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Warum US-Präsident Trumps großes Vorbild ein Sklavenhalter ist

Veröffentlicht: Aktualisiert:
TRUMP JACKSON
Jonathan Ernst / Reuters
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Am vergangenen Mittwoch hat Präsident Donald Trump seinem Amtsvorgänger Andrew Jackson Tribut gezollt. Anlässlich des 250. Geburtstags von Andrew Jackson besuchte der amtierende Präsident das historische Anwesen von Jackson in Nashville.

Er legte einen Kranz an Jacksons Grab nieder und bezeichnete Jackson als "einen der großen Präsidenten Amerikas". In den Augen vieler Amerikanerinnen und Amerikaner ist diese Ehrung des 7. Präsidenten der USA durch Amtsinhaber Trump ein Affront - und zwar aus gutem Grund.

Der Sklavenhalter und Plantagenbesitzer Jackson war nicht nur ein Hitzkopf, der einen seiner Widersacher im Duell tötete, er galt auch als berüchtigter "Indianerhasser".

Er war der erste Präsident, der Truppen gegen streikende Arbeiter einsetzte - und wenn es um die amerikanische Verfassung ging, ignorierte er auch gern schon mal die Auslegungshoheit des obersten Gerichtshof. Sein hartes militärisches Durchgreifen brachte ihm bei seinen Anhängern den Namen "Old Hickory" ein.

Das haben Donald Trump und Andrew Jackson gemeinsam

Bereits am fünften Tag nach seiner Amtseinführung hat Präsident Donald Trump ein Porträt von Jackson im Oval Office aufhängen lassen. Damit setzt er sich demonstrativ von Obama ab.

Dieser hatte vergangenes Jahr angeregt, das Abbild Jacksons auf dem 20-Dollar-Schein durch die afroamerikanische Sklaverei-Gegnerin Harriet Tubman ersetzen zu lassen.

Trump sieht sich selbst als populärer Kämpfer in der Nachfolge von Jackson. Aber welche Ähnlichkeit weisen Trump und Jackson tatsächlich auf? Rein äußerlich fallen die schrägen Frisuren ins Auge.

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Donald Trumps Frisur war ohne Zweifel die am meisten diskutierte und verspottete Haarpracht eines Präsidentschaftskandidaten in der Geschichte der USA. Aber auch Jacksons legendäre Naturwellen ragen aus der Riege der Präsidenten heraus.

Wie Jackson, stilisiert sich Trump als "Mann des Volkes" und als ein Kämpfer gegen das Establishment. Beide sind für ihre hemmungslose Rhetorik bekannt, wobei keiner seine Worte auf die Goldwaage legt.

Trump neigt zum Bombastischen. Er ist konfliktfreudig und aalglatt. Genau wie Andrew Jackson hat Trump eine kleine Zahl von Vertrauten um sich geschart und vertritt eine radikale Politik der Ausweisung.

Jackson lancierte die Vertreibung von Indianern aus dem fruchtbaren südöstlichen Waldland in die eher kargen Reservate im Landesinneren. Der sogenannte "Trail of Tears" gehört zu den dunkelsten Kapiteln der amerikanischen Geschichte. Zehntausende Indianer verloren im Zuge der Deportation ihr Leben.

Trump begann seine Regierungszeit damit, Besucher aus mehreren vorwiegend muslimischen Ländern an der Einreise zu hindern. An der Grenze zu Mexiko will er eine Mauer bauen lassen. Die Parallelen sind also beachtlich. Aber der Vergleich hat seine Grenzen.

Trump hält sich für ein Genie

Jackson stammte aus einfachen Verhältnissen und kam, wie Historiker vermuten, in einer Blockhütte zur Welt. Trump dagegen war von Anfang an auf Reichtum und Erfolg gepolt. Sein Vater hinterließ ihm ein großes Vermögen.

Außerdem profitierte die Familie Trump immens von staatlichen Zuwendungen - ein Umstand, den der amtierende Präsident einfach übergeht. Allen Erfolg schreibt Trump dem eigenen Genie zu.

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Andrew Jackson wandte sich gegen die Ostküstenelite und gehörte ihr als erster US-Präsident nicht an. Trump dagegen hetzt gegen eben jene Elite, ohne die aus ihm nichts geworden wäre. Andrew Jackson wurde zwei Mal mit großer Stimmenmehrheit aller Amerikaner gewählt.

Trotz eines Stimmenrückstands von drei Millionen gewann Trump die Wahlen. Mit dafür verantwortlich ist das amerikanische Wahlsystem.

Jackson war ein beliebter Populist. Trump ist dagegen der erste Präsident, dessen Zustimmungsrate in den Wochen nach der Wahl unter 50 Prozent liegt.

Woher kommt diese Verehrung?

Andrew Jackson war Berufspolitiker und ein berühmter Kriegsheld. Mit Trump kam ein politisch völlig unerfahrener Präsident ins Amt, dessen Einberufung zum Militär fünf Mal aufgeschoben wurde. Nur so umging er den Einsatz im Vietnamkrieg.

Warum also diese Verehrung von Andrew Jackson? Warum das Vorbild eines Präsidenten, dem Verfassungstreue und Völkerrecht nichts bedeuteten? Wie kann ein Mann, der die USA mit seiner Geldpolitik in die längste Finanzkrise der amerikanischen Geschichte trieb, dem Business-Mogul Trump als Idol herhalten?

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Eine Antwort bietet Trumps Chefberater Steve Bannon. Trump werde "wie im Falle von Jacksons Populismus, eine völlig neue politische Bewegung" begründen.

Der Populist Donald Trump braucht Feindbilder, wie sie Andrew Jackson hervorgebracht hat, wenn er die Indianer als "unmenschliche blutrünstige Barbaren" bezeichnete.

Die alte Geschichte der Pilgerväter, die in Amerika Zuflucht fanden, taugt nichts für Männer wie Bannon und Trump. Ihr Ziel ist es, eine neue radikale politische Bewegung zu begründen.

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Ebenso wenig taugt die Geschichte der klassenlosen Gesellschaft, wie sie Werner Sombart sah. Der deutsche Volkswirt und Soziologe erklärte einst, den amerikanischen Arbeitern, die Roastbeef und Apple Pie speisen, gehe es so gut wie der bürgerlichen Schicht Europas.

Trump beschwört den drohenden Untergang Amerikas durch innere und äußere Feinde. Jackson, der Macher, der Kämpfer, der Populist kommt Trump da als Vorbild gerade recht.

Prof. Dr. Christof Mauch ist Professor für Amerikanische Kulturgeschichte, Leiter des Lasky Centers für Transatlantische Beziehungen und Direktor des Rachel Carson Centers an der LMU in München.

(jz)

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