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Warum Burn-out für mich zum Mutter-sein dazugehört

24/07/2017 13:09 CEST | Aktualisiert 24/07/2017 13:09 CEST
SolStock via Getty Images

Heute Mittag habe ich heulend meine Pommes gegessen. Das kommt zum Glück nicht häufig vor (das Heulen meine ich, nicht das Pommes-Essen). Ich war also bereits um zwölf Uhr fertig mit den Nerven und ahnte: Dies ist wieder so ein Mama-Burn-Out-Tag. Zumindest fühlt sich der Name für solch einen Dauerzustand meiner Dünnhäutigkeit passend an. Ich fühlte mich nämlich jetzt schon wie ausgebrannt.

An Tagen wie heute merke ich meine Hochsensibilität ganz deutlich. Dann bin ich nicht belastbar und die Kinderbetreuung scheint ein unmögliches Unterfangen zu werden. Ich weiß gar nicht genau, wann es begann. Vielleicht spürte ich die ersten Anzeichen bereits beim Aufwachen im Bett, als mir bewusst wurde, dass der Kindergarten heute ausfällt und ich ein Kind mehr im Haus habe als eh schon.

Einkaufen stand auf dem Programm. Mini und Maxi rasten mit ihren Kinder-Einkaufswagen durch die Drogerie, nicht ohne sich lautstark über sämtliche Gänge hinweg zu unterhalten. "Mini, wo bist du??" brüllte eine mir wohlbekannte Stimme aus der Shampoo-Ecke. "HIIIIIEEER!" kam die Antwort fünf Reihen weiter vom Klopapier geschrien. Ich starrte konzentriert auf den Weichspüler in meiner Hand und versuchte mir nicht anmerken zu lassen, dass die Störenfriede zu mir gehörten.

Ich hätte dringend eine Pause gebraucht

Im Edeka nebenan ging es genauso weiter. Zuhause räumte ich gerade die Einkäufe in den Kühlschrank, als ich zufällig mitbekam, dass nebenan Kräcker und Gemüsestückchen gegen den großen Vormittagshunger lieber durchs Wohnzimmer geworfen wurden, als im ach so hungrigen Magen zu verschwinden.

Ein völlig eingepinkeltes Kind, das eine Fußspur quer durch die ganze Wohnung zog, war beinahe der Gipfel des Vormittags. Beinahe. Der war nämlich erreicht, als meine Kinder sich noch darum kloppten, wer die Mayo und wer den Ketchup zum Tisch tragen dürfe.

"Zieh' dich mal ein paar Minuten zurück, ich kümmere mich in der Zeit um die Kinder!" Das war es jetzt, was ich gebraucht hätte. Ein zweiter Erwachsener neben mir, der noch strapazierfähige Nerven hat und nicht selbst schon am Limit geht. Denn dort befand ich mich zu dem Zeitpunkt bereits. Ich hätte dringend eine Pause gebraucht. Stattdessen musste ich weiter Mama sein.

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Kein zweiter Erwachsener. Der Mann hatte genug Stress auf der Arbeit und unsere Mütter mussten selbst ihren Jobs nachgehen.

"Jetzt hast du schon mal einen kleinen Eindruck bekommen, wie es nach dem Umzug sein wird", schoss es mir durch den Kopf. Wenn ich noch öfter auf mich alleine gestellt sein werde.

"Ja und? Jetzt wohne ich noch inmitten der Verwandtschaft und habe trotzdem akut Niemanden, der mir hilft", entgegnete ich mir selbst höhnisch.

Ich musste mich selbst an den Haaren aus dem Sumpf ziehen und wusste, dass ich nicht mal die Kraft hatte, die Hände über den Kopf zu heben. Und trotzdem musste es irgendwie weitergehen. Und das ging es auch. Erst einmal mit einer verlängerten Mittagspause, in der ich beinahe zwei Stunden schlief. Nicht nur seelisch spürte ich meine Dünnhäutigkeit, auch körperlich war ich längst an meinen Reserven.

Zu schade, dass niemand Mamas Nerven berücksichtigt

Der anschließende Spielplatzbesuch wurde zum Best-Of Zeit mit den Kindern verbringen: Schreien, Motzen, Nörgeln, Streiten, Lachen, Hinfallen, Bluten, Wiederaufstehen und die nächste Runde rückwärts rutschen. Zu schade, dass in dem Alter niemand Mamas Nerven berücksichtigt.

Das Mittagessen war jedenfalls auch bei mir nicht die letzte Situation, in der heute geweint wurde. Erst jetzt, nachdem die Kinder im Bett sind, lässt der erhöhte Puls langsam nach, beginnen sich meine Schultern entspannt nach unten zu senken.

Morgen ist wieder ein neuer Tag. Meiner Erfahrung nach ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass mein Mama-Burn-Out anschließend weitergeht. Das ist der große Lichtblick an der Sache.

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An meinem heutigen Zustand kann ich nicht mehr viel ändern. Vor allem in den stressigen Situationen nicht. Aber vielleicht ist das auch nicht immer nötig. Ist es wirklich wichtig, immer den bestmöglichen Zustand aus sich herauszuholen? Muss ich immer etwas verbessern wollen, wenn ich gerade nicht auf meinem erwünschten Top-Niveau bin? Gehören nicht die Tiefs genauso zum Leben wie die Hochs?

Manchmal hilft es mir tatsächlich, mich auf meinen Atem zu konzentrieren und die Hochsensibilität noch einmal mehr bewusst zu akzeptieren. Mir zu sagen, dass es Tage gibt, an denen ich gelassen und tiefenentspannt reagieren kann, es aber eben auch genau die Tage gibt, die mir meine Dünnhäutigkeit in ihrer krassesten Form vor Augen halten. Und das ist in Ordnung so. Weil Leben als Hochsensible so ist.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf "Pusteblumen für Mama".

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