenor sind Consultants dort generell nicht an Ergebnissen interessiert, bleiben auf der Metaebene gefangen. Der Artikel gefällt mir von der Grundidee besser als die FAZ, aber mich stört die entweder-oder Trennung von Consultant und Macher. Alleine der Abschluss "Wir brauchen nicht noch mehr Consultants. Wir brauchen mehr Macher" zeigt, dass hier eine Schere im Kopf besteht, die hinderlich ist, neue Wege zu sehen. Umso erstaunlicher, als der Artikel mit dem Satz "Ich bin Consultant" beginnt - der Autor scheint sich selber noch nicht sicher zu sein, was er von diesem Beruf eigentlich hält.

Ich selber habe 1995 mein erstes Praktikum in einer Beratung absolviert und 1999 den ersten festen Job im Consulting angenommen. Seitdem bin ich der Branche mit einer einzigen Unterbrechung treu geblieben. Und ich fände es ärgerlich, wenn es bis heute keine Veränderungen gegeben hätte. Natürlich sind viele der Klischees nicht ohne Grund entstanden und werden von vielen Vertretern der Branche auch weiter gepflegt. Aber es loht sich, genauer hinzuschauen.

Mit Anbietern wie Comatch oder Consocium entstehen neue Formen von Freelancer-Netzwerken, die deutlich höherwertig agieren und das berüchtigte Image des Lebenslauf-Versenders umgehen. Zahlreiche Neugründungen - zu denen auch 4wrd consulting gehört - etablieren neue Geschäftsmodelle, zumeist im Digitalen, die den Consulting-Begriff neu fassen.

Generell ist es schon immer eine Besonderheit unserer Branche, dass die Berufsbezeichnung Unternehmensberater nicht geschützt oder wenigstens einheitlich definiert ist. Anders als beim Anwalt, Arzt oder Steuerberater darf sich jede/r Consultant nennen und "irgendeine" Dienstleistung anbieten.

Aber vielleicht ist das jetzt eine Chance, neue Angebote und Leistungen zu definieren, die etwas allgemeiner als "Professional Services" zu deklarieren sind. Denn wenn ich Beratung, Konzeption und Umsetzung aus einer Hand anbiete, was bin ich dann eigentlich? Eine Frage, die nicht nur kleine Spezialisten wie mich umtreibt, sondern auch die Mitarbeiter von den großen Playern. Wenn Accenture in Deutschland zunächst die dgroup und dann SinnerSchrader kauft und keine 4 Wochen später das Gerücht umgeht, dass Oracle Accenture kaufen möchte - wie heißen denn die Leistungen und damit verbundenen Rollen? Und weiß ich als Kunden vorher, was ich erwarten kann?

Auch das Consulting muss und wird sich durch Digitalisierung ändern, das ist anscheinend für einige Akteure und auch Beobachter noch eine neue Erkenntnis. Ich halte es für eine wirklich spannende Zeit!

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

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