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Christine Suhan Headshot

An meinen Mann, der mit den Kindern zuhause bleiben will, während ich arbeite

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Vor ein paar Monaten hatten mein Mann und ich ein ernstes Gespräch - wenn du verheiratet bist, weißt du, was es heißt "ein Gespräch" zu führen.

Es geschah, nachdem mein Mann sich dazu entschlossen hatte, seinen Job zu kündigen, weil seine Arbeit ihn "unglücklich machte".

Dass er so spontan kündigte, ohne einen Plan B zu haben, machte mich natürlich wütend. Ich konnte nicht verstehen, wie mein Mann so unverantwortlich sein konnte.

Und er konnte nicht verstehen, wie ich 40 Stunden in der Woche damit verbringen konnte, etwas zu tun, was ich verabscheute.

Ich konnte meinen Mann nicht verstehen

Aber ich habe nie einen Job verabscheut. Ich habe es nicht verstanden. Ich hörte meinem Mann zu, der über mögliche Optionen für die Zukunft sprach, die jedoch aufgrund seiner beruflichen Vergangenheit in gewisser Weise eingeschränkt waren. Je mehr er redete, desto mehr verlor er den Mut.

Er atmete einen kurzen Moment durch und ich stellte ihm eine Frage: "Wenn Geld, Zeit und Bildung keine Faktoren wären, wie würde dein idealer Job aussehen?" Er musste nicht eine Sekunde überlegen und antwortete:

"Ich möchte ein Hausmann sein."

Das war nicht das erste Mal, dass er erwähnte, dass er mit unseren drei Jungs zu Hause bleiben wollte. Ich habe keinen Zweifel daran, dass mein Mann dazu geboren ist, Vater zu sein. Er ist zärtlich und liebevoll. Er weiß intuitiv, wie er mit den meisten Situationen umgehen muss, die anderen Eltern Schwierigkeiten bereiten.

Mit Leidenschaft und Herz bringt er unseren Jungs bei, freundlich, liebevoll und respektvoll zu sein. Dennoch fühlte ich mich betrogen, als er mir von seinem Traum erzählte, mit den Jungs zu Hause zu bleiben.

Es fühlte sich an, als würde ich den ehrgeizigen, anständigen und hart arbeitenden Mann, den ich geheiratet hatte, plötzlich nicht mehr kennen.

Ich reagierte mit den schrecklichsten Worten, die ich jemals gesagt habe:

"Ich weiß nicht, ob ich jemanden lieben kann, den ich nicht respektiere. Und ich kann jemanden nicht respektieren, der keinen Antrieb hat."

Ich fühlte mich schuldig

Ich dachte, dass meinem Mann die Motivation fehlte, weil er mit unseren Kindern zu Hause bleiben wollte. Ich dachte, es bedeutet, dass er keinen Ehrgeiz und keine Ziele hat. Ich dachte, dass es ihn weniger zu einem Mann machte, wenn er mit den Jungs zu Hause bleiben wollte - ich war angewidert von mir selbst, dass ich das dachte.

Wir haben unseren Konflikt schnell gelöst, aber ich habe mich schuldig gefühlt. Ich kenne viele Väter, die zu Hause bleiben und ich respektiere jeden einzelnen von ihnen - ich glaube nicht, dass es einen Mann weniger männlich macht, wenn er seine Kinder erzieht.

Warum stört es mich, dass mein Mann zu Hause bleibt?

Ich sprach mit meinen Freunden, um die Schuld zu verarbeiten. Ich war schockiert als ich merkte, dass sie alle genauso dachten wie ich: Sie waren sich einig, dass es vollkommen akzeptabel ist, wenn ein Mann zu Hause bleibt und auf die Kinder aufpasst - vorausgesetzt, es ist nicht der eigene Ehemann.

Es tut mir leid, dass unsere Generation von Männern nur über den beruflichen Erfolg definiert wird. Und ich bemitleide diese Generation von Frauen, die glaubt, dass echte Männer keine Hausmänner sein können. Ich bin traurig und es tut mir leid.

An meinen großartigen, leidenschaftlichen Mann

Ich fühle mich schuldig.

Es tut mir leid, dass wir in einer Welt leben, in der mit zweierlei Maß gemessen wird. Eine Welt, in der Frauen dazu ermutigt werden, in Führungspositionen aufzusteigen und für Gleichheit zu kämpfen. Während Männer, die kochen, putzen und sich um die Kinder kümmern, kritisiert werden.

Es tut mir leid, dass mein Gehirn noch die standardmäßigen Lügen glaubt, die in unserer Gesellschaft vorherrschen. Die Lügen, die uns sagen, dass Männer, die zu Hause bleiben nicht ehrgeizig sind. Dass sie keine Leidenschaft und keinen Antrieb hätten. Dass sie weniger wert seien, wenn sie keinen anständigen Beruf ausüben. Dass sie keinen Respekt verdienten.

Es tut mir leid. Denn die Wahrheit ist: Zu Hause zu bleiben und auf unsere Kinder aufzupassen, ist das Ehrgeizigste, was du tun kannst. Mit Herz und Seele Tag ein und Tag aus die Kinder großzuziehen, ist das Respektabelste, was du tun kannst. Sie zu erziehen, sie zu formen und sie zu den Menschen wie dir zu machen, gibt ihnen die beste Chance, erfolgreich zu werden in dieser großen und brutalen Welt.

Denn die Welt braucht mehr Männer wie dich.

Männer, die sensibel sind. Männer, die freundlich sind. Männer, die sich um andere Menschen kümmern und ihre Gefühle berücksichtigen. Männer, die Empathie und Mitgefühl zeigen. Männer, die sich Zeit für ihre Familie nehmen, anstatt die Zeit in einen Job zu investieren.

Die Welt braucht mehr Männer wie dich, die für ihre Außenseiterposition kämpfen. Männer, die ihren Kindern beibringen, füreinander da zu sein und ihre Freunde zu schützen. Männer, die ihren Kindern zeigen, wie man Mobbing verhindert.

Die Welt braucht mehr Männer, die für die Rechte der Frauen kämpfen, auch wenn es auf ihre eigenen Kosten geht. Die bereit sind, eine Frau zu beschützen, auch wenn sie dadurch einen Freund verlieren.

Du hast mir gezeigt, wie ein echter Mann ist.

Du hast mir gezeigt, wie Respekt aussieht: Respekt kommt nicht von einem ausgefallenen Job mit einem guten Gehaltsscheck. Man findet Respekt in der Art und Weise wie deine Augen aussehen, wenn du unsere Jungs siehst und sie von ganzem Herzen liebst.

Respekt lebt in deinen Tränen. In deiner Entschuldigung, nachdem du die Beherrschung verloren hast. Respekt lebt tief in deinem Herzen. Und dein Herz ist das ehrgeizigste und leidenschaftlichste, das ich je kennengelernt habe.

Danke, dass du mich geändert hast. Dafür, dass du die Vorurteile vernichtet hast, die die Gesellschaft in mir aufgebaut hat. Danke, dass du mich geduldig liebst, während ich lerne, dich inniger und tiefgründiger zu lieben.

Dieser Blog erschien zuerst bei For Every Mom und wurde von Samantha Meier aus dem Englischen übersetzt.

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(glm)