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Löwen- und Schlangengrube zugleich

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WOMAN WRITING
Rawpixel via Getty Images
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Schreiben war schon immer mein Ding. Klar, musste ich es erst einmal lernen, aber als ich des Schreibens mächtig war, gab es kein Halten mehr. Auch an Phantasie fehlte es mir absolut nicht und so kam es, dass meine Familie über meine lustigen Kurzgeschichten, Tränen lachte.

Als ich dann aber nach sehr erfolgreich abgeschlossener Mittlerer Reife den Wunsch hatte Journalistin zu werden, verging meinem Vater das Lachen. Wollte er doch in mir seinen unerfüllten Traum verwirklicht sehen, erst das Abi zu machen und im Anschluss daran ein Architekturstudium zu starten. Journalismus war in seinen Augen eine brotlose Kunst.

Na, ich frage mich, was Architekten wohl sind. Ich kenne einige, die sich mit einem Architekturbüro selbständig gemacht haben und dann nach ein paar mehr oder weniger erfolglosen Jahren feststellen mussten, auf das falsche Pferd gesetzt zu haben.

Nun gut, ein Sturkopf war ich schon immer. Auf die Journalistenschule bin ich nicht gegangen, aber seinen Wünschen habe ich mich auch nicht gefügt. Dann kamen Jahrzehnte, in denen der Wunsch zu schreiben brachlag und erst als ich 57 Jahre alt geworden war, ganz langsam wieder zurück an die Oberfläche kriechen sollte. Ausschlaggebend dafür war merkwürdigerweise der Tod meines Vaters.

Als ich Anfang 2013 zufällig erfuhr, dass mein Vater, zu dem ich zu diesem Zeitpunkt seit bereits 17 Jahren keinen Kontakt mehr hatte, verstorben war, hat mich das nicht wirklich belastet. Hatte er mich doch auch Jahrzehnte von meiner Halbschwester ferngehalten.

„Das geht dich gar nichts an" war seine Antwort, wenn ich es wagte nach ihr zu fragen. Als ich diese Sachverhalte einer Kollegin schilderte, meinte diese, ohne zu wissen, was sie dadurch bei mir auslösen würde, dass man drüber ja glatt ein Buch schreiben könne.

Dieser Gedanke ging mir einige Zeit nicht mehr aus dem Kopf und ich setze mich hin und fing an was ich erlebt hatte und noch erleben sollte, niederzuschreiben. Das war perfekt, ich konnte so sehr unangenehme Erlebnisse, die ich ganz weit hinten in meiner Seele vergraben hatte, erfolgreich aufarbeiten.

So entstand die Biografie „Tränen waren gestern", von der ich hoffe vielen Menschen, die gerade in tiefe schwarze Löcher gefallen sind, aufzeigen zu können, dass es immer wieder einen Weg zurück ans Licht gibt. Aufgeben ist keine Option.

Nun, das Buch war fertiggestellt und ich begab mich auf die Suche nach einem Verlag. Ich hatte mir das immer alles so einfach vorgestellt. Buch schreiben, Verlag finden, Geld verdienen. Hahahaha. Ich hatte ja wirklich keine Ahnung, was das so abgeht in dieser Branche.

Wenn ich damals gewusst hätte, was ich heute weiß, hätte ich noch wesentlich mehr Geld auf meinem Konto. Aber ich kenne kaum jemanden, der nicht auf irgendeine Art und Weise schon mal Lehrgeld bezahlt hätte.

Das Manuskript ging an zwei Verlage und als mir beide Verlage bereits wenige Tage später einen Autorenvertrag zuschickten, war meine Glückseligkeit kaum zu beschreiben. Ich hatte ja bereits vorher einige meiner Freunde und meinen Mann probe lesen lassen und durch die Bank nur Lob bekommen.

Nun hatte ich auch noch das Urteil von Fachleuten. Juchhuuu, es geht bergauf. Ich hatte mich relativ schnell für ein Familienunternehmen entschieden. Als ich den Vertrag unterschrieben hatte, kam auch gleich eine Rechnung, die ich bezahlen sollte, damit mit dem Buch begonnen werden konnte.

Ich hatte das Interesse von zwei Druckkostenzuschussverlagen (DKZV) geweckt. Seriöse Verlage würden von Autoren für interessante Manuskripte kein Geld verlangen, wurde mir im Nachhinein gesagt. Super, und woher soll das jetzt ein Neuling wissen? So what, Schnee von gestern.

Ein paar Wochen, ich hatte auch bereits meine ersten Druckversionen erhalten, kam dann die Info, dass der Verlag Insolvent ist und alle weiteren Informationen kämen ab jetzt vom Insolvenzverwalter. Die erste Abrechnung, kann man sich natürlich gut vorstellen, konnte ich gleich abschreiben, denn die ging natürlich gleich mal in die Insolvenzmasse.

Dann passierte einige Monate erst einmal gar nichts. Auf einmal, Halleluja, kam die Information, dass die Druckerei, die vorher schon die „alten" Bücher gedruckt hatte nun einen neuen Verlag gegründet hatte und fragt nach, ob die Autoren mit diesem neuen Verlag weiterarbeiten wollten.

Jaaaaa, natürlich, hatte ich doch schon mein Kinderbuch „Bella das kleine Sockenmonster" fertig geschrieben und wollte es unbedingt unter die Leute bzw. Kinder bringen. In diesem Buch erzählt unserer Hündin Bella selbst von ihren Erlebnissen und zusätzlich schmücken viele sehr hübsche Fotos das Buch. Auf die guten Rezensionen, die es für beide Bücher bereits gibt, glaube ich stolz sein zu dürfen.

Nun, Glückskind wie ich nun mal bin, ging auch dieser Verlag über die Wupper. Meine Laune brauche ich wahrscheinlich nicht mehr im Detail zu beschreiben.

Also Leute solltet ihr Lust auf einen Bestseller haben, macht euch im Vorfeld sehr schlau, sonst könnte es ein böses Erwachen geben. Sehr interessant zu diesem Thema ist auch das Buch „Der Traum vom Bestseller und die harte Wirklichkeit", das vor Kurzem von einer lieben Kollegin, Daggi Geiselmann, veröffentlicht wurde.

Meine Devise ist, dass aufgeben keine Option ist. So habe ich durch diesen ganzen Mist ein paar sehr wertvolle Autoren, die mir inzwischen ans Herz gewachsen sind, kennengelernt. Bei Verlag 3 angekommen, kann ich bisher noch nichts Negatives finden und ich hoffe sehr, dass das auch so bleibt.

Glaubt nur nicht, dass Autoren eine große Familie sind, die alle Höhen und Tiefen gemeinsam durchstehen und sich gegenseitig unterstützen. Außer einigen sehr wenigen Ausnahmen, wie ich vorher schon erwähnte, ist sich in dieser Branche jeder nur selbst der nächste. Im Grunde ist hier jeder ein Einzelkämpfer, der sich hoffentlich schnell klar darüber wird, dass der Wunsch mit Schreiben Geld zu verdienen nur einigen sehr wenigen vergönnt ist.

Wenn du jetzt immer noch Bock hast und dich stark genug für diese Löwengrube fühlst, dann wünsche ich dir von Herzen alles Gute und Glück dieser Erde auf dem Weg zu DEINEM Bestseller.

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