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10 Mythen über die Verdauung im Faktencheck

29/07/2017 17:29 CEST | Aktualisiert 29/07/2017 17:29 CEST
champja via Getty Images

Gut gemeinte Ratschläge wie: „Willst du noch einen Verdauungsschnaps?" Oder: „Geh nicht mit vollem Magen ins Wasser!" kennt wohl jeder. Doch was ist wirklich dran an diesen Volksweisheiten?

1. Isst das Auge mit?

Ja. Ob wir ein Gericht mögen, entscheiden längst nicht nur die Geschmacksnerven. Das Aussehen eines Lebensmittels und der Geruch, den es verströmt, spielen ebenfalls eine große Rolle. Tatsächlich beruhen 80 bis 90 Prozent der Wahrnehmung einer Speise auf unserem Geruchssinn. Beim Kauen werden aromatische Gase freigesetzt, die das Gehirn direkt mit dem Essen auf unserem Teller in Verbindung bringt. Je besser es riecht, desto besser schmeckt es auch!

2. Regen Ballaststoffe die Verdauung an?

Ballaststoffe haben einen guten Ruf. Tatsächlich helfen sie bei der Verdauung und schützen vor Krankheiten: Sie binden Wasser im Dünndarm, quellen auf, drücken gegen die Darmwände und bringen so das Verdauungssystem in Schwung. Die Ballaststoffzufuhr hat in Industrienationen in den letzten 100 Jahren allerdings um das Fünffache abgenommen, was zur Verbreitung von Zivilisationskrankheiten wie Diabetes oder Arteriosklerose beigetragen haben könnte. Nehmen Sie also ruhig genügend Obst und Gemüse, Nüsse, Hülsenfrüchte und Getreide zu sich.

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3. Verursachen Bananen Verstopfung?

Ganz im Gegenteil - sie regen die Verdauung sogar an, denn Bananen enthalten sehr viele Ballaststoffe. Bananen sind aber auch ein gutes Hausmittel gegen Durchfall, denn die aufquellenden Ballaststoffe schließen Krankheitserreger ein, was den Abtransport vereinfacht.

4. Sind Probiotika gut für die Verdauung?

Probiotische Lebensmittel enthalten Milchsäurebakterien oder bestimmte Hefen, die die Darmflora stärken und bei Durchfall helfen können. Aber es muss nicht immer das teure Produkt aus der Webung sein, das womöglich noch mit viel Zucker und Zusatzstoffen angereichert wurde. Auch nichtpasteurisierter Naturjoghurt unterstützt die Darmflora. Mittlerweile sind sehr gute Bakterienpräparate entwickelt worden, die speziell bei bestimmten Beschwerden helfen können.

5. Lieber nach dem Essen trinken?

Wasser verdünne die Magensäure, heißt es oft, deshalb solle man seinen Durst lieber vor oder nach dem Essen löschen. Eine Studie mit 126 Patienten aus Kanada zeigte aber, dass Wasser den pH-Wert des Magens nicht verändert. Sein Säuregehalt ist so hoch, dass er sich von ein paar Schlucken Wasser nicht beeinflussen lässt. Achten Sie lieber darauf, genug zu trinken: 2 bis 2,5 Liter pro Tag sollten es sein.

Mehr zum Thema: Was tun bei Bauchbeschwerden?

6. Hilft Schnaps wirklich beim Verdauen?

Nicht nur Griechen trinken nach dem Essen gerne Ouzo, um die Verdauung in Schwung zu bringen. Eine kleine Schweizer Studie lässt allerdings darauf schließen, dass Alkohol dem Magen-Darm-Trakt das Leben eher schwer machen könnte. Das liegt wohl daran, dass Hochprozentiges die Nerven des Magens blockiert.

7. Wie sieht es mit dem „Verdauungsspaziergang" aus?

Ein gemütlicher Spaziergang kann tatsächlich die Darmtätigkeit in Schwung bringen. Gleichzeitig wird der Blutzuckerspiegel reguliert, was wiederum hilft, Diabetes vorzubeugen. 15 Minuten nach jeder Mahlzeit Spazieren zu gehen, reicht dafür übrigens völlig aus!

8. Schwimmverbot nach dem Essen?

„Niemals mit vollem oder ganz leerem Magen baden!", lautet eine Regel der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft. Der Hintergrund: Besonders Ältere laufen Gefahr, ihren Kreislauf zu schädigen, wenn sie mit vollem Magen Sport treiben. Denn: Nach dem Essen braucht der Körper Zeit zur Verdauung. Jüngere, die gut in Form sind, müssen allerdings nicht mit gefährlichen Konsequenzen rechnen, wenn sie nach dem Mittagessen ein paar Bahnen ziehen.

9. Einmal Stuhlgang pro Tag?

Die gesunde Bandbreite ist hier viel größer, als viele denken. Zwischen dreimal täglich und dreimal wöchentlich gilt der Stuhlgang als normal. Abweichungen deuten auf Verstopfung oder Durchfall hin.

10. Ist der Darm gesund, solange er keine Beschwerden verursacht?

Leider nein. Darmkrebs, die zweithäufigste Krebserkrankung in Deutschland, verursacht anfangs kaum Beschwerden. Menschen mit entsprechender familiärer Veranlagung oder einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung sollten die Darmkrebsvorsorge besonders ernst nehmen. Auch Menschen ohne erhöhtes Risiko können sich spätestens ab 50 Jahren regelmäßig durchchecken lassen.

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