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Is life a pitch? - Warum nicht jedes Start-Up ein "Unicorn" werden muss

20/02/2017 18:02 CET | Aktualisiert 20/02/2017 18:02 CET
Image Source via Getty Images

In den vergangenen Wochen machten in Hamburg leider mehrere Start Ups durch Insolvenzen von sich reden:

Trip Rebel, die intelligente Hotelbuchungsplattform

Protonet, ein Anbieter von Home Storage Lösungen

Janoo, eine Vespa Sharing Plattform

Obwohl die Produkte und auch das Alter der Firmen unterschiedlich sind, gibt es Gemeinsamkeiten. Alle drei waren prominente Player in der Digital und Social Media Community mit treuer Fanbasis. Diese Unterstützung reichte in zwei Fällen sogar, um Kapital via Crowdfunding einzusammeln.

Im Umkehrschluss wird nach den jetzt bekannten Problemen in ersten Artikeln bereits die Frage gestellt, ob Crowdfunding als seriöses Finanzierungsinstrument überhaupt funktioniert.

Jaano verabschiedete sich via Facebook mit folgenden Worten:

„Leider hat außer uns und unseren Fans, keiner der großen Kapitalgeber oder die Stadt Hamburg, an Jaano geglaubt und unsere Idee unterstützt. Damit ist ein Investment, welches die Firma auf ökonomisch gesunde Beine gestellt hätte leider ausgeblieben."

Diese Sicht ist emotional nachvollziehbar, aber als „ökonomisch gesund" wird ein Unternehmen üblicherweise dann bezeichnet, wenn es relevante Umsätze und einen stabilen Cash Flow erwirtschaftet. Die Interpretation, dass ein Invest durch Fremdkapital ein "Erfolg" ist, scheint eines der verbreitesten Missverständnisse in der Start Up Welt zu sein.

Zur Klarstellung: Häufig ist eine Start-Finanzierung sinnvoll und wichtig. Und je technisch komplexer ein Produkt ist oder wenn mehr Aufwand in der Entwicklung benötigt wird, muss diese Phase sinnvoll überbrückt werden. Aber mittelfristig muss das Unternehmen in der Lage sein, dieses Geld zu refinanzieren - zzgl. Rendite für den Investor.

Natürlich gibt es immer wieder Beispiele, wo der Erstinvestor beim anschließenden Exit partizipiert - zuletzt eindrucksvoll von Facelift gezeigt. Aber dies ist nicht der Regelfall und sollte nicht als Ziel angestrebt werden.

Ein Grund dafür, dass operativer Erfolg zu selten im Fokus der Betrachtung steht, liegt auch in der öffentlichen Wahrnehmung und Bewertung von Start Ups. Hier werden Pitch-Erfolge und Finanzierungsrunden mit zahlreichen Artikeln gefeiert, kaum eine Veranstaltung kommt ohne Start Up Pitch aus. Selbst wenn es - außer Aufmerksamkeit - nichts zu gewinnen gibt.

Doch weder ein Pitchgewinn von reinem Mediabudget noch eine kleinere Investorenzusage sind langfristig ähnlich viel wert wie echter Umsatz oder Gewinn. Das Beispiel Trip Rebel zeigt, dass der Gewinn mehrerer Pitches von Hamburg über London bis Austin alleine keinen dauerhaften Erfolg garantiert.

Ein „Unicorn" werden zu wollen, also eine Unternehmensbewertung > € 1 Mrd. zu erzielen, ist ein toller Erfolg, aber eine Strategie ist es nicht. Unicorns entstehen aus wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen und nicht aus dem Wunsch an sich.

Gründer und Start Up Teams müssen ihre Hausaufgaben in Wirtschaft und Unternehmensführung machen - oder sich externe Unterstützung zu suchen. Schon einfache Methoden wie das Business Model Canvas helfen, Zusammenhänge zu erkennen und einzuschätzen. Inkubatoren und Accelerator-Programme sind die nächste hilfreiche Dimension.

An mehreren Accelerator Programmen hintereinander teilzunehmen ist sicher eine interessante Erfahrung und bietet viele Reize. Ein Geschäftsmodell ist es aber nicht!

Die Erkenntnis, dass das eigene Profukt nicht funktioniert bzw. vom Markt nicht angenommen wird, ist sicher schmerzhaft und schwierig . Aber genau für diese Lernkurve sind solche Programme entwickelt worden.

Ein nachhaltiges Grown-Up ist ein besseres Ziel als ein Unicorn - im zweiten Schritt ist dann wiederum alles möglich. Aber wer als Gründer einmal das Geld von Investoren oder der Crowd annimmt, trägt unternehmerische Verantwortung, dieses nach Möglichkeit zu vermehren, zumindest aber nicht zu verlieren.

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Disclaimer: Dieser Artikel basiert auf einem früheren Blog-Post unter https://www.4wrd-consulting.de/2017/02/09/mehr-grown-ups-statt-unicorns/

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